Ein riesiges Loch mitten in der Landschaft | Top-Thema – Podcast | DW | 28.07.2015
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Top-Thema – Podcast

Ein riesiges Loch mitten in der Landschaft

Zwischen den deutschen Städten Aachen und Köln liegt das größte Braunkohleabbaugebiet Europas. Viele Dörfer und Landschaften wurden zerstört, um an die Kohle zu kommen. Doch es sollen dort neue Landschaften entstehen.

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Ein riesiges Loch mitten in der Erde – das Top-Thema als MP3

Von einem Aussichtspunkt kann man die 85 Quadratkilometer große Fläche sehen: das größte Braunkohleabbaugebiet Europas, das von dem Energiekonzern RWE betrieben wird. 94 Meter hohe Schaufelradbagger graben 450 Meter tief in der Erde, um an die Kohle zu kommen. Früher waren an diesem Ort Dörfer und Wälder. Für den Kohleabbau wurden aber die Dörfer und ein 4000 Jahre alter Wald dem Erdboden gleichgemacht, Straßen und Flüsse wurden umgeleitet. Tausende Menschen wurden aus ihrer Heimat vertrieben.

Auch Elfriede und Gertrud wurden damals umgesiedelt. Die beiden älteren Damen haben darunter sehr gelitten, erzählen sie. Ihre Männer haben bei RWE gearbeitet, darum konnten sie sich nicht beschweren. Doch das ist lange her. „Jetzt ist alles wunderbar“, findet Gertrud. Denn RWE hat viel gut gemacht. Das findet auch der Fahrradfahrer Hermann L.: „Bei der ganzen Berichterstattung wird die Rekultivierung kaum erwähnt. Für Fahrradfahrer: toll. Es ist fast schöner als vorher“, sagt er.

Denn Europas größter Stromproduzent RWE kümmert sich darum, dass die Natur in der Tagebaugegend nicht komplett zerstört wird. Er baut an anderen Stellen neue Landschaften mit Wanderwegen. Auch zwischen Köln und Aachen soll ein riesiger Landschaftspark für Radfahrer, Wassersportler und Wanderer entstehen. Einziger Nachteil für Hermann L.: Früher ist er direkter zum Ziel gekommen. Heute muss er wegen des Loches Umwege von bis zu 40 Kilometern fahren.

Auch die Grube des Tagebaus soll später rekultiviert werden. Bis 2045 hat RWE die Genehmigung zur Braunkohleförderung. Nach 2050 soll dort der größte und tiefste Binnensee Deutschlands entstehen. Einen Namen hat der See schon: „Terra nova“, das heißt „neue Erde“. Es wird aber noch bis 2100 dauern, das riesige Loch mit Wasser aus dem Rhein zu füllen. Trotzdem hat RWE schon mal Liegestühle und Sonnenschirme hingestellt.


Glossar

Abbau
(m., nur Singular) – das Herausholen von Mineralien (wie z. B. Kohle) aus dem Boden

Quadratkilometer ein Flächenmaß; ein Kilometer x ein Kilometer (Abkürzung: km²)

Konzern, -e (m.) – das Unternehmen

etwas betreiben – dafür sorgen, dass etwas funktioniert; für etwas verantwortlich sein

Schaufelradbagger, - (m.) – eine sehr große Maschine, mit der man → graben kann

graben – mit Werkzeugen ein Loch in die Erde machen (Substantiv: die Grube)

etwas dem Erdboden gleich|machen – etwas komplett zerstören

etwas um|leiten – für etwas einen anderen Weg finden

jemanden vertreiben – jemanden zwingen, einen Ort zu verlassen; dafür sorgen, dass jemand weggehen muss

jemanden um|siedeln – jemanden von seinem Zuhause wegschicken und ihm an einem anderen Ort eine Heimat geben

Berichterstattung, -en (f.) – die Art, wie in den Medien über etwas berichtet wird

Rekultivierung (f., nur Singular) – die Tatsache, dass man durch → Abbau schlecht gewordenen Boden wieder in einen guten Zustand bringt (Verb: etwas rekultivieren)

etwas erwähnen – von etwas sprechen

Produzent, -en/Produzentin, -nen – hier: jemand, der etwas produziert und herstellt

Tagebau, -e (m.) – ein Ort, an dem mit großen Maschinen etwas (z. B. Kohle) aus der Erde geholt wird, um es weiterzuverarbeiten

Umweg, -e – ein Weg, der nicht der kürzeste Weg zum Ziel ist

Förderung, -en (f.) – hier: der → Abbau

Binnensee, -n (m.) – ein See ohne Verbindung zum Meer

etwas füllen – etwas voll machen

Liegestuhl, -stühle (f.) – ein flacher und bequemer Stuhl


Fragen zum Text

1. Warum mussten viele Menschen ihre Häuser und Dörfer verlassen?

a) Wo die Dörfer standen, sollen neue Wälder und Landschaften entstehen.
b) An dem Ort, wo die Dörfer standen, sollte nach Kohle gegraben werden.
c) Straßen und Flüsse sollten durch die Gegend, in der die Dörfer standen, umgeleitet werden.

2. Was sagt Hermann L. im Text?
a) Er durfte sich nie bei RWE beschweren, weil er dort arbeitete.
b) Er findet es toll, was für schöne Landschaften RWE erschaffen hat.
c) Ihm hat der Kohleabbau in der Gegend nur Vorteile und keine Nachteile gebracht.

3. Welche Aussage steht im Text?
a) Heute wird in dem Tagebau keine Kohle mehr abgebaut.
b) Es dauert bis zum Jahre 2050, bis der See mit Wasser gefüllt ist.
c) Der Binnensee wird erst Ende des Jahrhunderts fertig sein.

4. Wie lautet dieser Satz im Aktiv? „Die Dörfer wurden von RWE dem Erdboden gleichgemacht.“
a) Die Dörfer haben RWE dem Erdboden gleichgemacht.
b) RWE hat die Dörfer dem Erdboden gleichgemacht.
c) RWE wird die Dörfer dem Erdboden gleichmachen.

5. Wie lautet dieser Satz im Passiv? „RWE baut einen riesigen Landschaftspark für Radfahrer und Wanderer.“
a) Für Radfahrer und Wanderer wird ein riesiger Landschaftspark gebaut.
b) Radfahrer und Wanderer werden einen riesigen Landschaftspark bauen.
c) RWE wird einen riesigen Landschaftspark für Radfahrer und Wanderer bauen.


Arbeitsauftrag
Hat ein Unternehmen eurer Meinung nach das Recht, große Landschaften und die Heimat vieler Menschen zu zerstören, um an Kohle zu kommen und die Bevölkerung mit Strom versorgen zu können? Welche Pflichten hat ein solches Unternehmen den Menschen und der Natur gegenüber?

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