Erstmals Kontakt zu Besatzung des beschlagnahmten britischen Tankers | Aktuell Welt | DW | 24.07.2019
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Straße von Hormus

Erstmals Kontakt zu Besatzung des beschlagnahmten britischen Tankers

Der Konflikt zwischen dem Iran und Großbritannien im Persischen Golf scheint sich zu entspannen. Der Crew an Bord des britischen Tankers geht es laut Reederei gut. Iran schlägt unterdessen einen Tausch vor.

Iran | Britischer Tanker Stena Impero (picture-alliance/Photoshot/ISNA/M. Akhoundi)

Schnellboote der iranischen Revolutionsgarden umfahren den britischen Tanker "Stena Impero"

Die Reederei des vom Iran beschlagnahmten britischen Öltankers "Stena Impero" hat erstmals mit der Besatzung des Schiffs sprechen können."Wir hatten direkten Telefonkontakt mit der Besatzung an Bord. Allen geht es gut, sie sind gesund. Es besteht eine gute Kooperation mit dem iranischen Personal an Bord", sagte ein Sprecher des schwedischen Schifffahrtsunternehmens Stena Bulk.

"Wir wissen diesen Entwicklungsschritt natürlich zu schätzen", erklärte Reedereichef Erik Hånell. Es handele sich um ein erstes Zeichen, dass man bald weiteren Fortschritt vonseiten der iranischen Behörden sehen werde. Der schwedischen Zeitung "Dagens Nyheter" sagte Hånell, der Kapitän habe davon berichtet, dass die Crew zwar gut behandelt werde, die Situation aber eine große psychische Belastung für sie sei. An Bord befinden sich 23 Besatzungsmitglieder aus Indien, Russland, Lettland und von den Philippinen.

Die "Stena Impero" war am vergangenen Freitag in der Straße von Hormus von den Iranischen Revolutionsgarden gestoppt und festgesetzt worden. Das Schiff habe internationale Vorschriften nicht beachtet, erklärten die Revolutionsgarden. Außerdem soll die "Stena Impero" ihr GPS-System ausgeschaltet und umweltschädigende Materialien an Bord gehabt haben. Großbritannien sprach von einem Akt "staatlicher Piraterie". Die "Stena Impero" gehört zur schwedischen Stena Bulk, sie fährt allerdings unter britischer Flagge.

Supertanker Grace 1 NEU (Getty Images/AFP/J. Guerrero)

Die Festsetzung des iranischen Öltankers "Grace 1" war der Ausgangspunkt der Krise

Möglichkeit des Tausches

Die jüngste Eskalation des Konflikts begann am 4. Juli, als in den Gewässern der britischen Exklave Gibraltar der Supertanker "Grace 1" mit Öl aus dem Iran an die Kette gelegt wurde. Der Vorwurf: von der EU untersagte Lieferungen an Syrien. Zur Beilegung des Tankerstreits mit Großbritannien hat der iranische Präsident Hassan Rohani einen Austausch der festgesetzten Öltanker beider Länder in Aussicht gestellt.

"Wir wollen keine Spannungen, und wenn sich alle an die Vorschriften halten, auch an die in Gibraltar, dann werden sie von uns eine geeignete Antwort erhalten", sagte Rohani bei einer Kabinettssitzung in Richtung Großbritannien. Der Iran sei weder stur noch wolle er einen Konflikt am Persischen Golf, aber der Iran werde auch nicht auf Druck und Drohungen klein beigeben, so der Präsident nach Angaben seines Webportals.

Deutsche Zurückhaltung

Unterdessen lobte die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hat das Vorgehen Deutschlands in dem Konflikt. "Die Zurückhaltung ist sehr richtig", sagte sie im Bundestag. "Es geht jetzt um diplomatische Initiativen, es geht darum, hier für Deeskalation zu sorgen." Es sei dringend notwendig, dass die Europäer sich auf eine gemeinsame Antwort verständigten. "Natürlich ist klar, wir haben freie Seefahrt und die muss auch gewährleistet sein", fügte sie hinzu.

Die Straße von Hormus ist von großer Bedeutung für die weltweite Öl-Verschiffung. Mehrere europäische Staaten unterstützen Insidern zufolge einen britischen Plan für einen europäischen Einsatz zum Schutz der Schifffahrt in der Straße von Hormus. Dabei handle es sich zunächst um Frankreich, Italien und Dänemark, sagten drei hochrangige EU-Diplomaten der Nachrichtenagentur Reuters. Die Niederlande prüften den Vorschlag ebenfalls. Interesse hätten etwa auch Deutschland, Polen und Schweden signalisiert.
 

lh/mak (dpa, rtr)

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