EU-Kommission: Der Aufschwung kommt | Wirtschaft | DW | 07.07.2021
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Konjunktur

EU-Kommission: Der Aufschwung kommt

Engpässe bei Vorprodukten bremsen die Produktion in Deutschland, aber der Aufschwung wird trotzdem kommen: Die EU-Kommission hat ihre Prognose angehoben, die Euro-Zone soll Ende des Jahres Vorkrisen-Niveau erreichen.

Im Zuge der Erholung von der Corona-Krise winkt Europa nach Einschätzung der EU-Kommission 2021 das kräftigste Wachstum seit Jahrzehnten. Die Brüsseler Behörde erhöhte am Mittwoch ihre Wachstumsprognose für die EU und die Euro-Zone um satte 0,6 beziehungsweise 0,5 Punkte auf jeweils 4,8 Prozent.

Derart kräftig hat sie ihre Prognosen seit den Nachwehen der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren nicht mehr nach oben geschraubt. "Die europäische Wirtschaft erlebt ein starkes Comeback", sagte Kommissionsvizepräsident Valdis Dombrovskis.

Laut EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni kann der Euroraum nun bereits in den letzten drei Monaten dieses Jahres und somit ein Quartal früher als gedacht zum Vorkrisen-Niveau zurückfinden.

Belgien EU-Kommission Pressekonferenz Valdis Dombrovskis

"Die europäische Wirtschaft erlebt ein starkes Comeback", sagt Kommissionsvizepräsident Valdis Dombrovskis

Lockerung ermöglicht Aufschwung

Doch habe die Pandemie die Konjunktur natürlich zurückgeworfen, betonte der Italiener. Die nach oben revidierte Prognose spiegele die schneller als erwartete Öffnung der Wirtschaft im Frühjahr wider. Allerdings birgt die Verbreitung der Delta-Variante des Corona-Virus eine Gefahr für die konjunkturelle Entwicklung: "Die Wachstumsaussichten sind mit hohen Ungewissheiten und Risiken behaftet, die insgesamt aber ausgewogen bleiben", erklärte die Brüsseler Behörde dazu.

Risiken durch die neuen Virusvarianten unterstrichen die Bedeutung, die Impfkampagnen weiter zu beschleunigen, hieß es. Der private Konsum und private Investitionen seien Haupttreiber des Wachstums, unterstützt durch mehr Arbeit dank der voraussichtlichen wirtschaftlichen Erholung. Valdis Dombrovskis bezeichnete die Prognose als ermutigend und führte die optimistische Vorhersage auch auf richtige politische Entscheidungen zur richtigen Zeit zurück.

Die Wachstumsdynamik dürfte zum Jahresende etwas abflauen. Sie werde dann und auch im Jahr 2022 aber "solide" bleiben, sagte Gentiloni. Im nächsten Jahr sollte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Euroraum um 4,5 Prozent steigen und damit etwas stärker als bisher erwartet. Auch der deutschen Wirtschaft traut die Kommission inzwischen einen kräftigeren Aufschwung zu - mit einem BIP-Anstieg von 3,6 (bisher: 3,4) Prozent in diesem Jahr und plus 4,6 (bisher: 4,1) Prozent 2022.

Auch der deutsche Mittelstand ist optimistisch

Mit den Lockdown-Lockerungen bessert sich auch die Stimmung im Mittelstand durchgreifend, wie die staatliche Förderbank KfW mitteilte. Im Juni beurteilten die kleinen und mittleren Unternehmen die Lage deutlich besser als zuletzt und schauen so zuversichtlich nach vorn wie seit gut zehn Jahren nicht.

Die Industriefirmen und der Bau hätten keine nennenswerten Absatzprobleme mehr, vielmehr knirsche es wegen Materialengpässen etwas im Getriebe, sagte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. "Alle Zeichen stehen auf Aufschwung."

EU Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni Konjunkturprognose

Laut EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni kann der Euroraum früher als gedacht zum Vorkrisen-Niveau zurückfinden

Lieferengpässe kein Brems-Faktor

Die besseren Aussichten für Deutschland begründete Gentiloni mit Fortschritten bei der Corona-Lage, die Deutschland schneller als im Frühjahr erwartet erzielt habe. Auch die günstigeren Trends beim Geschäftsklima zeichneten ein aufgehelltes Konjunkturbild.

Auch wenn es zu Material- und Lieferengpässen komme, dürften starke Auftragseingänge in der Industrie und am Bau einen Aufschwung in den nächsten Monaten befördern.

Differenziertes Bild für Europa

Frankreich sagt die Kommission ein noch höheres Wachstum als Deutschland voraus: Das BIP soll 2021 um 6,0 Prozent (bisher 5,7 Prozent) anziehen, gefolgt von einem Plus von 4,2 Prozent im kommenden Jahr.

Auch Italien dürfte demnach mit einem Plus von 5,0 (bisher 4,2) Prozent im Jahr 2021 und einem Zuwachs von 4,2 (bisher 4,4) Prozent im Jahr 2022 Deutschland beim Wachstum überflügeln.

Allerdings war auch der Konjunktureinbruch im Coronajahr 2020 weit heftiger als hierzulande. Die Kommission geht davon aus, dass die Mittel aus dem europäischen Corona-Wiederaufbaufonds dabei helfen werden, das Wachstum im gesamten Euro-Raum "signifikant" zu steigern.

dk/hb (afp, rtr, dpa)