Ex-Fiat-Chef und Ferrari-Präsident Sergio Marchionne gestorben | Aktuell Welt | DW | 25.07.2018
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Automobilbau

Ex-Fiat-Chef und Ferrari-Präsident Sergio Marchionne gestorben

Am Wochenende war Marchionne wegen Gesundheitsproblemen als Konzernchef abgelöst worden. Jetzt ist der 66-Jährige, der das Unternehmen seit 2004 leitete, gestorben.

"Was wir befürchtet haben, ist leider eingetreten. Sergio Marchionne, Mensch und Freund, ist gegangen", teilte Fiat-Chrysler-Verwaltungsratspräsident John Elkann mit.

Fiat und Ferrari hatten bereits am Samstag mitgeteilt, dass der 66-Jährige den Chef-Posten beim italienisch-amerikanischen Autobauer Fiat Chrysler Automobiles (FCA) und bei der Tochter Ferrari aus gesundheitlichen Gründen abgeben müsse.

Nach unerwarteten Komplikationen bei einer Operation in Zürich hatte sich der Zustand Marchionnes so stark verschlechtert, dass er seine Arbeit als Fiat-Chef sowie als Präsident und Vorstandschef von Ferrari nicht wieder aufnehmen konnte.

Ende einer Ära

Marchionne galt als Visionär, aber auch als harter Verhandlungspartner für Gewerkschaften und in der Formel 1. Mit markigen Sprüchen machte er sich weltweit einen Namen. Sein Tod wird von vielen Menschen in Italien als das Ende einer Ära gesehen.

Der Italiener mit kanadischem Pass war 2004 an die Fiat-Spitze gerückt, als das Turiner Unternehmen kurz vor der Pleite stand. Zehn Jahre später fädelte Marchionne die Übernahme des ebenfalls schwer angeschlagenen US-Rivalen Chrysler ein.

Seit der Fusion beider Autobauer im Herbst 2014 stieg der Wert der Aktie um fast 350 Prozent - und damit so stark wie bei keinem anderen Unternehmen der Branche.

Als wichtiges Vermächtnis Marchionnes gilt auch die Konzentration auf Nischenmarken. Zum Ende seiner Karriere bei FCA hatte der Manager sein letztes großes Ziel erreicht und die Schuldenfreiheit des Unternehmens für Ende Juni verkündet.

Marchionne wollte sich eigentlich 2019 von dem Posten bei Fiat verabschieden. Rückzugspläne bei Ferrari waren hingegen nicht bekannt.

Erfolglose Suche nach Partnern

An der Spitze von Fiat steht nun der Chef der US-Geländewagen-Tochter Jeep, Mike Manley. Neuer Ferrari-Chef wurde Louis Camilleri, der zuvor unter anderem leitende Positionen beim Tabakmulti Philip Morris innehatte.

Als Ferrari-Präsident galt Marchionne auch in der Formel 1 als kompromissloser Manager, der den Rennstall allerdings wieder in die Spur brachte. Das Team von Pilot Sebastian Vettel hatte er öffentlich mehrmals deutlich kritisiert.

Marchionnes Tod wirft auch Fragen zur langfristigen Ausrichtung von Fiat-Chrysler auf. Erst vor kurzem hatte Marchionne einen Strategieplan bis 2022 präsentiert. 

Analysten befürchten jedoch, dass die Zukunft des weltweit siebtgrößten Autobauers langfristig unsicher ist. Die hohen Ausgaben für den Klimaschutz sowie Investitionen in Elektroautos und autonomes Fahren könnten nur mit einem Partner gestemmt werden, argumentieren einige Experten.

Den aber hatte Marchionne trotz intensiven Werbens in den vergangenen Jahren nicht gefunden, Volkswagen, General Motors, Toyota und Ford zeigten sich nicht interessiert.

Übernahmekandidat?

Deshalb hatte Marchionne seinen Fünf-Jahresplan darauf angelegt, die Überlebensfähigkeit des Unternehmens durch Investitionen in Zukunftsfelder aus eigener Kraft zu sichern. Der Konzern soll stärker auf Elektroautos und autonomes Fahren setzen, um den Anschluss an die Konkurrenz nicht zu verlieren. Gleichzeitig soll die Produktion von Geländewagen hochgefahren werden, die weltweit stark gefragt sind und an denen die Hersteller gut verdienen.

Max Warburton von der Beratungsgesellschaft Bernstein glaubt indes, dass Marchionnes Ziele Manley nur begrenzt als Anleitung dienen können. Denn Marchionne habe Fiat Chrysler in einem Befehls- und Kontrollstil mit konstanten Brandbekämpfungsmaßnahmen geführt. "Es gibt keine  Bedienungsanleitung, der man folgen kann", so der Analyst.

Unten den Wettbewerbern aus der westlichen Welt und aus Japan ist Fiat Chrysler nach Ansicht von NordLB-Analyst Frank Schwope einer der schwächsten. Der Konzern verfüge über vergleichsweise wenig Geld für Neuentwicklungen und habe eine veraltete Modellpalette. Schwope sieht Fiat Chrysler daher über kurz oder lang als Übernahmekandidaten für einen chinesischen Autobauer.

bea/ul (dpa, reuters, afp)