Eine kleine Bleikunde | Sprachbar | DW | 04.12.2013
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Sprachbar

Eine kleine Bleikunde

An Silvester dient es als Orakel fürs nächste Jahr. Zeitungen und Bücher hätten ohne es nicht gedruckt werden können: Blei. Wie eine bleierne Ente schwimmen oder eine Bleivergiftung haben, möchte aber niemand.

So ein bisschen in die Zukunft schauen können, wer möchte das nicht. Was wird es bringen das Neue Jahr? Niemand weiß es. Oder vielleicht doch? Manchmal hilft das Bleigießen – eine nette Form des Aberglaubens. Vielleicht liegt ja bei dem einen oder anderen noch eine der seltsam aussehenden kleinen Figuren der Bleigießaktionen vergangener Silvesterabende in der Küchenschublade. Fürs Bleigießen notwendig ist, wie es der Name schon sagt, Blei. Und mit dem giftigen Schwermetall wollen wir uns dieses Mal befassen.

Von Bleigießen und Bleilettern

Jemand hält eine Bleiletter zwischen Daumen und Zeigefinger

Klein, aber sehr wichtig: eine Bleiletter

Zunächst aber ein Blick auf den Silvesterabend. Bleigießen ist ein alter Brauch. Schon die alten Römer sollen ihn praktiziert und als Orakel angesehen haben. Ein kleines Stück des Metalls wird erhitzt und dann in kaltes Wasser geworfen. Die entstandene Form soll darauf hindeuten, ob etwas Gutes oder etwas Schlechtes bevorsteht. Aus Blei wurden im Altertum auch schwere Wurfgeschosse hergestellt.

Auch die Buchdruckerkunst nutzte diese Fähigkeit des flüssigen Metalls, bestimmte Formen anzunehmen. Die bleiernen Lettern entstanden, indem in eine Matrize flüssiges Blei gegossen wurde. So ließ sich im Prinzip jede beliebige Form herstellen, nicht nur die Lettern aus Blei.

Blei: nützlich im Handwerk und der Seefahrt

Ein Bleipendel am Seil

Sehr nützlich: ein Bleilot

Blei hat gegenüber Metallen wie beispielsweise Eisen einen Vorteil: Es hat eine niedrige Schmelztemperatur, ist weich und in erstarrtem Zustand schwer. Ein kleiner Bleiklumpen in einem Löffel über eine Kerze gehalten schmilzt nach ganz kurzer Zeit – und zwar bei etwa 327° Celsius. Diesen Vorteil nutzten die Menschen auch im Mittelalter. So wurden aus Blei Siegesplaketten für Turniere und sogenannte Schaumünzen hergestellt. Und auf Baustellen wurde schon damals das sogenannte Richtblei eingesetzt – ein Bleistück, das an einer langen Schnur befestigt ist. Mit ihm konnten die Maurer lotrecht mauern, weil das Richtblei verlässlich die Senkrechte anzeigt.

Die Seefahrer und Schiffsleute benutzten das Senkblei, ebenfalls ein Stück Blei an einem dünnen Seil befestigt. Es wurde ins Wasser geworfen und dank der sprichwörtlichen Bleischwere sank es sofort auf den Grund. Durch Markierungen am Seil konnte die Wassertiefe schnell ermittelt und das Schiff davor bewahrt werden, auf Grund zu laufen.

Gefährlich: die Bleivergiftung

Symbolbild für Kopfschmerzen: Eine junge Frau hält sich mit beiden Händen den Kopf

Kopfschmerzen können eine Folge von zuviel Blei im Körper sein

Auch in den großen alten Standuhren, ja an den riesigen Uhrwerken der Kirchen gab es Blei. Wiederum als Gewicht. Die Formbarkeit des Metalls machten sich auch andere zunutze: Geradezu ideal war Blei zur Herstellung von Rohrleitungen. Alte Wasserleitungen sind meist alle aus Blei.

Sie haben allerdings auch einen großen Nachteil: Blei und die meisten seiner chemischen Verbindungen sind giftig. Fließt Trinkwasser ständig durch Bleirohre, lagert sich das Metall im Körper ab und kann zu einer Bleivergiftung führen.

