Evolution: Das tierisch lange Leben der Frauen | Wissen & Umwelt | DW | 27.03.2020
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Wissen & Umwelt

Evolution: Das tierisch lange Leben der Frauen

Frauen werden im Durchschnitt älter als Männer. Einer neuen Studie zufolge gilt das allerdings auch für die Tierwelt. Liegt das daran, dass Männer quer durch alle Spezies viel häufiger auf dumme Ideen kommen?

Drei junge Löwen, Afrika Kenia (picture-alliance/dpa/Nilsen)

Schützt das Rudelverhalten weibliche Löwen vor einem frühen Tod?

Frauen leben im Schnitt sechs bis acht Jahre länger als Männer. Zumindest dann, wenn man(n) sie gut behandelt. Das wissen wir allerdings schon eine ganze Weile.

Was wir bisher nicht wussten: Gleiches gilt auch für viele Wildtiere. Zu diesem Ergebnis ist ein internationales Forscherteam unter Federführung der University of Bath bei der Untersuchung der Lebenserwartung von 101 verschiedenen Tierarten gelangt. Die Studie wurde im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.

Im Tierreich ist der Unterschied der geschlechtsspezifischen Lebenserwartung sogar weit größer als beim Menschen. Für 60 Prozent der untersuchten Tierarten gilt, dass die weiblichen Tiere im Schnitt 18 Prozent länger leben als ihre männlichen Artgenossen. Zwischen menschlichen Frauen und Männer beträgt der Unterschied knapp 8 Prozent.

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt das zum einen daran, dass Frauen Männern gegenüber biologisch im Vorteil sind, wenn es um Gesundheit und damit um die Lebensdauer geht.

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Von wegen Krone der Schöpfung

Mit X-Chromosom und Östrogen gegen den frühzeitigen Tod

Frauen besitzen zwei X-Chromosomen, während Männer mit nur einem zurechtkommen müssen (dafür haben sie ein Y-Chromosom, das ihnen in diesem Fall allerdings nicht weiterhilft). 

Auf den X-Chromosomen sind einige immunrelevante Gene kodiert. Darunter Gene, die bestimmte Erreger erkennen und so die entsprechende Immunantwort in Gang setzen können.

Auch das Geschlechtshormon Östrogen, über das Frauen naturgemäß mehr verfügen als Männer, hat eine schützende Funktion. 

Lesen sie auch: Frauen nicht besser im Multitasking als Männer 

Die Wissenschaftler vermuten, dass die Biologie ihre schützende Hand in ganz ähnlicher Weise auch über die weibliche Tierwelt hält.

"No risk, no fun!" - sagt der Mann

Diese biologischen Vorteile mag man als himmelschreiende Ungerechtigkeit ansehen – sie sind allerdings nicht der einzige Grund, weshalb Frauen länger leben. Laut WHO liegt das auch daran, dass sich Frauen tendenziell weniger risikofreudig verhalten.

Anders ausgedrückt: Frauen rauchen und trinken weniger und kommen seltener auf selten dämliche Ideen. Wie gesagt, tendenziell. 

Mehr dazu: Wandernde Arten: Mehr Schutz für Tiere auf Weltreise

Die kürzere Lebenszeit männlicher Wildtiere lässt sich zwar nicht mit übermäßigem Tabak- und Alkoholkonsum erklären, aber die Wissenschaftler vermuten auch hier geschlechtsspezifisches Verhalten als einen der Gründe.

Die Forscher stellten fest, dass weibliche Löwen mindestens doppelt so lange leben wie die Männchen. "Weibliche Löwen leben in einem Rudel zusammen, in dem Schwestern, Mütter und Töchter gemeinsam jagen und sich gegenseitig versorgen. Erwachsene männliche Löwen leben hingegen oft allein oder mit ihrem Bruder zusammen und haben daher nicht das gleiche Unterstützungsnetz", sagt einer der Studienautoren, Tamás Székely vom Milner Centre for Evolution an der University of Bath. 

Längeres Leben hinter Gittern?

Die Forscher vermuten außerdem, dass es der weiblichen Lebensdauer zugutekommt, wenn sich das Männchen als möglichst engagierter Vater zeigt. So könnten die gesundheitlichen Strapazen der Geburt und Jungenaufzucht aufgewogen werden.

Weil vieles noch Spekulation ist, müssen mehr Daten her, um den wahren Gründen für die unterschiedliche Lebenserwartung auf die Spur zu kommen. 

Als nächstes wollen die Forscher deshalb die Lebensdauer in Gefangenschaft lebender Tiere unter die Lupe nehmen, um sie mit der ihrer wilden Artgenossen vergleichen zu können. 

Ob die all-inclusive-Versorgung die Zootiere länger leben lässt oder die Langeweile der Gefangenschaft erst deprimiert und dann vorzeitig tötet, wird sich dann zeigen. 

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