DW-Reporterin bei Live-Sendung sexuell belästigt | FIFA WM 2018 in Russland | DW | 19.06.2018
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WM 2018

DW-Reporterin bei Live-Sendung sexuell belästigt

Ein Unbekannter hat die DW-Reporterin Julieth González Therán vor laufender Kamera geküsst und begrapscht - kein Einzelfall bei der WM. "Das ist nicht zu akzeptieren", meint Bundesliga-Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus.

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Unbekannter belästigt DW-Reporterin

Es geschah blitzschnell: DW-Reporterin Julieth González Therán berichtet live für die spanischen Nachrichten von der WM aus Moskau, als ein Mann ihr überfallartig einen Kuss auf die Wange drückt und an die Brust greift. Nach einer Schrecksekunde spricht sie weiter in die Kamera, der Mann ist schon wieder in der Menge untergetaucht. Im Video ist der Vorfall ab Sekunde 13 zu sehen.

"Ich war schon seit zwei Stunden an dem Ort, um die Übertragung vorzubereiten und es war nichts passiert", erzählt González Therán. "Als wir dann live auf Sendung waren, hat dieser Fan das ausgenutzt. Danach habe ich geschaut, ob er noch da war, aber er war verschwunden."

Für Bibiana Steinhaus, Deutschlands erste Bundesliga-Schiedsrichterin, ist solch ein Verhalten nicht neu: "Ich fühle mit Ihrer Kollegin, denn derlei Übergriffe hat es in der Vergangenheit ja tatsächlich öfter gegeben", so Steinhaus im Gespräch mit der DW. Ihr selbst seien "solche oder auch nur ähnliche frauenfeindliche Dinge nicht widerfahren". Für Steinhaus ist klar: "Ein derartiges Verhalten ist nicht zu akzeptieren."

Besondere Herausforderung Sport

TV-Reporter sind auf sportliche Großveranstaltungen wie die Fußball-WM vorbereitet. Internationale Nachrichtensender bereiten ihre Teams auf solche Situationen mit speziellen Trainings vor. Auch die DW hat ihre Reporterinnen und Reporter im Vorfeld der WM über mögliche Risiken aufgeklärt und für Gefahren sensibilisiert. Dennoch ist die Belästigung der DW-Reporterin kein Einzelfall bei der WM in Russland. Auch die ESPN-Reporterin Agos Larocca wurde in Nischni Nowgorod während einer Liveschalte bedrängt: Ein isländischer Fan näherte sich ihr von hinten und küsste sie. Auch argentinische Fans bedrängten eine Reporterin.

Die attackierte DW-Journalistin González Therán sieht das Problem vor allem im Macho-dominierten Umfeld des Sports, speziell des Fußballs: "Viele meinen, die Reporterin sei nur da, um etwas Farbe ins Bild zu bringen. Aber wir wollen über Spielsysteme und Strategie sprechen." Die einschlägigen Schmähungen im Internet gegen die deutsche Journalistin Claudia Neumann, die für das ZDF WM-Spiele kommentiert, würden das deutlich zeigen: "Den Männern fehlt es an Respekt in vielen Bereichen."

Ähnliche Fälle, unterschiedliche Reaktionen

Ein ähnlicher Fall wie der von González Therán ereignete sich Ende April am Rande eines Fußballspiels in Mexiko. Auch er ist in einem Webvideo dokumentiert: Die Reporterin Maria Fernanda Mora wird während einer Live-Schalte für den Fernsehsender Fox Sports von feiernden Fans umringt und bedrängt. Professionell beendet sie ihren Bericht. Als sie glaubt, nicht mehr auf Sendung zu sein, dreht sie sich um und wehrt sich mit ihrem Mikrofon. Der Zuspruch aus dem Netz war groß.

Anders im Fall der DW-Reporterin: Viele Kommentatoren auf der Facebookseite von DW Español bezeichnen das, was González Therán widerfahren ist, als Bagatelle. "Ein einfaches Küsschen auf die Wange, und schon tunt sie, als hätten sie es mit einem Vergewaltiger zu tun", lautet ein Kommentar, der den Tenor vieler widerspiegelt.

Ihren eigenen Fall nimmt González Therán gefasst: "Für mich ist es ein Einzelfall. Es gibt immer Fans, die einem ein Kompliment zurufen und sich respektvoll verhalten. Der hier hat übertrieben." Worauf es ihr ankommt, ist die Sache an sich: "Wir müssen das Problem klar benennen."

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Mann entschuldigt sich bei DW-Reporterin für Übergriff

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