EU: Wohl schlimmste Dürre seit 500 Jahren | Aktuell Europa | DW | 23.08.2022
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Klimawandel

EU: Wohl schlimmste Dürre seit 500 Jahren

Experten überbringen schlechte Nachrichten: Der Wassermangel wirkt sich nicht nur auf die Ernten aus, sondern auch auf andere Bereiche wie den Energiesektor.

Ausgetrockneter Flussbettabschnitt in einem Seitenarm der Loire in Frankreich

Frankreichs längster Fluss, die Loire, ist stellenweise ausgetrocknet (Bild vom 16. August)

Die aktuelle Dürre in Europa ist nach Einschätzung von EU-Experten vermutlich die schlimmste seit einem halben Jahrtausend. Dies sei eine erste Einschätzung der Europäischen Dürrebeobachtungsstelle, die noch durch die endgültigen Daten am Ende der Saison bestätigt werden müsse, sagte ein Sprecher der EU-Kommission, bei der die Dürrebeobachtungsstelle angesiedelt ist.

In einem Bericht befanden die Forscher, fast die Hälfte des Kontinents sei von Dürre bedroht. Darüber hinaus sei der Zustand bereits auf 17 Prozent der Fläche alarmierend. Dies habe negative Auswirkungen auf die Ernte von Sommerkulturen. Am stärksten betroffen seien Mais, Sojabohnen und Sonnenblumen.

Niederschlagsmangel und Hitzewellen

Weiter heißt es, die schwere Dürre, von der viele Regionen Europas seit Anfang des Jahres betroffen seien, habe sich in diesem Monat weiter ausgedehnt und verschlimmert. Sie hänge mit einem anhaltenden Niederschlagsmangel in Verbindung mit einer Reihe von Hitzewellen seit Mai zusammen. Das habe auch Auswirkungen auf die Flüsse. Das verminderte gespeicherte Wasservolumen habe erhebliche Beeinträchtigungen für den Energiesektor zur Folge, sowohl für die Wasserkrafterzeugung als auch für die Kühlsysteme von Kraftwerken.

Frankreich Anduze | Extreme Trockenheit

Viele Pflanzen halten dem anhaltenden Wassermangel nicht stand (Archivbild)

Zugenommen habe die Dürregefahr besonders in Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Rumänien, Ungarn, Nordserbien, der Ukraine, Moldau, Irland und im Vereinigten Königreich. In Regionen, die bereits im Frühjahr von der Trockenheit betroffen gewesen seien, hätten sich die Bedingungen am meisten verschlechtert. Vor allem in der westlichen Mittelmeer-Region werde es wahrscheinlich bis November wärmer und trockener sein als üblich.

Unterdurchschnittliche Ernte

Auch die Landwirte in Deutschland klagen über unterdurchschnittliche Erträge. Bauernpräsident Joachim Rukwied betonte, wegen des unregelmäßig verteilten Niederschlags gebe es große regionale Unterschiede bei der Erntebilanz. Insgesamt bleibe die Versorgungslage "angespannt".

Für dieses Jahr wurden etwa 43 Millionen Tonnen Getreide erwartet, etwas mehr als 2021. Allerdings lag die Ernte erneut unter dem Mittelwert der vergangenen acht Jahre, wie der Bauernverband auf Grundlage vorläufiger Zahlen mitteilte. Das Dürrejahr 2018 wird bei dieser Statistik nicht berücksichtigt.

Joachim Rukwied Deutscher Bauernverband zur Erntebilanz 2022

"Angespannte Versorgungslage": Bauernpräsident Joachim Rukwied

Gut sieht es laut Rukwied dagegen bei Äpfeln aus: Hier sei eine leicht überdurchschnittliche Ernte in Sicht. Beim Wein erwarte der Verband sogar einen "ausgezeichneten 2022er Jahrgang".

"Menschengemachte Ursachen"

Der Agrarexperte der Umweltschutzorganisation WWF, Johann Rathke, betonte, die erneut durchwachsene Erntebilanz habe "menschengemachte Ursachen" - die extreme Dürre sei eine Folge der Klimakrise. "Sie sollte auch die letzten Bremser überzeugen, endlich wirksamen Klima- und Umweltschutz als integralen Bestandteil in der Landwirtschaft zu verankern. Nur so kann Ernährungssicherheit dauerhaft gewährleistet werden."

jj/hf (dpa, afp)