Erste Todesopfer durch Orkan ″Friederike″ | Aktuell Deutschland | DW | 18.01.2018
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Unwetter

Erste Todesopfer durch Orkan "Friederike"

In weiten Teilen Deutschlands wütet der Orkan "Friederike". In den Niederlanden, Belgien und am Niederrhein kamen fünf Menschen ums Leben. In drei Bundesländern und den Niederlanden steht der Flug- und Zugverkehr still.

Sturmtief Friederike - Nordrhein-Westfalen (picture alliance/dpa/C. Reichwein)

Bei diesem Unfall infolge des Orkans in Moers wurde der Autofahrer schwer verletzt

Mit schweren Böen und heftigem Regen sucht das Sturmtief "Friederike" weite Teile Deutschlands heim und sorgt für große Behinderungen im Bahnverkehr. Besonders betroffen wurde Nordrhein-Westfalen. In Emmerich am Niederrhein wurde ein 59-jähriger Mann auf einem Campingplatz von einem umfallenden Baum tödlich getroffen, wie die Polizei mitteilte. In Ratingen, Dortmund und im Kreis Heinsberg wurden vier Menschen durch umstürzende Bäume und herabfallende Äste verletzt. Auf der Autobahn 555 bei Köln wurden zwei Menschen verletzt, als eine Sturmböe einen Lastwagen umkippte. In Hamburg erlitt ein 17 Jahre alter Schüler lebensgefährliche Verletzungen, als ihn ein herabfallender schwerer Ast am Kopf traf. Am Nachmittag stufte der Deutsche Wetterdienst das Sturmtief zum Orkan herauf, weil er Böen mit Geschwindigkeiten von bis zu 130 Kilometern pro Stunde gemessen hatte.

Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen und im benachbarten Rheinland-Pfalz wurde der Zugverkehr bis auf weiteres eingestellt, später auch in Niedersachsen. Das teilte die Deutsche Bahn mit. Betroffen seien sämtliche Verbindungen für den Regional- und auch für den Fernverkehr.  

In Nordrhein-Westfalen mussten wegen umgestürzter Lkw außerdem mehrere Rheinbrücken und Autobahnen gesperrt werden. Allein die Kölner Feuerwehr meldete bis zum Mittag rund 300 Einsätze, in Duisburg waren es 280. Vielerorts wurden Krisenstäbe gebildet.

Am Flughafen Düsseldorf fielen zehn Flüge aus. Auf dem Flughafengelände seien Sicherheitsmaßnahmen ergriffen worden, sagte ein Airport-Sprecher. So seien etwa Gepäckcontainer gesichert und die Flugzeughallen geschlossen worden. Auch die Fluggastterrasse sei vorsorglich geschlossen worden. Am Flughafen Köln/Bonn wurde der Flugbetrieb zeitweilig unterbrochen. Auch am Flughafen München blieben einige Maschinen am Boden.

Umgeworfene Werbeschilder im nordrhein-westfälischen Heinsberg (picture-alliance/dpa/O. Berg)

Umgeworfene Werbeschilder im nordrhein-westfälischen Heinsberg

In den Niederlanden kamen drei Menschen durch umstürzende Bäume oder herabfallende Gegenstände ums Leben. Ein tödlicher Unfall ereignete sich in der östlichen Stadt Olst, ein weiterer an der Grenze zu Deutschland. Der Flug- und Zugverkehr war zeitweilig eingestellt. Vom Amsterdamer Flughafen Schiphol, einem wichtigen Knotenpunkt, könnten nur vereinzelte Maschinen abfliegen, teilte der Flughafen zunächst mit, um den Betrieb schließlich für unbestimmte Zeit ganz einzustellen. Bereits am Vormittag waren 260 Flüge annulliert worden. Auch die Bahn meldete Chaos. Durch den Wind würden Objekte und Bäume auf die Gleise und Züge geblasen, erklärte die niederländische Bahn. Auch verschiedene Bahnhöfe waren beschädigt worden. In Rotterdam wurden Container umgeworfen und ganze Dächer abgedeckt. Wegen des schweren Sturms hat der niederländische Wetterdienst KNMI Alarmstufe Rot für große Teile des Landes ausgerufen.

In Belgien wurde eine Autofahrerin von einem umfallenden Baum erschlagen. Sie war in ihrem Fahrzeug auf einer Straße durch einen Wald südöstlich von Brüssel unterwegs, wie die Nachrichtenagentur Belga meldete. Wegen heftiger Winde wurde zudem der Betrieb im Hafen von Gent am Donnerstagmorgen eingestellt.

Nach ersten schweren Böen und starken Regengüssen am frühen Morgen rechneten Wetterexperten im Laufe des Tages mit deutlich schwereren Windstärken. Der Deutsche Wetterdienst gab für die Zeit bis zum Abend eine Unwetterwarnung für alle fünf NRW-Regierungsbezirke heraus. 

Der Wintersturm "Friederike" wird der Vorhersage zufolge in einem breiten Streifen von Nordrhein-Westfalen und dem südlichen Niedersachsen über Nord- und Mittelhessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und am Nachmittag bis nach Sachsen und Südbrandenburg ziehen. Es gelten Unwetterwarnungen. 

Vielerorts wurden wie hier in Essen Bäume entwurzelt (picture alliance / Marcel Kusch/dpa)

Vielerorts wurden wie hier in Essen Bäume entwurzelt

Zugleich meldeten die Feuerwehren im Westen Deutschlands eine zunehmende Zahl von Einsätzen. Allein in Duisburg gab es am Vormittag hundert Einsätze. "Nahezu alle Kräfte der Feuerwehr Duisburg sind im Einsatz", hieß es bei der Stadt.

In Düsseldorf und Essen forderte die Stadtverwaltung Eltern auf, Kinder abzuholen. Andernfalls sollten die Schüler bis zum Ende des Unwetters in der Schule bleiben. Auch in anderen Regionen Deutschlands fiel der Unterricht aus.

Die Domplatte, der Platz rund um den Kölner Dom, wurde vorsorglich gesperrt (picture alliance/dpa/R. Vennenbernd)

Die Domplatte, der Platz rund um den Kölner Dom, wurde vorsorglich gesperrt

Wegen heftiger Sturmböen riet die Stadt Köln dringend, neben Parks und Wäldern auch windanfällige Flächen wie die Umgebung des Kölner Doms zu meiden. Die Domplatte wurde demnach zur Hälfte bereits abgesperrt, um Passanten vor eventuell herabstürzenden Steinen zu schützen. Durch Windböen seien auf der Domplatte mehrere Menschen erfasst und zu Boden gerissen worden, teilte die Stadt mit.

Nach Einschätzung eines DWD-Experten dürfte "Friederike" allerdings nicht so große Schäden anrichten wie Sturmtief "Xavier" im Oktober. Damals hätten die Bäume wesentlich mehr Laub getragen und damit dem Wind mehr Angriffsfläche geboten als jetzt im Januar, sagte DWD-Meteorologe Markus Eifried. Bei "Xavier" waren im Herbst sieben Menschen durch umstürzende Bäume oder herabfallende Äste getötet worden, der Bahnverkehr im Norden und Osten wurde lahmgelegt.

stu/se/kle (afp, dpa, rtre)