EU-weite Corona-Impfungen haben begonnen | Aktuell Europa | DW | 27.12.2020
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Corona-Pandemie

EU-weite Corona-Impfungen haben begonnen

In Deutschland wie auch den meisten Ländern der Europäischen Union sind die Impfungen gegen das Corona-Virus angelaufen. In mindestens sechs Landkreisen gab es Pannen.

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Deutschland: Corona-Impfkampagne läuft an

Genau elf Monate nach Bekanntwerden einer ersten Corona-Infektion in Deutschland haben in allen Bundesländern - wie auch in den meisten Ländern der Europäischen Union - die Impfungen gegen das Virus begonnen. In Deutschland impften Mobile Teams zuerst vor allem Menschen über 80 in Pflege- und Seniorenheimen sowie Pflegekräfte und besonders gefährdetes Krankenhauspersonal. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) twitterte, der Impfstart mache Hoffnung und gebe Zuversicht.

Probleme mit der Kühlkette

Im Berliner Bethanien-Pflegeheim Sophienhaus bekam eine 101 Jahre alte Seniorin im Beisein von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci eine Spritze mit dem Impfstoff der Firmen BioNTech und Pfizer. In Siegen in Nordrhein-Westfalen wurde eine 95-Jährige ebenfalls in einer Heimeinrichtung geimpft. In Magdeburg begannen drei mobile Impfteams, Bewohnerinnen und Bewohner eines kommunalen Pflegeheims zu impfen. Rund 120 Senioren sowie etwa 60 Mitarbeiter wollten sich dort immunisieren lassen. 

 

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci mit dem Impfteam im Bethanien-Pflegeheim Sophienhaus

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci mit dem Impfteam im Bethanien-Pflegeheim Sophienhaus

In sechs Landkreisen Oberfrankens musste der geplante Impfstart dagegen verschoben werden. Grund waren mögliche Probleme in der Kühlkette für den Impfstoff, wie aus einer gemeinsamen Erklärung der Landräte der betroffenen Kreise Coburg, Lichtenfels, Kronach, Hof, Wunsiedel und Kulmbach hervorgeht. Der Impfstoff der Mainzer Firma BioNTech und des US-Pharmariesen Pfizer muss bei Minus 70 Grad transportiert und gelagert werden. Beim Auslesen der Temperaturlogger, die in den Kühlboxen beigelegt wurden, seien Zweifel an der Einhaltung der Kühlkette aufgekommen, hieß es. Nun soll - unter anderem mit der Herstellerfirma BioNTech - geprüft werden, ob der Impfstoff weiterhin problemlos verwendbar ist.

"Für uns zählt jeder Tag"

Die 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union hatten sich nach der Zulassung des Impfstoffes der Mainzer Firma BioNTech und des US-Pharmariesen Pfizer darauf verständigt, dass die Impfkampagne überall gleichzeitig am Sonntag nach Weihnachten beginnen soll. Ungarn und die Slowakei hielten sich aber nicht an die Abmachung und impften schon am Samstag.  Auch in Deutschland gab es einen Frühstar.

In einem Seniorenzentrum in Halberstadt in Sachsen-Anhalt wurden bereits am Samstag die ersten Bewohner und Mitarbeiter geimpft. Grund: Der Landkreis Harz wollte nicht länger warten. Die 101-jährige Edith Kwoizalla wurde geimpft, ebenso rund 40 der 59 Bewohnerinnen und Bewohner. Von den rund 40 Mitarbeitern wollten sich zehn impfen lassen. "Für uns zählt jeder Tag", sagte der Technische Leiter des Impfzentrums im Landkreis, Immo Kramer. Karsten Fischer vom Pandemiestab des Landkreises erklärte: "Wir wollen diesen einen Tag, den der Impfstoff an Haltbarkeit dann verliert, nicht verschwenden. Wir wollen ihn gleich ausbringen."

