Exotische Delikatessen aus Fernost | Wirtschaft | DW | 03.09.2013
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Wirtschaft

Exotische Delikatessen aus Fernost

Die Firma Kreyenhop & Kluge ist einer der größten Importeure von asiatischen Lebensmitteln in Europa. Von Oyten bei Bremen beliefert das Familienunternehmen Asia-Shops, Restaurants und Lebensmittelhandel.

eine Kokosnuss in 2 Teile geteilt URL:http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/95/Coconut_art_06.jpg Lizens:www.creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/ +++CC/Nikolai Schäfer+++

Kokosnusshälften

Nirgendwo in Europa lagern wohl mehr asiatische Lebensmittel als im Industriepark in Oyten vor den Toren Bremens. Über 2.500 Artikel listet der Importeur Kreyenhop & Kluge in seinem Sortiment auf. Die Lagerhallen sind 10 Meter hoch, in den Regalen haben 17.000 Paletten Platz. Geschäftsführer Tim Kreyenhop greift zu einem Glas Tikka-Masala-Soße der indischen Marke Truly Indian: "Damit kann ich mein Fleisch indisch marinieren; auf dem Etikett ist auch ein Rezept." Tom Kreyenhop ist die Vorliebe für exotische Nahrung in die Wiege gelegt worden. Vor acht Jahren hat der 38jährige die Geschäftsführung übernommen - gemeinsam mit seinem Bruder, in dritter Generation.

Hauptartikel: Kokosnussmilch

Import fernöstlicher Lebensmittel: In der Lagerhalle; Copyright: Kreyenhop & Kluge GmbH & Co. KG***ACHTUNG: Das Bild darf ausschließlich im Rahmen einer Berichterstattung (über Import fernöstlicher Lebensmittel) genutzt werden***

In riesigen Lagerhallen warten fernöstliche Lebensmittel auf den Weitertransport

Gedämpfte Makrelen, Wasserwanzen, frittierte Hühnerköpfe oder andere Delikatessen, die man in Thailand auf den Märkten findet, fehlen hingegen im Sortiment. Zum einen, sagt Tom Kreyenhop, gibt es in Europa wohl keine Nachfrage hierfür, zum anderen würde der Import an gesetzlichen Hygienevorschriften scheitern. Unerschwinglich teuer seien die asiatischen Lebensmittel indes nicht. Die Tikka-Masala-Soße kostet im 280-Gramm-Glas 1,99 Euro. Nur einen Schritt weiter findet sich der Hauptartikel im Regal: Kokosmilch. Sie würde in der deutschen Küche mehr und mehr die Sahne ablösen, erklärt Tom Kreyenhop. "Kokosnussmilch hat, abgesehen davon, dass sie exotischer ist, einen deutlich geringeren Fettgehalt, zwischen 17 und 19 Prozent."

Import fernöstlicher Lebensmittel: LKW-Abfertigung; Copyright: Kreyenhop & Kluge GmbH & Co. KG***ACHTUNG: Das Bild darf ausschließlich im Rahmen einer Berichterstattung (über Import fernöstlicher Lebensmittel) genutzt werden***

Die letzte Meile wird per LKW überwunden

Bis zu sechs Wochen dauert der Seetransport. Aus Fernost kommen die Container über Bremerhaven ins Industriegebiet Oyten. Das Bremer Autobahnkreuz liegt vor der Haustür. Die firmeneigenen LKW verteilen die Ware in ganz Deutschland und den benachbarten Ländern. Sie fahren die Asia-Shops an, Restaurants und die Zentrallager der großen Supermarktketten. Tiefgefrorene Enten, vietnamesische Ananas in Konserven, Wein aus Japan, Bier aus Thailand.

Ergibt es Sinn, Lebensmittel und Getränke für den alltäglichen Gebrauch über den halben Erdball zu transportieren? "Wir wollen authentische Lebensmittel, keine Chili-Soße, die etwa in Dortmund hergestellt wird", sagt Kreyenhop. Andererseits, versichert er, lasse er den ökologischen Aspekt nicht völlig außen vor – aber: "Als Importeur nehmen wir es in Kauf, wenn unsere Lebensmittel quer durch die Welt transportiert werden."

Vom Kolonialwarenhandel zum Lebensmittelimporteur

Import fernöstlicher Lebensmittel: Das Betriebsgelände; Copyright: Kreyenhop & Kluge GmbH & Co. KG***ACHTUNG: Das Bild darf ausschließlich im Rahmen einer Berichterstattung (über Import fernöstlicher Lebensmittel) genutzt werden***

Vielleicht werden in Zukunft typisch deutsche Produkte von hier den Weg ins Ausland finden

140 Mitarbeiter erwirtschaften einen Jahresumsatz von 70 Millionen Euro. Den Einkaufswert der Waren in den Regalen schätzt Geschäftsführer Tom Kreyenhop auf zehn Millionen Euro. Im Hochregal wartet ein Tuk-Tuk auf den nächsten PR-Auftritt. Aus Bangkok wurde das motorisierte, dreirädrige Taxi importiert. Auf den einschlägigen Messen will die Firma damit auf sich und ihre fernöstlichen Lebensmittel aufmerksam machen.

Der Großvater gründete 1933 einen kleinen Kolonialwarenhandel, den der Vater in den 80er Jahren auf den Export fernöstlicher Lebensmittel ausrichtete. In grauer Vorzeit galten Salz, Zimt, Pfeffer als Ausbund exotischer Waren, vor Kurzem noch Curry-Chicken süß-sauer oder Sushi. Die Mitarbeiter in den Außenbüros in Hongkong, Bangkok, in Ho-Chi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon, und in zwei Büros in China sind immer auf der Suche nach dem Neuen, nach dem Unentdeckten und spüren kulinarische Trends auf. Im Zuge der Globalisierung wird es freilich zunehmend schwieriger, eine verwöhnte Klientel zufrieden zu stellen.

So nimmt sich das Unternehmen in letzter Zeit verstärkt der orientalischen Küche an – Couscous, Datteln, Safran, Falafel stehen demnächst auf der Importliste. Und womöglich, so eine weitere Option von Geschäftsführer Tom Kreyenhop, werden auf den bestehenden Vertriebswegen nach Fernost eines nicht so fernen Tages deutsche Marmelade oder spezielle regionale Biersorten in die Supermärkte in Kambodscha, Vietnam oder Thailand gelangen.

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