Europäische Banken sitzen auf faulen Krediten | Aktuell Europa | DW | 04.08.2018
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Finanzwelt

Europäische Banken sitzen auf faulen Krediten

Zehn Jahre ist die Finanzkrise jetzt her - Zeit genug, dachte die FDP-Fraktion, um einmal beim Bundesfinanzministerium nachzufragen, wie es um die europäischen Banken bestellt ist. Die Antwort ist ernüchternd.

Großbritannien London - (Imago/PA Images/M. Crossick)

Der Canada Square mit dem Gebäude der Europäischen Aufsichtsbehörde - im Zuge des Brexits wird die Behörde nach Paris umziehen

Auf 813 Milliarden Euro schätzt die Europäische Bankenaufsicht die Summe der Problem-Kredite in den Bilanzen europäischer Banken - zehn Jahre nach der Finanzkrise. Das berichtet die "Bild"-Zeitung mit Verweis auf eine Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Frage der FDP-Fraktion im Bundestag. Der Umfang dieser Kredite sei "im historischen Vergleich hoch", schreiben die Beamten demnach. Es drohten Schwierigkeiten für einzelne Banken und eine "Ansteckungsgefahr" für das europäische Banken-System.

Faule Kredite vor allem im Immobilienbereich

Genau wie vor zehn Jahren sei ein Großteil der faulen Kredite "im Immobilienbereich zu verorten", berichtet das Blatt weiter. Und diese lägen vor allem in den Bilanzen südeuropäischer Banken: in Griechenland, Zypern, Italien und Portugal. Bei griechischen Instituten seien 44,9 Prozent der Kredite "notleidend", in Zypern 38,9 Prozent. Italien hat 186,7 Milliarden Euro an faulen Krediten angehäuft, die Hälfte davon sei nicht durch Kapital abgesichert.

In den Bilanzen deutscher Banken gelten demnach 49,6 Milliarden Euro an Krediten als "faul", das sind 1,9 Prozent. "Banken und Regierungen in den Krisenländern haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht", sagte FDP-Finanzexperte Frank Schäffler dem Blatt. "Wenn mehr als die Hälfte der faulen Kredite in Südeuropa nicht abgesichert sind, dann ist klar, dass eine Vergemeinschaftung der Risiken unbedingt verhindert werden muss", sagte FDP-Mann Schäffler.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich nach ihrer Wiederwahl im März 2018 klar gegen eine Vergemeinschaftung von Schulden in Europa ausgesprochen. "Was wir nicht wollen ist, Haftung und Verantwortung durcheinander zu bringen oder Schulden einfach zu vergemeinschaften ohne wettbewerbsfähig zu werden. Daran wird sich nichts ändern", so Merkel. Sie reagierte damit auch auf Äußerungen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der mehrfach eine Vergemeinschaftung von Schulden als Option ins Spiel gebracht hatte.

nob/haz (rtr, afp)