Dubai: Flucht vor dem Emir | Nahost | DW | 01.07.2019
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Menschenrechte

Dubai: Flucht vor dem Emir

Prinzessin Haya, eine von mehreren Ehefrauen des Herrschers von Dubai, Scheich Al Maktoum, hat sich offenbar nach Großbritannien abgesetzt. Vor ihr hatten bereits zwei Töchter des Herrschers zu fliehen versucht.

VAE Prinzessin Haya bint al-Hussein mit Ehemann Prinz Mohammed bin Raschid al Maktoum (picture-alliance/dpa/A. Haider)

Prinzessin Haya bint al-Hussein mit Mohammed bin Rashid Al Maktoum in Dubai

Die englische Presse meldet es seit Tagen: Prinzessin Haya, eine der Ehefrauen des Emirs von Dubai, Mohammed bin Rashid Al Maktoum, soll aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) geflohen sein. Unbestätigten Medienberichten zufolge hat sie in Deutschland Asyl beantragt, hält sich derzeit aber in Großbritannien auf. Ihre Flucht soll sie mit Hilfe eines deutschen Diplomaten organisiert haben.

Die Sprecherin des Auswärtigen Amts, Maria Adebahr, erklärte in der Regierungspressekonferenz am Montag, sie könne entsprechende Berichte nicht bestätigen. "Uns liegen zu diesem in der Presse berichteten Sachverhalt keine Informationen vor", so Adebahr. Ähnlich äußerte sich Björn Grünewälder, Sprecher des Bundesinnenministeriums. Auch dem Innenministerium lägen keine entsprechenden Informationen vor, erklärt er.

Lebensweg einer Prinzessin

Es gibt aber auch anderslautende Informationen. Der Anwalt David Haigh ist Aktivist der Gruppe "Free Latifa", die sich für die Freiheit von Latifa Maktoum, einer der Töchter von Scheich Maktoum, einsetzt. Er selbst hatte auf der Grundlage von Betrugsvorwürfen mehrere Monate in Haft in einem Gefängnis in Dubai verbracht. Haigh erklärt, er sei während der Haft gefoltert und missbraucht worden. Haigh und sein Team hätten "aus mehreren glaubwürdigen Quellen" erfahren, dass Prinzessin Haya sich in Großbritannien aufhalte, erklärte er an diesem Montag gegenüber der DW: "Dies wird auch durch Erklärungen von Human Rights Watch bekräftigt."

Haya bint al-Hussein Prinzessin von Jordanien (picture-alliance/Xinhua/L. Muzi)

Politikwissenschaftlerin und Sportlerin: Prinzessin Haya bint al-Hussein

Prinzessin Haya bint al-Hussein ist eine Tochter des 1999 verstorbenen Königs von Jordanien, Hussein I. Zugleich ist sie die jüngere Halbschwester des derzeitigen jordanischen Königs Abdullah II. Im Jahr 2004 heiratete sie den Emir von Dubai. Prinzessin Hayat studierte an der Universität Oxford, dort erwarb sie den Masterabschluss in Politikwissenschaften, Philosophie und Wirtschaft. Sie ist zudem eine passionierte Sportlerin. Im Jahr 2000 vertrat sie Jordanien bei den Olympischen Spielen in Sydney als Springreiterin.

Töchter auf der Flucht vor dem Vater

Sollte Haya tatsächlich geflohen sein, wäre sie nicht die erste Frau aus dem Umfeld des Emirs, die das versuchte. Im August 2000 floh Scheich Maktoums Tochter Shamsa vom Grundstück ihres Vaters in der Grafschaft Surrey im Südosten Englands. Einige Wochen später wurde sie in Cambridge entführt und am nächsten Tag offenbar nach Dubai geflogen. Dort verbrachte sie acht Jahre im Gefängnis.