 

Ein Arzt und eine Helferin impfen die 101 Jahre alte Heimbewohnerin Edith Kwoizalla in einer Pflegeeinrichtung für Senioren in Halberstadt

Erhielt als erste in Deutschland den Corona-Impfstoff: Die 101-jährige Edith Kwoizalla

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wurde von dem vorgezogenen Impfstart im Landkreis Harz überrascht. Spahns Sprecher sagte, der Minister freue sich mit Edith Kwoizalla und wünsche ihr alles Gute. "Allerdings hatten wir mit allen Partnerländern der EU und mit den 16 Bundesländern vereinbart, am Samstag an alle auszuliefern und ab Sonntag gemeinsam mit den Impfungen zu beginnen."

Länderchefs wollen mit dabei sein

In mehreren Bundesländern wollen auch die Ministerpräsidenten beim Impfstart dabei sein. Die Bundesregierung wirbt dafür, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen - auch um andere zu schützen. Nach Einschätzung von Experten ist eine Impfquote von 60 bis 70 Prozent nötig, um die Pandemie in den Griff zu bekommen.

Wer gegen Corona geimpft ist, sollte aus Sicht von Bundesinnenminister Horst Seehofer keine Sonderrechte bekommen. "Eine Unterscheidung zwischen Geimpften und Nicht-Geimpften kommt einer Impfpflicht gleich. Ich bin aber gegen einen Impfzwang", sagte der CSU-Politiker der "Bild am Sonntag". "Wir alle stecken in dieser Krise. Und wir sollten uns gemeinsam und solidarisch heraus kämpfen."

Für den zweiten Weihnachtstag meldeten die deutschen Gesundheitsämter insgesamt 13.755 Corona-Neuinfektionen. Zudem wurden binnen 24 Stunden 356 weitere Todesfälle verzeichnet, wie das Robert Koch-Institut (RKI) bekanntgab. Diese Zahlen sind aber nur bedingt mit den Werten der Vorwoche vergleichbar, da das RKI während der Feiertage mit einer geringeren Zahl an Tests und auch weniger Meldungen von den Gesundheitsämtern rechnet.

Start von AstraZeneca-Vakzin in Großbritannien

In Großbritannien soll vom 4. Januar an ein weiterer Impfstoff zum Einsatz kommen. Dann solle auch mit dem von der Universität Oxford und dem schwedisch-britischen Pharmakonzern AstraZeneca entwickelten Vakzin geimpft werden, berichtete der "Sunday Telegraph" unter Berufung auf Pläne der Regierung. Diese hoffe, dass in den kommenden zwei Wochen zwei Millionen Menschen die erste Dosis entweder des Mittels von Oxford/AstraZeneca oder von BioNTech/Pfizer erhalten könnten. Das britische Gesundheitsministerium erklärte zu dem Bericht, der Arzneimittelbehörde MHRA müsse Zeit gegeben werden, um den Impfstoff zu prüfen.

Ein Werk des AstraZeneca-Unternehmens im nordfranzösischen Dünkirchen

Der von der Universität Oxford und dem Pharmaunternehmen AstraZeneca entwickelte Corona-Impfstoff soll laut Medienberichten ab 4. Januar in Großbritannien zum Einsatz kommen

Die europäische Polizeibehörde Europol warnte derweil vor gefälschten Impfstoffen und anderen Straftaten im Zusammenhang mit den Impfungen. Es bestehe die reale Gefahr, dass kriminelle Gruppen versuchten, den Bedarf an Impfstoffen für ihre Verbrechen auszunutzen, sagte Europol-Direktorin Catherine De Bolle den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Gefälschter Impfstoff oder Diebstahlversuche

So werde von Kriminellen etwa Impfstoff angeboten, der nach der Bezahlung gar nicht geliefert werde. "Oder die Täter bieten gefälschten Impfstoff an - wenn man Opfer eines solchen Betrugs wird, kann das natürlich ernste gesundheitliche Folgen haben", sagte die Europol-Direktorin. "Wir haben bereits solche Hinweise. Es gibt schon Impfstoff-Angebote zum Beispiel in sozialen Netzwerken."

De Bolle warnte zugleich vor Diebstahlversuchen. Im ersten Lockdown während des Frühjahrs hätten es Banden zum Beispiel auf Schutzmasken-Transporte abgesehen. "Das ist jetzt auch beim Impfstoff eine Gefahr", sagte De Bolle.

sti/ww (afp, dpa, rtr)

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