Erneut Tote bei Protesten im Irak | Aktuell Asien | DW | 24.11.2019
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Nahost

Erneut Tote bei Protesten im Irak

Im Süden des Landes eröffneten Sicherheitskräfte das Feuer gegen Demonstranten und töteten mindestens vier von ihnen. Auf Brücken und wichtigen Straßen brannten Autos und Barrikaden.

Über Nacht hatten Demonstranten die Stadt Al-Nasirija im Südirak praktisch in zwei Teile geteilt. Sie besetzten fünf Brücken über den Euphrat und setzten Barrikaden aus Autoreifen in Brand.

Dabei seien vier Demonstranten bei Zusammenstößen mit der Polizei getötet worden, meldete die Nachrichtenseite Shafaaq. Rettungskräfte sprachen dagegen von zwei Toten und etwa 50 Verletzten.

Schulen blieben geschlossen

Angeheizt wurden die Proteste durch die Anordnung des Bildungsministeriums, die Schulen im Südirak wieder zu öffnen. In Al-Nasirija blieben aber weiter alle Schulen geschlossen. Auch die meisten Verwaltungsgebäude konnten nicht öffnen, weil Demonstranten die Eingänge blockierten. An vielen öffentlichen Gebäuden im Irak hängen seit Wochen Plakate mit der Aufschrift: "Geschlossen auf Befehl des Volkes".

Irak Protest (Reuters/E. Al-Sudani)

Im südlich gelegenen Basra setzten Demonstranten Autoreifen in Brand

Auch in Basra waren die Hauptverkehrsstraßen blockiert, darunter auch die Straße zu dem für den Import wichtigen Hafen Um Kasr. Dort hätten Sicherheitskräfte ebenfalls das Feuer auf die Demonstranten eröffnet und zwei von ihnen getötet, berichteten Augenzeugen. Zusammenstöße mit Sicherheitskräften gab es in der Nacht auch in der Pilgerstadt Kerbela.

Demonstranten fordern neue Regierung

Im Irak kommt es seit Wochen immer wieder zu Protesten gegen die politische Führung. Vor allem in der Hauptstadt Bagdad und im Süden des Landes ziehen die Menschen auf die Straße. Die Demonstrationen richten sich insbesondere gegen die grassierende Korruption und die schlechte Wirtschaftslage.

Die Demonstranten fordern einen Rücktritt der Regierung sowie ein neues politisches System. Bei den Protesten sind bislang mehr als 330 Menschen ums Leben gekommen. Es sind die größten Unruhen seit dem Sturz von Machthaber Saddam Hussein im Jahr 2003. Menschenrechtsorganisationen werfen den Sicherheitskräften vor, sie gingen mit übergroßer Härte gegen die Proteste vor. 

mir/sti (dpa, afp, rtr)

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