Europas Flüsse: Zu trocken, zu niedrig, zu heiß | Wissen & Umwelt | DW | 08.08.2022
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Trockenheit

Europas Flüsse: Zu trocken, zu niedrig, zu heiß

Anhaltende Hitze und Regenmangel in weiten Teilen Europas lassen viele große Flüsse austrocknen. Das hat gravierende Folgen für die Tierwelt, die Wirtschaft und für die Menschen an Rhein, Po und Co.

Sandbänke an der Niedrigwasser führenden Donau

Anhaltende Trockenheit führt vielerorts in Europa zu niedrigen Pegelständen - wie an der Donau

Die großen Wasseradern Europas sind wichtige Wirtschaftswege, Ökosysteme und Wahrzeichen der Städte, durch die sie sich schlängeln. Aber aufgrund der hohen Temperaturen und anhaltenden Dürre, mit denen Länder auf dem ganzen Kontinent aktuell wieder zu kämpfen haben, führen die Flüsse Niedrigwasser oder sind viel zu warm.

Rhein-Schifffahrt in Gefahr

Der Rhein führt Niedrigwasser. Normalerweise beträgt die Durchschnittstiefe im Fluss um die Jahreszeit rund zwei Meter. An mehreren Stellen ist sie aber mittlerweile auf unter einen Meter gefallen. In einer Engstelle unweit der deutschen Stadt Koblenz lag der Wasserstand Anfang August bei nur noch 56 Zentimetern.

Niedrigwasser im Rhein vor Köln mit viel Kies am Ufer sichtbar.

Niedrigwasser bei Köln: Schiffe fahren nur mit deutlich reduzierter Ladung, damit sie nicht auf Grund laufen

Der Rhein ist eine der verkehrsreichsten Wasserstraßen der Welt; für die Frachtschiffe bringt das Niedrigwasser starke Einschränkungen mit sich. Um vollbeladen die Engstelle bei Koblenz zu durchqueren beispielsweise, bräuchten die Schiffe eine Wassertiefe von 1,50 Metern. Die Schiffe können also nur noch zu einem Bruchteil beladen werden, das erhöht die Preise für die Ware, die sie transportieren. Und wenn das Wasser nicht bald steigt, werden einige Schiffe gar nicht mehr fahren können.  

Weltkriegsbombe im Po gefunden

Bei Trockenheit tauchen die tollsten Dinge aus Flüssen und Seen auf, von Knochen oder Fossilien bis hin zu ganzen Zivilisationen, die vor Jahrtausenden in den Fluten versanken. Das Niedrigwasser im Po, dem längsten Fluss Italiens, legte jetzt einen sehr viel gefährlicheren Fund frei. Fischer entdeckten nahe der Stadt Mantua Ende Juli eine 450-Kilogramm Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Fund war möglich geworden, weil die norditalienischen Regionen entlang des Po aktuell die schlimmste Dürre seit 70 Jahren erleben.

Zwei italienische Soldaten sehen zu, wie ein Bagger eine Weltkriegsbombe aus dem Po hebt

Die niedrige Wasserhöhe legt in italien Überreste aus dem Zweiten Weltkrieg frei

Immerhin: Anfang August wurde der Blindgänger nach Angaben der italienischen Armee abtransportiert und gezielt gesprengt, niemand kam zu Schaden. Rund 3000 Menschen entlang des Po-Ufers mussten für die Aktion ihre Häuser verlassen.  

Die Quelle der Themse verschiebt sich

Die Themse gehört zu London wie Buckingham Palace und die Houses of Parliament, aber sie beginnt in der Nähe der Ortschaft Kemble im Südwesten Englands. Oder zumindest tat sie das bis vor kurzem.

Trockene Erde und Steine dort, wo ursprünglich einmal die Themse entsprang

Schon vor Jahren versiegt: Hier entsprang einst die Themse

Das Bild zeigt die ursprüngliche Quelle der Themse im Februar 2006. Damals verschob sich der Ursprung des Flusses aufgrund von Trockenheit 1,5 Kilometer nach Südwesten. Diesen Sommer sind die Verhältnisse so verheerend, dass die Themse erst mehr als 8 Kilometer stromabwärts von ihrem offiziellen Startpunkt beginnt.

Kann die Loire noch Kernkraftwerke kühlen?

Bei der Loire denkt man an malerische Flusslandschaften und märchenhafte Schlösser. Doch am Ufer des Flusses liegt zum Beispiel auch das Atomkraftwerk Belleville. Das ist kein Zufall - Kernkraftwerke liegen immer am Wasser, um besser gekühlt werden zu können. Das Kernkraftwerk Belleville leitet Kühlwasser in die Loire ab und füllt seine Kühltürme mit frischem Wasser aus dem Fluss auf.

Das Atomkraftwerk Belleville an der Loire bei Nacht

Ein Foto aus besseren Tagen: das AKW Belleville im Oktober 2021

Dafür, auf wieviel Grad die Kraftwerke das Flusswasser aufheizen dürfen, gibt es zum Schutz der Flora und Fauna im und am Wasser strenge Regeln. Ist die erlaubte Höchsttemperatur erreicht, müssen die Atomkraftwerke ihre Leistung drosseln - und produzieren dann weniger Strom. Und das in einem Sommer, in dem die Franzosen Ventilatoren und Klimaanlagen bis zum Anschlag aufgedreht haben dürften und Russland seine Gaslieferungen via Pipelines an Frankreich gestoppt hat.

Forellen in der Donau sind in Gefahr

In der Donau ist die Wassertemperatur diesen Sommer bereits gefährlich hoch - und die Pegelstände niedrig. Anfang August betrug die Temperatur im Fluss dort, wo er durch die Oberpfalz in Bayern fließt, sieben Tage am Stück mehr als 25 Grad Celsius. Mit einem Anstieg auf mehr als 26,5 Grad Celsius sei zu rechnen, gibt die Bezirksregierung Oberpfalz an.

Austrocknende Donau vor einer Kirche in Bayern

Die Donau - hier bei Straubing - führt nicht nur zu wenig Wasser, sie ist auch zu heiß

Das beeinträchtigt den Sauerstoffgehalt des Wassers, der auf unter sechs Milligramm pro Liter fallen könnte. So wenig Sauerstoff würde für einige Fische in der Donau wie die Forelle den Tod bedeuten. Deswegen hat die Bezirksregierung eine Warnstufe ausgegeben, die es ihr ermöglicht, Baggerarbeiten in der Donau und andere Maßnahmen, die die ökologische Situation verschlechtern würden, zu verbieten. Auch die Außerbetriebnahme von Abwasserreinigungsanlagen können die Behörden jetzt veranlassen - und so hoffentlich die Forellen retten.