Ermittlungen gegen Facebook weiten sich aus | Aktuell Welt | DW | 20.03.2018
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Datenmissbrauch

Ermittlungen gegen Facebook weiten sich aus

Im Skandal um die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica gerät Facebook weiter unter Druck. Britische Parlamentarier haben Konzernchef Mark Zuckerberg vorgeladen. In den USA wurde die Verbraucherschutzbehörde aktiv.

Facebook - Zuckerberg (picture-alliance/dpa/K. Nietfeld)

Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Die britische Datenschutzbehörde (ICO) gab bekannt, gegen Facebook zu ermitteln. Es gehe unter anderem darum, ob Facebook nach dem Verlust der Daten entschlossen gehandelt und rechtzeitig informiert habe, sagte ICO-Chefin Elizabeth Denham dem BBC Radio. Zugleich ersuche man einen Durchsuchungsbefehl gegen die britische Datenanalysefirma Cambridge Analytica, die sich mutmaßlich ohne Erlaubnis Zugriff zu den Daten von Facebook-Nutzern verschafft hat.

Der Vorsitzende des britischen Unterhausausschusses für Digitales und Medien, Damian Collins, teilte seinerseits mit, dass er Facebook-Chef Marc Zuckerberg in einem Schreiben aufgefordert habe, vor dem Gremium zu erscheinen. Er solle dort Stellung zu dem "katastrophalen Vorgang des Versagens" seiner Firma beziehen.

Erste Klage eingereicht

In der Datenaffäre haben US-Investoren eine erste Klage gegen den Internet-Konzern eingereicht. Die Aktionäre machten bei einem Bundesgericht in San Francisco geltend, dass die Konzernführung sie über die Fähigkeiten in die Irre geführt habe, die Daten der Nutzer zu schützen. Der Zeitung "Los Angeles Times" zufolge wird Facebook zudem vorgeworfen, die eigenen Datenschutzvorschriften verletzt zu haben. 

Druck aus den USA

Wie der Finanzdienst Bloomberg berichtete, hat auch die US-Aufsichtsbehörde FTC Ermittlungen zu dem Fall eingeleitet. Sollte sie eine Verletzung der Datenschutz-Regeln feststellen, kann sie hohe Strafen verhängen.

Auch Parlamentarier in den USA wollen den Facebook-Konzernchef zu Anhörungen vorladen. Der republikanische US-Senator John Kennedy und seine Kollegin Amy Klobuchar von den oppositionellen Demokraten verlangten, dass Zuckerberg ebenso wie die Chefs von Google und Twitter in der Kongresskammer aussagen solle. Die Internetriesen verfügten über "beispiellose Mengen an persönlichen Daten", zugleich gebe es einen Mangel an Aufsicht über ihren Umgang damit, erklärten die Politiker

Facebook steht seit dem Wochenende in den USA und im Ausland unter Beschuss: Die vom Wahlkampfteam des heutigen US-Präsidenten Donald Trump beauftragte britische Firma Cambridge Analytica soll Medienberichten zufolge im Jahr 2016 die Profil-Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern ohne deren Einverständnis gesammelt haben. Ziel sei es gewesen, eine Software für die Kampagne Trumps zu programmieren, um Wählerentscheidungen vorauszusagen und zu beeinflussen. Facebook hatte mitgeteilt, externe Spezialisten mit einer Untersuchung der Affäre beauftragt zu haben.

Cambridge Analytica suspendiert Chef 

Cambridge Analytica hat derweil ihren Chef Alexander Nix suspendiert. Nix werde mit sofortiger Wirkung während einer "vollumfänglichen, unabhängigen Ermittlung" von seinen Aufgaben entbunden, teilte das Unternehmen mit. Die Firma war zusätzlich unter Druck geraten, nachdem herauskam, dass Nix vor versteckter Kamera mit Erpressungsversuchen von Wahlkandidaten geprahlt hatte. Ein Reporter des britischen Senders Channel 4 hatte sich für den Vertreter eines potenziellen reichen Kunden ausgegeben, der für den Erfolg mehrerer Kandidaten bei einer Wahl in Sri Lanka sorgen wolle. 

Auch Deutschland wird aktiv

In Deutschland hat sich die bundesweit für Facebook zuständige Hamburger Datenschutzbehörde ebenfalls eingeschaltet. "Ja, wir werden uns in dieser Frage an Facebook wenden", kündigte der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar an. Bei rund 30 Millionen Facebook-Nutzern in Deutschland könnten auch hierzulande mit hoher Wahrscheinlichkeit einige von der Affäre betroffen sein oder es künftig werden.

Auch Bundesjustizministerin Katharina Barley (SPD) forderte den Internetkonzern zu Konsequenzen auf. "Facebook muss erklären, wie es die Privatsphäre seiner Nutzerinnen und Nutzer künftig besser schützt", sagte sie der "Passauer Neuen Presse". 

Sicherheitschef Stamos versetzt worden

Mitten in der aktuellen Affäre scheint es auch innerhalb des Konzerns zu rumoren. Die "New York Times" berichtete, dass der in Fachkreisen angesehene Sicherheitschef Alex Stamos Facebook verlassen wolle. Er habe sich dafür eingesetzt, offener über die russische Einmischung in den US-Präsidentenwahlkampf 2016 zu informieren, sei aber von anderen Managern abgebügelt worden, schrieb die Zeitung. Stamos selbst dementierte seinen Weggang. "Allen Gerüchten zum Trotz, bin ich immer noch voll engagiert bei meiner Arbeit für Facebook", schrieb Stamos auf Twitter.

Seine "Rolle" habe sich allerdings geändert: Er verbringen mehr Zeit damit, künftige Sicherheitsrisiken zu prüfen. In einem weiteren Tweet erklärte er, sein Sicherheitsteam sei nie daran gehindert worden, eine russische Einmischung zu untersuchen.

rk/uh (afp, dpa, rtr)