Ein Museum für die deutsche Sprache | Deutschlehrer-Info | DW | 23.07.2020
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Deutschlehrer-Info

Ein Museum für die deutsche Sprache

Es ist die Sprache Johann Sebastian Bachs und Johann Wolfgang Goethes – und von derzeit rund 130 Millionen Muttersprachlern. Demnächst soll sie in dem weltweit einzigartigen "Forum Deutsche Sprache" erforscht werden.

Das Wort Deutsch liegt aus einzelnen Buchstaben zusammengesetzt mit weiteren Buchstaben auf einem Tisch, (picture-alliance/J.Kalaene)

Die deutsche Sprache liegt auf Platz elf der meistgesprochenen Sprachen weltweit

2013 kamen Berliner Linguisten auf 5,3 Millionen deutsche Wörter. 2017 ermittelte die Redaktion des Rechtschreibstandardwerks Duden, dass das aktuelle Deutsch fast 23 Millionen Wörter (nur Grundformen) umfasst – wobei der aktuelle Duden mit rund 145.000 Stichwörtern auskommt. Und ein Durchschnittssprecher nutzt sowieso nur 12.000 bis 16.000 Wörter. 

Auf jeden Fall genug Material für ein Museum. „Die deutsche Sprache gehört allen gemeinsam“, sagt Henning Lobin, Direktor des Mannheimer Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache (IDS). Von dem geplanten Forum Deutsche Sprache in Mannheim erhofft er sich „Strahlkraft“ für den gesamten deutschsprachigen Raum. Studien zufolge sind Deutsche ihrer Sprache gegenüber nämlich oftmals ziemlich gleichgültig eingestellt. Das soll sich mit dem Forum ändern: Es soll gleichzeitig offenes Museum, Begegnungsort und Forschungslabor sowie Dokumentationszentrum sein.

Henning Lobin, Direktor des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache (T. W. Klein)

IDS-Direktor Hennig Lobin freut sich auf das neue „Forum Deutsche Sprache“

Der Spatenstich für das Forum Deutsche Sprache ist im Jahr 2023 geplant. Bis dahin wird eifrig geplant und Material durchforstet, denn das neue Zentrum soll „der zentrale Ort sein, an dem die (deutsche) Sprache ausgestellt, diskutiert, erlebt, gesammelt, durchschaut und verstanden wird“, heißt es im Konzept des IDS. Das Institut treibt das Projekt mit finanzieller Hilfe der Klaus Tschira Stiftung voran.

Die Stiftung ist Bauherrin und will dem Leibniz-Institut das Gebäude inklusive der ersten Dauerausstellung schenken. Die Stadt Mannheim stellt ein Grundstück in unentgeltlicher Erbpacht zur Verfügung. Und vom Land Baden-Württemberg gibt es einen Zuschuss von rund 329.000 Euro.

Publikumsbeteiligung wird großgeschrieben

Im Unterschied zu den meisten anderen Museen werden die Besucherinnen und Besucher den Ausstellungsgegenstand – ihre eigene Sprache – in das neue Haus mitbringen. Deshalb wird die Beteiligung des Publikums großgeschrieben. Eine Idee sind „Sprachspenden“ – etwa Dialektaufnahmen – der Besucher als Grundlage für Forschungsprojekte über den gegenwärtigen Sprachgebrauch. Zudem sollen aktuelle Themen wie „Hatespeech“ im Internet aufgegriffen werden, heißt es. Geplant sind ferner Literaturlesungen und „Erlebnisbereiche“ für Kinder. Auch sprachwissenschaftliche Studien sollen gefördert und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterstützt werden.

Die geplante Dauerausstellung soll die individuellen Entwicklungsstufen der Sprache im Laufe eines Lebens nachzeichnen. Sie wird zeigen, wie der Mensch in und mit der Sprache lebt, vom Spracherwerb eines Säuglings bis zum vielfältigen Umgang mit Sprache bis ins Alter.

Dabei sollen individuelle Erfahrungen mit Sprache auf einer übergeordneten Ebene verbunden werden mit Sprachgeschichte, Sprachwandel und Sprache in sozialen Medien. Nach der Fertigstellung soll das neue Museum auch für Tagungen, Vorträge und Seminare zur Verfügung stehen.

suc/kle/war (dpa, epd, kna) 

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