Erste ESC-Gewinnerin Lys Assia gestorben | Aktuell Kultur | DW | 25.03.2018
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Aktuell Kultur

Erste ESC-Gewinnerin Lys Assia gestorben

Bekannt wurde Lys Assia 1950 mit dem Hit "O mein Papa". Den internationalen Durchbruch schaffte sie sechs Jahre später mit dem Sieg beim ersten Eurovision Song Contest für die Schweiz. Jetzt starb sie mit 94 Jahren.

Lys Assia war zeitlebens eine elegante Erscheinung, wollte sich immer von ihrer besten Seite zeigen. Deshalb hielt die Schweizerin ihr Privatleben vor der Öffentlichkeit auch weitgehend verborgen. "Sie wollte nie, dass jemand mitbekam, wenn es ihr nicht so gut ging", sagte ihr langjähriger Weggefährte und Sekretär Jean Eichenberger.

"Lys hat sich bis zuletzt wie ein Weltstar gegeben", so Eichenberger. Er habe noch in der vergangenen Woche mit ihr telefoniert und ihren Dackel Cindy in Obhut genommen. Zuletzt habe sie häufiger gesagt, sie fühle, dass es für sie Zeit sei zu gehen.

"Grande Dame der Eurovision"

Mit dem Operettenhit "O mein Papa" landete Assia, die mit bürgerlichem Namen Rosa Mina Schärer hieß, im Jahr 1950 ihren ersten großen Hit. Sechs Jahre später siegte die charmante Schweizerin für ihr Land beim erstmals ausgetragenen europäischen Gesangswettbewerb, der damals noch Grand Prix Eurovision de la Chanson hieß.

Mit dem Titel "Refrain" setzte sie sich in Lugano unter anderem gegen Freddy Quinn durch, der mit "Heimweh" an den Start gegangen war. Nach dem Sieg beim Premieren-ESC brachte Lys Assia noch mehrere Platten heraus, von denen es einige in die Hitparaden schafften. In Deutschland erreichte sie zum letzten Mal 1962 eine Platzierung mit "Sterne von Syrakus".

Dem ESC blieb Assia bis ins hohe Alter treu. Nach ihrem Sieg beim ESC trat sie in den beiden Folgejahren ebenfalls an. 1957 wurde sie Vorletzte, 1958 landete sie auf dem zweiten Platz. 2012 wollte sie im Alter von fast 90 Jahren zusammen mit der Rapper-Boy-Group "New Jack" noch einmal zum ESC, scheiterte aber schon in der Schweizer Vorausscheidung. Im Jahr 2009 hatte sie in Moskau dem damaligen ESC-Sieger Alexander Rybak die Siegestrophäe überreichen dürfen.

ESC Baku Lys Assia (DW)

Lys Assia beim ESC 2012 in Baku

Schicksalsschläge im Privatleben

Privat war das Leben der Schlagersängerin von Schicksalsschlägen durchzogen. Ihr erster Mann starb nach nur neun Monaten Ehe an einer schweren Krankheit, ihr zweiter, der dänische Multimillionär Oscar Pedersen, kam 1995 bei einem Unfall ums Leben.

In einem Zeitungsinterview aus dem Jahr 2014 zog Lys Assia trotzdem ein positives Fazit im Rückblick auf ihr bisheriges Leben: "Ich hatte tolle Männer", sagte sie dem Schweizer Magazin "Blick". "Wir vertrauten uns, wenn wir getrennt waren. Und wenn wir zusammen waren, komplimentierten sie mich. Jede Frau hört es gerne, wenn sie für ihre Schönheit und ihr Wissen gelobt wird."

Das Verhältnis von Lys Assia zu ihrer einzigen Tochter aus der ersten Ehe soll nach Angaben von Jean Eichenberger nicht sehr eng sein.

"Niemals neidisch sein"

Ende 2017 besuchten "Blick"-Reporter die damals 93-jährige Sängerin ein letztes Mal. "Das Leben ist zu kurz, um es mit unwichtigen Dingen zu verbringen", gab sie als Lebensweisheit zum Besten. "Leider merkt man das aber meist erst im Nachhinein", ergänzte sie. Sie habe ein sehr glückliches Leben geführt. Doch eines sei wichtig, betonte sie: "Wir sollten nie neidisch sein auf das Glück des anderen."

Angst vor dem Tod hatte Assia nicht, wie sie an ihrem 90. Geburtstag sagte. "Ich habe genügend Beweise für die Existenz von Gott. Wenn ich ihn um etwas gebeten habe, wurde ich eigentlich nie enttäuscht."

Lys Assia starb am Samstag im Alter von 94 Jahren im Spital Zollikerberg in der Schweiz.

mak/ie (dpa, Munzinger)

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