Bleiplomben und Bleischürzen

Zwei Frauen mit Bleischürzen

Bleischürzen schützen vor Röntgenstrahlung

Die Folgen sind schlimm: Sie reichen etwa von Verhaltensstörungen bis zur Beeinträchtigung der Intelligenz. Manche Menschen, die Blei im Mund haben, weil ihr Zahnarzt ihnen eine Bleiplombe verpasste, klagen beispielsweise über Kopfschmerzen und Müdigkeit. Bleirohre zum Transport von Trinkwasser sind wegen der schädigenden Wirkung nicht mehr erlaubt.

Andererseits schützt Blei aber auch – vor Strahlungen der Röntgenapparate zum Beispiel. Wer etwa sein Herz oder seine Lunge röntgen lässt, bekommt eine schwere Bleischürze umgehängt. Sie hält die Strahlung von den Körperteilen ab, die nicht geröntgt werden.

„Bleierne“ Redewendungen

Symbolbild: Ein Mann liegt im Schatten und schläft

Das ist bei bleierner Hitze das Beste!

Wie könnte es anders sein, auch Blei hat seine übertragenen Bedeutungen. Es ist die blasse bläulichgraue, die bleigraue Farbe, die uns vom bleiernen Himmel sprechen lässt. An manchem Sommertag herrscht eine bleierne Hitze, die zu einer bleiernen Müdigkeit führt. Statt voller Elan durch die Gegend zu hüpfen, liegen wir lieber in einer möglichst kühlen Ecke und bewegen uns nicht.

Das relativ hohe Gewicht des Metalls sorgt im übertragenen Sinn dafür, dass manchem Menschen die Füße schwer wie Blei sind, wenn sie oder er einen ganzen Tag gestanden hat. Und jemandem, der zum Beispiel etwas gegessen hat, das ihm nicht gut bekommen ist, klagt darüber: „Mensch, das liegt mir wie Blei im Magen.“ Wer zu hören bekommt, dass er wie eine bleierne Ente schwimmt, sollte das nicht als Kompliment auffassen. Anders ausgedrückt heißt es: „Du bist langsam. Mach’ voran!“

Was will uns die Bleifigur sagen?

Aber zurück zum Bleigießen: Wenn das Bleiklümpchen also im Löffel geschmolzen ist – zack – in eine Schüssel mit Wasser auskippen. Das spratzt und zischt und dampft einen Augenblick. Und dann haben wir sie, die gegossene Figur aus Blei, die sich so schön deuten lässt. Sieht sie nicht aus wie ein Herz? Das bedeutet sich neu verlieben. Oder ist das ein Schiff? Dann steht eine Reise bevor. Oder ein Anker, ein Ball, eine Maus?




Fragen zum Text

Bleilettern sind …
1. Buchstaben, die mit einem Bleistift geschrieben werden.
2. besondere Schriftarten.
3. Druckbuchstaben aus Blei.

Bekommt jemand vom Zahnarzt eine Bleiplombe, dann …
1. erhält sie/er eine Füllung im Zahn.
2. bekommt sie/er einen Bleizahn.
3. wird ein Zahn mit einer dünnen Schicht Blei versiegelt.

Was stimmt redensartlich nicht? Hat jemand fettes Essen gegessen, kann …
1. sie/er schwimmen wie eine bleierne Ente.
2. es ihr/ihm wie Blei im Magen liegen.
3. sie/ihn eine bleierne Hitze überkommen.


Arbeitsauftrag
Es ist Jahresende und du überlegst, wie das kommende Jahr wohl wird. Um etwas Sicherheit zu bekommen, erstelle dein eigenes Orakel. Zünde eine Kerze an und schütte nach ein paar Minuten das flüssige Wachs in kaltes Wasser. Wenn es erkaltet ist, nimm die entstandene Figur vorsichtig mit einem Löffel aus dem Wasser. Beschreibe sie anschließend und deute, was sie deiner Meinung nach ausdrücken soll.

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