Erleichterung und Hoffnung | Asien | DW | 14.09.2013
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Asien

Erleichterung und Hoffnung

Tod durch den Strang: Tausende feierten in Neu-Delhi das Urteil für vier Männer, die vor neun Monaten eine Frau vergewaltigt hatten, bis sie starb. Viele hoffen, dass der Richterspruch künftige Angriffe verhindert.

Eine La-Ola-Welle wie im Fußballstadion ging durch die Gruppe, die sich vor dem Gericht in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi versammelt hatte. Menschen verteilten Süßigkeiten, umarmten und freuten sich. Sie hatten diese Stunde voller Unruhe erwartet. Es war das Ende eines Prozesses, der eine ganze Nation in Atem gehalten hatte. Fast schien es, als habe das Urteil die Aufregung zu einem Abschluss gebracht.

Die vier Männer sind zum Tode verurteilt worden. Mukesh Singh (26), Akshay Thakur (28), Vinay Sharma (20) und Pawan Gupta (19) sind der Gruppenvergewaltigung und Ermordung einer 23-jährigen Studentin und des Angriffs auf ihren männlichen Begleiter für schuldig befunden worden. Die Bande hatte im Dezember 2012 das Pärchen in einen Bus gelockt und die Frau mit einer Eisenstange gefoltert. Zwei Wochen später starb die Studentin an ihren inneren Verletzungen.

Die Polizei eskortiert die Verurteilten nach draußen. (Foto: reuters)

Der Vergewaltigung und des Mordes schuldig

Die Tat hatte im In- und Ausland großes Entsetzen ausgelöst. Wochenlang kam es zu Straßenprotesten. Gewalt gegen Frauen wurde zu einem der beherrschenden Themen in der indischen Öffentlichkeit.

"In diesen Zeiten, in denen Verbrechen gegen Frauen auf dem Vormarsch sind, darf das Gericht nicht die Augen verschließen vor so einer grausamen Tat. Wir brauchen die klare Botschaft, dass so etwas nicht toleriert wird", erklärte Richter Yogesh Khanna das lang erwartete Urteil.

"Ein historisches Urteil"

Die Reaktionen waren vorhersehbar - nicht nur unter den Menschen, die stundenlang vor dem Gericht gewartet hatten, sondern im ganzen Land. "Ich werde jetzt in Ruhe schlafen. Ich hatte auf Gerechtigkeit gehofft. Dieser Vorfall war ein historisches Ereignis und damit ist das Urteil auch historisch. Niemand soll es wagen, ein solches Verbrechen wieder zu begehen", sagte Badrinath Singh, der Vaters des Opfers.

Die Mutter des Opfers, Asha Devi, wirkte gefasst und souverän. "Ich hatte genau das vom Gericht erwartet. Dieses Urteil wird andere potenzielle Vergewaltiger abschrecken. Es ist auch eine Botschaft an einige Eltern, ihre missratenen Söhne wieder auf Kurs zu bringen", betonte sie.

Enttäuschung über Jugendstrafe

Sicher ist die Todesstrafe aber nicht, denn noch könnten die Verurteilten bei Gericht Berufung einlegen oder ein Gnadengesuch an den Präsidenten richten. Aber wegen der Brutalität des Verbrechens halten viele Juristen den Tod durch den Strang für unausweichlich.

Polizisten begleiten den Verurteilten. (Foto: reuters)

Jugendstrafrecht: Ein weiteres Mitglied der Bande muss nur drei Jahre in Haft

Ein Jugendgericht hatte die Eltern des Opfers dagegen bitter enttäuscht. Einer der Angreifer, der zur Tatzeit 17 Jahre alt war, wurde kurz zuvor zu drei Jahren Haft verurteilt. Das entspricht in Indien der Höchststrafe für einen Jugendlichen für Vergewaltigung und Mord.

Die Todesstrafe für die vier Männer entsprach dagegen dem Wunsch vieler, die den spektakulären Fall verfolgt hatten. "Es ist eine mutige Entscheidung. Sie soll den Weg ebnen für mehr Gerechtigkeit für Frauen, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Die Botschaft ist: Gerechtigkeit wird nicht mehr verschleppt", erklärte Poornima Advani, Vorsitzende der Nationalen Kommission für Frauen, der DW.

"Ich bin sehr glücklich. Die Angelegenheit erfüllt uns mit Stolz und Zufriedenheit. Lob für dieses Urteil gebührt vor allem der Staatsanwaltschaft und der Polizei ", sagte Neeraj Kumar, ehemaliger Polizeikommissar, gegenüber der DW. Während seiner Dienstzeit hatte die Polizei die Angeklagten innerhalb von 72 Stunden gefunden und verhaftet.

"Ihr Kampf bleibt nicht ungehört"

Ein junges Mädchen, das das Gericht ebenfalls besucht hatte, konnte nach der Verkündung des Urteils ihre Tränen nicht zurückhalten. "Ich kann heute wieder mit Stolz nach Hause gehen. Das 'Tapfere Herz Nirbhaya' - wie wir sie alle in den vergangenen neun Monaten bezeichnet haben - kann nun in Frieden ruhen. Ihr Kampf blieb nicht ungehört", sagte Pratibha unter Schluchzen.

Ungewöhnlich ist nach Ansicht von Pinky Anand, einer leitenden Anwältin am Höchsten Gericht Indiens, nicht nur das Urteil. Vor allem das Tempo der Verhandlung habe sie erstaunt. "Für indische Verhältnisse ist der schnelle Abschluss bemerkenswert", so Anand zur Deutschen Welle.

Das Urteil stieß aber auch auf Kritik: Aus Sicht von Vertretern der Vereinten Nationen bleibt die Todesstrafe eine Menschenrechtsverletzung. "Todesstrafe ist keine Lösung", sagte Rebecca Tavares, UN-Frauenbeauftragte für Indien, im DW-Interview. Es gebe keinen Beweis, dass sie abschreckender wirke als eine lebenslange Gefängnisstrafe.

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