Entwarnung am Nil | Welt | DW | 28.09.2013
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Welt

Entwarnung am Nil

Nachdem das Auswärtige Amt die Sicherheitshinweise gelockert hat, hofft die Tourismusbranche auf ein schnelles Ende der Flaute in Ägypten. Die Reiseveranstalter stellen sich darauf ein und stehen in den Startlöchern.

Zuversicht hört sich anders an: "Im Moment ist es ganz schlimm", sagt Hind Düvel, deren Kölner Reisebüro Dahab sich auf maßgeschneiderte Ägyptenreisen spezialisiert hat. Die Leute hätten noch immer Angst in die Region zu fliegen, verunsichert durch Meldungen über Unruhen und Gewalt. Seit Wochen hat kein Kunde mehr bei ihr gebucht. "Wir hoffen, dass sich das bald ändert."

Die Zeichen dafür stehen gut. Denn das deutsche Auswärtige Amt hat am Dienstag (24.09.2013) die Sicherheitshinweise für Ägypten entschärft. Die Experten von Außenminister Guido Westerwelle raten nun nicht mehr generell davon ab, dort Urlaub zu machen. Bei Reisen in die Tourismushochburgen am Roten Meer haben sie keine Bedenken. Urlauber sollten aber weiter vorsichtig sein. Von Aufenthalten im Nildelta und in der Hauptstadt Kairo rät das Auswärtige Amt noch immer ab.

Westliche Anbieter stehen in den Startlöchern

Es ist ein Hoffnungsschimmer für Touristikunternehmen, die von den Reisen in das nordafrikanische Land leben. Deren Geschäft lief ohnehin schleppend. In Ägypten selbst leidet die Branche besonders darunter. Seit dem Wiederaufflammen der Proteste Mitte August seien die Zahlen noch einmal um 85 Prozent eingebrochen, sagte Ägyptens Tourismusminister Hisham Zazou der Deutschen Welle. "Einige Hotels mussten bereits schließen, vor allem in der Region am Roten Meer." Von den gelockerten Warnhinweisen erhofft er sich neuen Auftrieb für Gastronomie und Hotelgewerbe seines Landes.

Ägyptens Tourismusminister Hisham Zazou (Foto: picture-alliance/AP)

Hisham Zazou: "Einbruch um 85 Prozent"

Auch westliche Reiseanbieter stehen in den Startlöchern, um ihr Geschäft in Ägypten in Schwung zu bringen. "Wir wollen den Betrieb dort so schnell wie möglich wieder aufnehmen", sagt Stefan Suska vom Reiseveranstalter Alltours. Er rechnet aber mit einer langsamen Erholung - auch aus organisatorischen Gründen. Denn Fluggesellschaften wie Condor oder Sun Express setzen ihre Maschinen mittlerweile auf anderen Verbindungen ein und beginnen erst, ihre Flugpläne anzupassen. Zudem müssen die Touristen wieder Vertrauen fassen. Mit einer ersten Tendenz der Buchungszahlen rechnet Suska in drei bis vier Wochen.

Bei der Neuaufnahme ihres Ägyptengeschäfts gehen die Reiseveranstalter unterschiedlich vor. Alltours will vorerst keine Reisen in Regionen anbieten, die auf der Warnliste des Auswärtigen Amts stehen. Pyramiden und Pharaonentempel sind für den Duisburger Anbieter weiterhin tabu. Das schließt Aufenthalte in Assuan und Luxor ein - aber auch entlang des Nils in Oberägypten.

Eile bei den Veranstaltern

Das Reiseunternehmen FTI ist ungeduldiger. Das Unternehmen prüft derzeit, ob es die Kreuzfahrten auf dem Nil wieder aufnehmen soll. "Wir beobachten die Lage vor Ort sehr genau", sagt Unternehmenssprecher Christian Müller, FTI ist der größte deutsche Anbieter von Reisen nach Ägypten.

Hatschepsut Tempel in Luxor (Foto: picture-alliance/AP Photo)

Urlauber vor dem Hatschepsut-Tempel in Luxor im Februar: Noch keine Entwarnung des Auswärtigen Amts

Brancheninformationen zufolge haben es Veranstalter unterschiedlich eilig, ihr Ägyptengeschäft wieder in Schwung zu bringen. Das hängt auch davon ab, wie eng sie sich an Hotels vor Ort mit Garantiezahlungen gebunden haben, um sich günstige Preise zu sichern. Ein Veranstalter, der an Hotels zahlen muss, ohne die Zimmer an seine eigenen Kunden weitervermieten zu können, bekommt auf Dauer Probleme.

Die Gewinnspannen in der Reisebranche sind ohnehin niedrig. "Die Top-Renditen liegen bei drei bis vier Prozent", sagt Alltours-Sprecher Suska. Sein eigenes Unternehmen habe in den vergangenen Jahren zwei bis drei Prozent erwirtschaftet. Das bedeutet, von jedem eingenommenen Euro bleiben nur zwei bis drei Cent Gewinn. In anderen Branchen, wie etwa der Autoindustrie, liegt dieser Wert oft drei bis vier Mal so hoch.

Keine Anschläge auf Touristen

Dass Druck der Reiseanbieter das Auswärtige Amt veranlasst haben könnte, die Sicherheitshinweise zu lockern, schließen Beobachter vor Ort aus. Die Lage in Ägypten habe sich erst vor Kurzem entspannt, sagt Rainer Herret, Geschäftsführer der Deutsch-Arabischen Industrie- und Handelskammer in Kairo. "Die Befürchtung, es könnte zu Anschlägen kommen, hat sich nicht bewahrheitet."

Rainer Herret (Foto: AHK)

Rainer Herret: "Lage hat sich entspannt"

Wer in Urlaubsorte wie Hurghada, Marsa Alam oder Scharm el Scheich reisen wolle, könnte beruhigt sein. "Es ist in den Touristengebieten absolut nichts passiert." Zwar bleibe immer ein Restrisiko, aber seit dem Beginn der Revolution im Jahr 2011 seien nie gezielt Ausländer ins Visier genommen worden.

Die ägyptische Tourismusbranche hofft nun schnell auf bessere Zeiten. Sie erwarte schon für Oktober wieder Vollbelegung am Roten Meer, so Herret "Da ist wahrscheinlich der Wunsch Vater des Gedankens." Er schätzt, dass dies frühestens in der Sommersaison 2014 der Fall sein wird.

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