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E-Autos aus China: Der Kampf um Südamerikas Markt

Tobias Käufer Buenos Aires
30. Januar 2026

Während Chinas E-Auto-Offensive in Südamerika in vollem Gange ist, stehen die Europäer sich beim EU-Mercosur-Freihandelsvertrag noch immer selbst im Weg. Das Rennen um den Zukunftsmarkt ist eröffnet.

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Die Frontpartien eines BYD Dolphin und eines Tesla Model 3 vor einer Backsteinmauer auf einer Straße in Peking
BYD Dolphin und Tesla Model 3 - E-Autos aus China und den USA: Und wo bleiben die Europäer?Bild: Andy Wong/AP Photo/picture alliance

Jung, smart und zukunftsorientiert sind Philipe (23) und Carlos Alberto Andrade (26). Außerdem sind sie die Erben des brasilianischen Andrade-Autoimperiums CAOA.

Diese wurde 1979 von ihrem Vater Carlos Alberto de Oliveira Andrade gegründet - der Firmenname steht für die Initialen des Gründers. CAOA vertreibt verschiedene asiatische Automarken, darunter auch den chinesischen Autobauer Chery.

Die nachfolgende Generation stellt schon jetzt die Weichen für die Zukunft. Wie das Wirtschaftsmagazin International Valor jüngst berichtete, will der Konzern in diesem Jahr mit der Produktion von Fahrzeugen einer weiteren chinesischen Marke zu beginnen: Changan.

In dem Werk im zentralbrasilianischen Anápolis gelang es, die Produktion von 30.000 Wagen im Jahr 2023 im Folgejahr zu verdoppeln. Für das gerade zu Ende gegangene Jahr 2025 wird eine Steigerung auf 70.000 Fahrzeuge erwartet. Gearbeitet wird hier rund um die Uhr.

Ein großes Firmenzeichen von BYD vor der Fabrik im brasilianischen Bundesstaat Bahia
Der chinesische Autohersteller BYD unterhält im brasilianischen Bundesstaat Bahia bereits eine ProduktionseinheitBild: Raphael Muller/AP Photo/picture alliance

Das Unternehmen ist noch kein Gigant am Markt, aber es zeigt, dass die Dinge in Bewegung geraten. Ende 2030 wird jeder fünfte Neuwagen in Brasilien aus China stammen, berichtet die brasilianische Zeitung Estadão unter Berufung auf eine Studie von Bright.

Zum Vergleich: Deutsche Hersteller haben im ersten Halbjahr 2025 in Mercosur - konkret in Brasilien und Argentinien - 289.200 Pkw produziert, 18.400 Fahrzeuge wurde aus Europa in den Mercosur-Raum exportiert.

Argentinien erlebt historische Ankunft

Das gilt auch für Argentinien. Dort legte vor wenigen Tagen der chinesische Autofrachter "BYD Changzhou" an. Bis zu 7000 Fahrzeuge finden auf dem riesigen Schiff Platz, das speziell für den Transport der Autos aus chinesischer Produktion gebaut ist.

Insgesamt sind laut Medienberichten 5841 Fahrzeuge am wichtigsten Binnenhafen in der Provinz Buenos Aires angekommen, strategisch günstig gelegen am Fluss Paraná. Darunter nicht nur reine E-Fahrzeuge, sondern auch ein hybrides SUV-Modell.

BYD begann im vergangenen Jahr mit dem Vertrieb seiner Fahrzeuge in Argentinien, verzichtet dabei auf nationale Partner, sondern vertraut einer Tochtergesellschaft. Die Wertschöpfungskette bleibt also nahezu komplett in chinesischer Hand. 

E-Auto-Boom in Uruguay

Mittelfristiges Ziel ist der Export von 50.000 Autos pro Jahr. Das hat einen handfesten Hintergrund. Die Regierung des libertären Präsidenten Javier Milei liberalisierte den Markt für Hybrid- und Elektroautos Stück für Stück und setzte eine Quote von 50.000 Autos pro Jahrfest, für die kein 35-prozentiger Einfuhrzoll bezahlt werden muss. Das von der Regierung organisierte Programm könnte bis einschließlich 2029 laufen, damit könnten 250.000 Autos zollfrei ins Land eingeführt werden.

Staatsmänner und eine Frau vor den Fahnen der Mercosur-Staaten bei der Unterzeichnung des EU-Mercosur-Abkommens durch Uruguay
Uruguays Außenminister Mario Lubetkin unterzeichnet das Freihandelsabkommen für sein LandBild: Luis Robayo/AFP/Getty Images

Auch das Mercosur-Land Uruguay verzeichnet einen Boom beim Verkauf von Elektroautos: 147 Prozent Wachstum im Jahr 2025. Das berichtet der uruguayische Automobilverband ACAU, in dem 26 der größten Unternehmen der Automobilbranche vertreten sind, in seinem Jahresbericht.

Die Ankunft der chinesischen Fahrzeuge bedeutet den Beginn eines harten Wettbewerbs auf dem lateinamerikanischen Markt. Die europäischen Unternehmen hatten gehofft, dass durch den EU-Mercosur-Freihandelsvertrag ihre Position in den südamerikanischen Ländern Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay gestärkt werden könnte.

Handelsabkommen Mercosur: Steigender Druck auf die EU

Doch dann machte das EU-Parlament den Plänen vorläufig einen Strich durch die Rechnung und schickte das Abkommen zur rechtlichen Überprüfung an den Europäischen Gerichtshof. Zwar soll das Abkommen trotzdem erst einmal gelten, doch es bleibt ein rechtlicher Unsicherheitsfaktor und das Signal, dass Europa kein zuverlässiger Partner bei ausgehandelten Abkommen ist.

Zollabbau durch Freihandel

"Für die Automobilindustrie eröffnet ein EU-Mercosur-Abkommen erhebliche Chancen. Besonders bedeutsam ist der Abbau bislang hoher Zölle im Mercosur. Diese liegen derzeit bei 14 bis 18 Prozent auf Kfz-Teile und bei bis zu 35 Prozent auf Pkw. Gleichzeitig schaffen die Zollsenkungen der EU neue Exportmöglichkeiten für Mercosur-Länder und stärken deren wirtschaftliche Entwicklung", teilte ein Sprecher des Verbands der Automobilindustrie (VDA) der Deutschen Welle mit.

Der Pick-up Truck SHARK von BYD als Outdoor-Mobil - hier bei seiner Vorstellung in Mexiko-Stadt
Auch in Mexiko ist BYD längst angekommen, hier bei der Vorstellung des Pick-up Truck SHARKBild: IMAGO/Xinhua

Für die Entscheidung des EU-Parlaments hat der Verband wenig Verständnis. Der DW sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller: "Die Annahme der Resolution zur gerichtlichen Überprüfung des EU-Mercosur-Abkommens im Europäischen Parlament ist ein verheerendes Zeichen. Sie kann das Inkrafttreten des Abkommens nun erheblich, eventuell sogar um Jahre, verzögern." Die EU müsse rasch endgültige Klarheit über eine vorläufige Anwendung des Abkommens zu schaffen.

Deutschland hat viel zu verlieren

Laut VDA-Angaben gibt es derzeit 310 Standorte deutscher Automobilunternehmen in der Mercosur-Zone. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Zuliefererbetriebe mit lokalen Arbeitsplätzen.

Im Wettbewerb um den globalen Automarkt verschieben sich die Kräfteverhältnisse ähnlich schnell wie die geopolitischen Machtstrukturen. Der Kampf um die beiden größten südamerikanischen Märkte ist eröffnet.