Ein Lehrer (nicht nur) der Kirche | Kultur | DW | 14.09.2013
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Kultur

Ein Lehrer (nicht nur) der Kirche

Am 14. September ist der Tag des Heiligen Cyprian. Seine Ansichten haben die Kirche geprägt. Aber auch außerhalb der Kirche ist Cyprian bis heute wichtig. Christoph Ehricht erklärt für die evangelische Kirche, weshalb.

Column at the excavation site of the AntoninusPius Therms in Carthage ------ Wikipedia: gemeinfrei BishkekRocks Public domain I, the copyright holder of this work, hereby release it into the public domain. This applies worldwide. In case this is not legally possible: I grant anyone the right to use this work for any purpose, without any conditions, unless such conditions are required by law.

Die Ruinen von Karthago

Ein Bischof stellt sich der Verfolgung

Ein gelegentlicher Blick in den Namens- und Heiligenkalender ist anregend und hilft mir, wenn ich mich über die Traditionen besinnen will, die mich prägen und darüber, welche Orientierung ich aus ihnen gewinne. Heute zum Beispiel ist der Gedenktag an den Märtyrer Cyprian, der am 14. September 258 hingerichtet wurde. Seine Lebenszeit war geprägt von den schweren Verfolgungen, die die Christen im damaligen römischen Reich erdulden mussten. Christen galten den Regierenden als unzuverlässige Unruhestifter, weil sie sich der Vergöttlichung der kaiserlichen Macht widersetzten und auch auf anderen Gebieten nicht bereit waren, sich dem vorherrschenden Zeitgeist anzupassen. Sie sind Feinde der Menschheit – so tönte die römische Propaganda und so wurden die Verfolgungen begründet. Aber: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen – dieser biblische Grundsatz war für viele und auch für Cyprian selbstverständlich. Einer ersten Verfolgungswelle konnte er sich durch Flucht entziehen, jetzt aber, an diesem 14. September vor 1755 Jahren muss er das Martyrium erleiden, gemeinsam mit vielen anderen Frauen, Männern und Kindern.

Glaube und Vernunft brauchen sich gegenseitig

Cyprian war Bischof und Kirchenlehrer in Nordafrika, in der Gegend von Karthago im heutigen Marokko. Als einer der ersten hat er die lateinische Sprache für seine theologischen Werke genutzt. Die begriffliche Klarheit, die diese Sprache bietet und ihre grammatikalische Logik haben der christlichen Botschaft geholfen, die Grenze zwischen Glauben und Vernunft durchlässig zu halten. Ein sehr aktuelles Vermächtnis verbindet sich daher mit unserem heutigen Namenspatron. Glaube ohne Vernunft wird radikal oder weltfern, Vernunft ohne Glaube verliert das Maß.

Außerhalb einer Gemeinschaft gibt es keine Wahrheit

Berühmt wurde Cyprian durch einen oft zitierten und oft falsch verstandenen Satz. Ich sage ihn einmal in der lateinischen Muttersprache des Kirchenlehrers. „Extra ecclesiam salus non est.“ Außerhalb der Kirche gibt es kein Heil. So aus dem Zusammenhang gerissen ist es ein gefährlicher Satz. Er wurde gern missbraucht zur Begründung für Intoleranz, Unterdrückung und Verfolgung von Andersdenkenden oder vermeintlichen Ketzern. Übrigens keineswegs nur in der Kirche! Cyprian aber, das macht das Umfeld seiner Gedankenführung deutlich, Cyprian wollte in Erinnerung rufen, dass das Heil, die heilende Wahrheit der Bibel sich nur erschließt und entfaltet, wenn ich sie in der Gemeinschaft mit anderen suche und immer wieder überprüfe. Das finde ich ziemlich aktuell, nicht nur für Christinnen und Christen und nicht nur auf die Wahrheit der Bibel bezogen. Welche Abgründe tun sich auf, wenn jemand denkt, allein im Besitz der Wahrheit zu sein. Oder gar versucht, diese Wahrheit mit Gewalt durchzusetzen. Nicht nur die alte römische Geschichte liefert mehr als genug beklemmende Beispiele dafür. Wie gut gelingt auf der anderen Seite das Zusammenleben mit anderen, in der Familie, zwischen Völkern und Religionen, wenn wir die Wahrheit, das, was uns wichtig ist und was unser Leben trägt, gemeinsam mit ihnen suchen und überprüfen.

Pfarrer Christoph Ehricht, Greifswald

Pfarrer Christoph Ehricht

Zum Autor: Christoph Ehricht, Jahrgang 1950 studierte evangelische Theologie an der Universität Greifswald. Vier Jahre war er dann wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Kirchengeschichte in Greifswald. Nach einigen Jahren als Gemeindepfarrer in Gützkow war er später theologischer Dezernent im Konsistorium der pommerschen Kirche - in Greifswald. Dann verließ er diese Stadt für 3 Jahre und war von 1999 - 2002 Propst in St.Petersburg. Nach seiner Rückkehr nach Greifswald ist er dort wieder im Dienst der pommerschen Kirche, und zwar als Landespfarrer für Diakonie. Christoph Ehricht ist verheiratet, hat zwei Töchter und einen Enkel.

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