″Eine Kriegserklärung″: Arabische Presse zum Ende des Atomdeals | Nahost | DW | 09.05.2018
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Nahost

"Eine Kriegserklärung": Arabische Presse zum Ende des Atomdeals

Die Reaktionen der arabischen Presse auf Trumps Ausstieg aus dem Abkommen mit dem Iran spiegeln die Zerrissenheit der Region. Auch medial stehen sich das saudische und das iranische Lager unversöhnlich gegenüber.

"Eine Kriegserklärung". Genau das sei Präsident Trumps Erklärung, die USA würden sich aus dem Atomabkommen mit dem Iran zurückziehen, schreibt die panarabische, anti-saudisch und anti-zionistisch ausgerichtete Website "Rai al-Youm". Mit seiner Ankündigung habe Trump den Versuch eingeleitet, auf einen Regimewechsel in Teheran hinzuwirken. Das Unternehmen reihe sich ein in entsprechende Versuche im Irak, in Libyen und in Granada, wo die USA ebenfalls den Sturz der dortigen Regierungen unter dem Vorwand betrieben hätten, es gebe dort chemische oder nukleare Massenvernichtungswaffen.

Auf Entspannung in der Region könne man kaum mehr hoffen, schreibt das Portal. Im Gegenteil: "Trump hat mit seiner Entscheidung dem Obersten Führer des Landes (Ayatollah Khamenei, Anm. d. Red.) einen unschätzbaren Dienst erwiesen. Denn mit seiner Erklärung zerstört er das Werk der Reformer und der iranischen Opposition. Schaut hin, werden sie sagen: 'Wir haben unser Atomprogramm eingefroren, und das ist das Resultat'." Die Erklärung laufe auf einen Krieg hinaus. Zudem ist für "Rai al-Youm" Israel einer der zentralen Akteure, die auf die Aufkündigung des Abkommens hingearbeitet hätten. Die Zeitung warnt: "Israel wird aus diesem Krieg nicht unbeschädigt hervorgehen."

USA Mohammed bin Salman, Kronprinz Saudi-Arabien & Donald Trump in Washington (Reuters/JE. Vucci)

Beifall aus Riad. Der saudische Kronprinz Mohammed Bin-Salman mit US-Präsident Donald Trump.

Ähnlich sieht es die panarabische, von einem katarischen Finanzier unterhaltene Zeitung "Al-Araby al-jadeed". Die Spannungen mit den USA, deutet das Blatt an, könnten dem Regime in Teheran neues Ansehen verschaffen. Allerdings ist sie der Ansicht, auch die oberste iranische Führung, vom Obersten Revolutionsführer Ali Khamenei bis hin zu den Generälen und den Kommandeuren der Revolutionsgarden, hätte sich einer bedrohlichen Rhetorik bedient. Sie macht auch Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Israel für die erregte Lage verantwortlich.

Kritik an Irans "destruktivem" Einfluss

Auch der in Dubai ansässige Nachrichtensender "Al Arabyia" wertet Trumps Ankündigung als verbale "Kriegserklärung". Er bezweifelt aber, dass es zu einer militärischen Auseinandersetzung kommen könnte. Denn die USA konzentrierten sich weniger auf militärische als auf ökonomische und diplomatische Aspekte. Der Sender begrüßt zudem die Aufkündigung des Abkommens, dadurch werde das von einem "übervorsichtigen" Barack Obama und seinen für den Geschmack des Senders allzu "enthusiastischen" europäischen Freunden arrangierte Abkommen korrigiert. Das Abkommen sei ungeachtet der Tatsache geschlossen worden, dass der Iran in mehreren arabischen Ländern einen "destruktiven" Einfluss ausübe, nämlich im Irak, im Jemen und in Syrien.

Saudische Medien: ein grundsätzlich fehlerhaftes Übereinkommen

Ähnlich sieht es die der saudischen Regierung nahestehende Zeitung "Al-sharq al-awsat". Auch sie wertete die Ankündigung  im Vorfeld als grundsätzlich positiv. Das Übereinkommen sei grundsätzlich fehlerhaft, da es das iranische Raketenprogramm vollkommen außer Acht lasse. Auch spiele der "destruktive" Einfluss Irans auf Teile der arabischen Welt keinerlei Rolle.

Auch die saudische Regierung begrüßte den Schritt der USA. "Das Königreich bekräftigt seine Unterstützung für diesen Schritt und begrüßt ihn ausdrücklich. Es hofft, dass die internationale Gemeinschaft eine entschlossene und einhellige Position gegenüber Iran und seinen feindselige Handlungen einnimmt, die die Region destabilisieren und terroristische Gruppen unterstützen, allen voran die Hisbollah und die Huthi-Milizen." 

Explosionen erschüttert Damaskus (picture-alliance/dpa/A. Safarjalani)

"Region am Abgrund": Szene aus Damaskus

Hisbollah-nahes Medium: "Sprache von Eskalation und Sanktionen"

Ganz anders sieht es die der Hisbollah nahestehende Zeitung "Al-Akhbar". Donald Trump bringe den Nahen Osten in eine altgewohnte Lage zurück, schreibt die Zeitung. "Die Sprache von Eskalation und Sanktionen hat die relative Ruhe mit dem Iran ersetzt." Ungerührt habe Trump eine Vereinbarung gestürzt, die viele politische Führer rund um die Welt als historische diplomatische Leistung gewürdigt hätten. "Trump beendet eine Periode relativer Ruhe und öffnet die Bühne von Krieg und Sanktionen."

Vorwürfe erhebt die Zeitung auch gegenüber Israel und Saudi-Arabien, die sie als wesentlich mitverantwortlich für die Entscheidung sieht. Die aufgeladene Atmosphäre lasse nicht erwarten, dass sich die Lage in einer Region "am Rande des Abgrunds" beruhigen werde. Eine iranische Reaktion, deutet die Zeitung an, "könnte nicht lange auf sich warten lassen." Umso mehr käme es nun darauf an, dass die verbleibenden Partner sich nun verständigten. Denn Trump verwandle die Region in eine "Bühne der Aggression."

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