Elfriede Jelineks ″Wut″ hat gute Chancen auf den Mülheimer Dramatikerpreis | Kultur | DW | 22.02.2017
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Kultur

Elfriede Jelineks "Wut" hat gute Chancen auf den Mülheimer Dramatikerpreis

Wie geht es uns? In welchem Zustand ist Europa? Der Mülheimer Dramatikerpreis beleuchtet diese Fragen wie durch ein Brennglas. Das zeigt die Liste der Preisanwärter. Mitfavoritin ist Elfriede Jelineks "Wut".

Szene aus Wut von Elfriede Jelinek. Foto: picture-alliance/dpa/C. Fürst

Szene aus Elfriede Jelineks Stück "Wut"

Die Jury wählte das jüngste Drama der österreichischen Nobelpreisträgerin und sechs weitere aus insgesamt 142 eingereichten Stücken aus, die in der Saison 2016/17 auf deutschsprachigen Bühnen uraufgeführt wurden. Sie sollen nun bei den Mülheimer Theatertagen im Mai und Juni auf die Bühne kommen. Aus ihnen wird schließlich der Dramatikerpreisträger ermittelt.

Porträt der Autorin Elfriede Jelinek (ARCHIVBILD 2004) Foto: picture-alliance/AP Photo

Elfriede Jelinek

Viele der Theaterstücke machten die gesellschaftlichen und politischen Umbrüche zum Thema, teilte die Jury mit. Gemeinsames Motiv der Stücke seien Gewalt und ein "oft planloser, aber doch vehementer Drang nach Veränderung", so Jurysprecherin Cornelia Fiedler. Neben Jelinek, die bereits zum 18. Mal nominiert ist, gehören Anne Lepper und der Österreicher Ferdinand Schmalz zu den Preisanwärtern. Erstmals im Rennen sind Konstantin Küspert, Milo Rau, Clemens J. Setz und Olga Bach.

Von Terror bis Kindesmissbrauch

Porträt des Theaterregisseurs Milo Rau. Foto: Thomas Müller

Milo Rau

Mit "Wut" reagierte Jelinek auf die Terroranschläge auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" in Paris. Jelinek hat den mit 15.000 Euro dotierten Mülheimer Preis bereits mehrfach gewonnen. Eine europäische Geschichte der Gewalt von den Wikingern über die Kreuzfahrer bis zu den Verbrechen der Wehrmacht erzählt Küspert in seinem Stück "europa verteidigen". Milo Raus "Empire" ist der dritte Teil einer Europa-Trilogie als Panorama von Umbruch und Vertreibung. Die Schauspieler sprechen Arabisch, Kurdisch, Rumänisch und Griechisch - der Text wird auf Deutsch übertitelt.

Die jüngste Mülheim-Autorin Olga Bach lässt in ihrem Stück "Die Vernichtung" drei gelangweilte privilegierte junge Menschen mit faschistoider Ideologie und der Freude am Exzess flirten. An der Grenze zum Kindesmissbrauch spielt "Vereinte Nationen" von Clemens J. Setz. In Anne Leppers Stück "Mädchen in Not" hat die Protagonistin genug vom Patriarchat. Ferdinand Schmalz lässt in "Der thermale Widerstand" einen Bademeister revoltieren.

Im vergangenen Jahr gewann Wolfram Höll mit "Drei sind wir" den Mülheimer Dramatikerpreis. 

sd/bb (dpa)

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