Entsetzen über Flüchtlingsdrama vor Lampedusa | Aktuell Europa | DW | 03.10.2013
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Aktuell Europa

Entsetzen über Flüchtlingsdrama vor Lampedusa

Nach dem Schiffsunglück vor der italienischen Insel Lampedusa sitzt der Schock tief. Mehr als 130 Menschen ertranken, als ihr Boot in Brand geriet. Nicht nur Italien spricht von einer Tragödie.

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Papst: Unglück von Lampedusa eine "Schande"

Bei einem der schlimmsten Flüchtlingsdramen der vergangenen Jahre sind mindestens 133 Menschen ertrunken. Rund 150 Flüchtlinge konnten nach einer vorläufigen Bilanz gerettet werden. Etwa 220 Bootsinsassen werden noch vermisst. Es wird deshalb befürchtet, dass bei dem Unglück mehr als 300 Menschen starben.

Im Hafen der Insel stapeln sich die Leichensäcke. Ein Sprecher der italienischen Küstenwache schätzte am Donnerstagabend die Hoffnung, noch Überlebende zu finden, gering ein. Die Menschen seien seit dem frühen Morgen im Wasser.

Unter den Opfern sind nach Behördenangaben auch drei Kinder und zwei schwangere Frauen. "Es ist furchtbar, sie hören nicht auf, neue Leichen zu bringen", sagte die Bürgermeisterin von Lampedusa, Giusi Nicolini, unter Tränen der Nachrichtenagentur Ansa.

Innenminister Alfano spricht von europäischer Tragödie

Zunächst sei der Motor des Flüchtlingsbootes ausgefallen und Wasser eingedrungen, schilderte Innenminister Angelino Alfano die Vorgänge an Bord. Die Passagiere hätten daraufhin ein Laken angezündet, um auf sich aufmerksam zu machen. Dadurch sei aber ein Brand ausgebrochen. Alle Menschen hätten sich auf eine Seite des Bootes geflüchtet, wodurch dieses gekentert und dann gesunken sei.

Italiens Ministerpräsident Enrico Letta ordnete für diesen Freitag einen nationalen Trauertag an. Er beklagte "eine immense Tragödie". Innenminister Alfano sagte: "Dies ist nicht ein italienisches Drama, es ist ein europäisches Drama." Lampedusa müsse als europäische und nicht als italienische Grenze angesehen werden.

EU will verschärft gegen Schleuser vorgehen

Das Unglück löste weit über Italien hinaus Erschütterung und Entsetzen aus. Papst Franziskus, der bereits im Juli die Gleichgültigkeit gegenüber Flüchtlingen kritisiert hatte, sagte im Vatikan, dass schon wieder Menschen bei einem solchen Unglück ums Leben gekommen seien, könne nur als "Schande" bezeichnet werden, für die sich die Welt schämen sollte. "Wir müssen uns zusammenschließen, damit diese Tragödien aufhören."

Auch EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström reagierte entsetzt und forderte die Mitgliedstaaten über den Kurznachrichtendienst Twitter auf, "die Anstrengungen im Kampf gegen Schleuser, die menschliche Hoffnungslosigkeit ausbeuten, zu verdoppeln". Zudem müsse der Dialog mit den Ländern vertieft werden, aus denen die Flüchtlinge stammten und durch die sie reisten.

Der UN-Flüchtlingsbeauftragte António Guterres erklärte, er sei "schockiert" über die steigende Zahl von Flüchtlingen, die im Meer ihr Leben verlören. Wegen des guten Wetters versuchen zur Zeit besonders viele Menschen aus Afrika, in kaum seetauglichen Booten Europa zu erreichen. Insgesamt wurden seit Jahresbeginn in Italien mehr als 22.000 Bootsflüchtlinge gezählt - drei mal mehr als im gesamten Jahr 2012.

gmf/haz (afp, dpa, kna, rtr)

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