Ermittlungen gegen Berliner Polizisten nach Rocker-Mord | Aktuell Deutschland | DW | 30.07.2018
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Landeskriminalamt

Ermittlungen gegen Berliner Polizisten nach Rocker-Mord

Über vier Jahre nach einem Mord im Berliner Rockermilieu ist die Polizei ins Visier der Ermittler gerückt. Die Staatsanwaltschaft leitete gegen drei Beamte ein Ermittlungsverfahren wegen Totschlags durch Unterlassen ein.

In Berlin wird im Zusammenhang mit einem Jahre zurückliegendem Mord im Rockermilieu gegen drei Polizisten ermittelt. Die Beamten des Landeskriminalamts stehen im Verdacht, den Tod eines Manns in Kauf genommen zu haben, um anschließend gegen die Rockerbande Hells Angels vorgehen zu können. Das hat die Berliner Staatsanwaltschaft mitgeteilt. Es werde wegen des Verdachts auf Totschlag durch Unterlassen ermittelt.

Keine Warnung des späteren Opfers

Im Januar 2014 war der 26-jährige Tahir Ö. in einem Berliner Wettbüro von vermummten Angreifern aus dem Umfeld der Hells Angels erschossen worden. Die Ermittler gehen nun dem Verdacht nach, dass drei LKA-Beamte im Vorfeld von einer Gefährdung für Ö. gewusst haben könnten. Möglicherweise hatten die Beamten sogar schon seit Ende Oktober 2013 von einer drohenden Tötung durch Personen aus dem Umfeld der Hells Angels Kenntnis, erklärte die Staatsanwaltschaft. Dennoch sei der Mann nicht gewarnt worden, und es habe keinen Plan zur Gefahrenabwehr gegeben. 

Schon 2014 hatte die Berliner Staatsanwaltschaft überprüft, ob die LKA-Beamten Fehler gemacht hatten. Ermittlungen wurden zu diesem Zeitpunkt nicht aufgenommen. Das Hauptverfahren zur Aufklärung des sogenanntes Wettbüromords läuft seit vier Jahren. Zehn der verbliebenen elf Angeklagten stammen aus dem Rockermilieu.

Disziplinarverfahren und vom Dienst ausgeschlossen

Berliner Polizei (picture-alliance/dpa/T. Brakemeier)

Die Polizei will das Verfahren unterstützen

Die Berliner Polizei zeigte sich angesichts der Vorwürfe "schwer getroffen" und versicherte, das Strafverfahren "vollumfänglich" unterstützen zu wollen. "Wir sehen den Schutz von Leben und Gesundheit als elementaren Bestandteil und Kern unserer Aufgaben an", erklärte ein Sprecher. Die betroffenen Beamten würden bis auf Weiteres vom Dienst ausgeschlossen. Ferner kündigte die Polizei an, ein Disziplinarverfahren gegen die LKA-Mitarbeiter einzuleiten.

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) teilte mit: "Die im Raum stehenden Vorwürfe wiegen schwer. Die Staatsanwaltschaft wird alles daran setzen, die Umstände aufzuklären. Selbstverständlich wird die Polizei bei den Ermittlungen unterstützen." Geisel warnte aber vor voreiligen Schlüssen. "Es gilt die Ermittlungen abzuwarten."

wo/jj (dpa, afp)