Ekelfleisch aus Polen in vielen EU-Staaten | Aktuell Europa | DW | 01.02.2019
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Fleischskandal

Ekelfleisch aus Polen in vielen EU-Staaten

Aus Polen sind rund 2,7 Tonnen verdorbenes Fleisch in mindestens zwölf europäische Länder geliefert worden. Auch Deutschland ist betroffen, wie die Behörden der DW bestätigten. Die EU-Kommission leitete Ermittlungen ein.

Rinderhälften im Schlachthof (picture-alliance/dpa/O. Krato)

Rinderhälften in einem Schlachthof (Symbolbild)

Die Lebensmittelbehörden schlagen Alarm, die EU-Kommission hat sich eingeschaltet. Kontrolleure sollten am Montag nach Polen reisen, um die Situation zu analysieren, erklärte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde. Der betroffene Schlachthof sei mittlerweile geschlossen, das Fleisch werde zurückverfolgt und vom Markt genommen.

Die polnische Staatsanwaltschaft hatte der EU den Fall bekanntgemacht, nachdem ein polnischer Reporter aufgedeckt hatte, dass ein Schlachthaus das Fleisch kranker Rinder auch ins Ausland geliefert haben soll.

Das Veterinäramt des Landes erklärte, insgesamt 2,7 Tonnen von dem Fleisch seien in mindestens zwölf EU-Länder gelangt, darunter nach Spanien, Schweden, Finnland, Ungarn, die Slowakei und Portugal. Über Frankreich soll gammeliges Fleisch auch nach Deutschland gelangt sein. Das Ausmaß des Skandals ist noch nicht vollends klar. Auch nicht, ob und wieviel von dem verunreinigten Fleisch in den Handel gekommen ist.

Deutschland über Umweg mit betroffen

Frankreichs Landwirtschaftsminister Didier Guillaume sprach von einem "schrecklichen Betrugsfall". Fast 800 Kilogramm des verdorbenen Fleisches seien in Frankreich in neun weiterverarbeitende Betriebe gelangt.

Nach Auskunft des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BLV) sind vermutlich rund 50 Kilogramm des verunreinigten Fleisches via Frankreich nach Deutschland geliefert worden. Deutschland sei kein direktes Zielland der Fleischlieferungen gewesen, sagte eine Sprecherin des BVL der Deutschen Welle. Falls das Fleisch vor dem Verkauf aus dem Handel genommen wurde und also nicht den Handel erreicht habe, werde es keine öffentliche Warnung geben.

Aufgedeckt wurden die skandalösen Praktiken in einem Schlachthaus in Kalinowo im Nordosten Polens durch einen Reporter des polnischen Nachrichtensenders TVN24, der dort unter falscher Identität monatelang als Arbeiter recherchiert hatte. Er filmte offensichtlich kranke Rinder, die zur Schlachtung vorbereitet wurden.

Das Landwirtschaftsministerium in Warschau geht bei den Manipulationen in dem Schlachthof von einem "Einzelfall" aus. Polen ist ein Großlieferant für Fleisch in Europa. So gehen etwa 80 Prozent des erzeugten Rindfleisches ins Ausland. 

qu/uh (dpa, afp, DW)