Einstiger Chefideologe der Roten Khmer ist tot | Aktuell Asien | DW | 04.08.2019
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Kambodscha

Einstiger Chefideologe der Roten Khmer ist tot

Nuon Chea, während der Herrschaft der Khmer "Bruder Nr. 2" genannt und Stellvertreter von Diktator Pol Pot, ist in Kambodscha gestorben. Jetzt lebt nur noch einer aus der Führungsriege des Schreckensregimes.

Kambodscha l Chefideologe der Roten Khmer und Stellvertreter von Pol Pot Nuon Chea verstorben (picture-alliance/ANN/the Phnom Penh Post)

Nuon Chea während des Völkermordprozesses im Jahr 2018

Ein Sprecher des kambodschanischen Sondertribunals für die Verbrechen der Roten Khmer teilte mit, Nuon Chea sei im Alter von 93 Jahren in einem Krankenhaus in der Hauptstadt Phnom Penh gestorben. Dorthin sei er Anfang Juli aus dem Gefängnis verlegt worden. Er galt als Nummer zwei in der Hierarchie der von Pol Pot angeführten maoistischen Khmer, und als Chefideologe des Regimes, das in den 1970er Jahren das Land terrorisierte.

Urteile gegen Pol Pots Schergen

Erst im vergangenen November war Nuon Chea von dem Sondertribunal in Phnom Penh des Genozids schuldig gesprochen worden. Zusammen mit Ex-Staatschef Khieu Samphan, dem jetzt letzten Überlebenden aus der oberen Führungsriege der Roten Khmer, war Nuon Chea zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden, wegen Völkermords an den ethnischen Minderheiten der Cham-Muslime und Vietnamesen. Beide gaben während des Verfahrens an, von Gräueltaten nichts gewusst zu haben.

Kambodscha l Führungsspitze der Roten Khmer Pol Pot und Nuon Chea (picture-alliance/CPA Media Co. Ltd)

Pol Pot (l.) und Nuon Chea in den 1970er Jahren

Vier Jahre zuvor waren Nuon Chea und Khieu Samphan bereits wegen anderer Vorwürfe verurteilt worden, unter anderem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Nuon Chea war erst 2007 festgenommen worden.

Die Roten Khmer unter Diktator Pol Pot hatten im April 1975 die Hauptstadt Phnom Penh eingenommen. Während ihres vierjährigen Terrorregimes wollten sie eine maoistische Bauerngesellschaft verwirklichen. Sie trieben die Stadtbevölkerung aufs Land, schafften Geld und Schulen ab und zwangen fast alle Menschen auf die Felder.

Kambodscha Genozid l Totenschädel - Brutalität, Zerstörung und Säuberung durch Khmer Rouge (picture alliance/AP Photo/D. Gray)

In einem von den Roten Khmer angelegten Massengrab in den 1980er Jahren gefundene Schädel und Gebeine

Durch Hungersnöte, Zwangsarbeit, Mord und Folter kamen in dem kleinen südostasiatischen Land nach Schätzungen mindestens 1,7 Millionen Menschen ums Leben - über 20 Prozent der damaligen Bevölkerung. Anfang 1979 vertrieb die Armee des Nachbarlandes Vietnam die Roten Khmer aus Phnom Penh. Die Bewegung ging in den Untergrund und führte bis zur endgültigen Kapitulation im Dezember 1998 einen Guerillakrieg gegen die Regierungstruppen.

Der berüchtigte Anführer der Roten Khmer, Pol Pot,  starb 1998, ohne dass ihm jemals der Prozess gemacht wurde.

qu/AR (afp, rtr, ap, dpa)

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