Im März vergangenen Jahres versuchte Maktoums Tochter Latifa zu fliehen. Einer im vergangenen Jahre ausgestrahlten Dokumentation der BBC zufolge plante die junge Frau ihre Flucht sieben Jahre lang. Sie vertraute sich einem französisch-US-amerikanischen Geschäftsmann an, der sie auf seinem Boot nach Indien bringen sollte. Doch kurz bevor dieses das indische Festland erreichte, wurde es von der indischen Küstenwache aufgegriffen.

Video ansehen 04:00

Sorge um vermisste Prinzessin von Dubai

Während der Franzose und eine weitere finnische Fluchthelferin nach einer Weile wieder frei kamen, verlor sich Latifas Spur zunächst. In einem vorab gedrehten, inzwischen über drei Millionen Mal geklickten Video, berichtete sie von ihrem Leben am Hof: Jede Menge Luxus, aber keinerlei Freiheit.

Als sie gegen das System aufbegehrte, sei sie gefoltert und unter Drogen gesetzt worden, so die Prinzessin in dem Video. Nach einem ersten Fluchtversuch im Alter von 16 Jahren sei sie immer wieder geschlagen, eingesperrt und unter Drogen gesetzt worden. Ähnliches habe auch ihre ältere Schwester Shamsa nach ihrer Flucht erdulden müssen. Shamsa werde nun gezwungen, Tabletten zu nehmen, "die einen zum Zombie machen" und werde rund um die Uhr bewacht.

Der umstrittene Aufenthalt von Mary Robinson in Dubai

Im Dezember 2018 veröffentlichte die staatliche Nachrichtenagentur WAM zwei Fotos. Sie zeigen Prinzessin Latifa im Beisein der früheren UN-Hochkommissarin für Menschenrechte und einstigen Präsidentin Irlands, Mary Robinson. Sie ist dem Scheich offenbar in lockerer Freundschaft verbunden. Die Fotos bewiesen zwar, dass Latifa lebt. Doch machte die junge Frau auf den Fotos einen abwesenden Eindruck. 

VAE Sheikha Latifa bint Mohammed Al Maktoum mit der ehem. irische Präsidentin Mary Robinson (picture-alliance/AP Photo/United Arab Emirates Ministry of Foreign Affairs and International Cooperation )

Prinzessin Latifa nach ihrer Flucht, hier in Gegenwart der ehemaligen UN-Menschenrechtskommissarin Mary Robinson

Auf diese Bilder spielt nun auch David Haigh gegenüber der DW an. Der Menschenrechtsanwalt hält Robinsons Reise nach Dubai für einen Fehler, da sie vor allem dazu beigetragen habe, das Herrschaftssystem zu legitimieren. Mit Blick auf die mutmaßliche Flucht von Prinzessin Haya sagte Haigh: "Die jüngste schockierende Entwicklung bietet Mary Robinson eine einmalige Gelegenheit, ihre stark kritisierte Reise nach Dubai im vergangenen Dezember wiedergutzumachen." Sie müsse dafür nur erklären, dass sie damals getäuscht worden sei. 

Der Scheich als Dichter

Scheich Makhtoum hat sich zum Verschwinden seiner Frau bislang nicht geäußert. Allerdings findet sich auf seinem verifizierten Instagram-Account ein Gedicht, das sich auch als Auseinandersetzung mit dem Verschwinden seiner Frau lesen lässt. 

Muhammad bin Raschid Al Maktum (picture alliance/Photoshot)

Auch als Dichter aktiv: Emir Mohammed bin Rashid Al Maktoum

"Du hast gelebt und bist gestorben" lautet der Titel. Darin heißt es unter anderem (übersetzt von DW Arabisch):

"Manchen Fehler nennt man Untreue / Du hast deine Grenzen überschritten und warst illoyal

Du hast mein Vertrauen missbraucht / Deine Spielchen habe ich durchblickt

Mit deinen Taten dachtest du mich zu beleidigen / Stattdessen hast du dich unwürdig aufgeführt

Dein teuflisches Verhalten wird dir nichts nützen / Für mich ist es gleichgültig, ob du tot bist oder lebst."

Drei Frauen sind vor dem Verfasser dieser Zeilen geflohen. Ihre Sichtweise steht noch aus. 

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