Dschibuti baut Afrikas größte Freihandelszone | Afrika | DW | 11.07.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Afrika

Dschibuti baut Afrikas größte Freihandelszone

Dschibuti will zum weltweiten Logistik-Zentrum werden. Mit chinesischer Hilfe baut es gerade die größte Sonderwirtschaftszone Afrikas. Doch die ambitionierten Pläne bergen auch Risiken.

Großer Tag für das kleine Dschibuti: "Wir wollen ein weltweites Produktions- und Exportzentrum werden. Das Eingangstor für ganz Afrika!", verkündete ein stolzer Präsident Ismail Omar Guelleh vergangenen Donnerstag. Vorher hatte er die neue Sonderwirtschaftszone eingeweiht. Erstmal besteht die nur aus einem 240 Hektar großen Gebiet, auf dem sich ausländische Firmen ansiedeln können. In zehn Jahren soll sie fertig sein und dann 4800 Hektar umfassen - damit wäre sie die größte Sonderwirtschaftszone Afrikas.

Hinter dem Mammutprojekt stehen chinesische Firmen - und chinesisches Geld. Es ist Teil der "Neuen Seidenstraße". Mit diesem Netzwerk aus Häfen und Industrieparks will China neue Märkte erschließen. Dschibuti passt da gut ins Bild: Die kleine Nation liegt an der wichtigsten Seeroute im Europa-Asien-Handel. 3,5 Milliarden US-Dollar soll die neue Freihandelszone kosten - 60 Prozent der Anteile hält Dschbutis staatlicher Hafenbetreiber, drei chinesische Firmen den Rest. "China profitiert davon enorm, durch die Freihandelszone entstehen neue Marktchancen für chinesische Firmen", sagt der äthiopische Wirtschaftsforscher Gideon Jalata im DW-Interview.

Container im Hafen von Dschibuti (Getty Images/AFP/S. Maina)

Dschibuti liegt an einer der wichtigsten Seefahrtsrouten der Welt

Und das ohne große Kosten. Unternehmen, die sich in der Zone ansiedeln, zahlen weder Mehrwert- noch Gewinnsteuern. Dschibutis Regierung will dabei nicht nur chinesische Firmen anziehen. Sogar auf YouTube steht schon ein Werbefilm, der sich an internationale Investoren wendet. "Es ist zu begrüßen, dass China hier aktiv geworden ist", sagt Stefan Liebing, Vorsitzender des Afrikavereins der deutschen Wirtschaft, im DW-Interview. "Es ist durchaus etwas, was auch einzelne deutsche Firmen interessieren könnte, weil Dschibuti ein wichtiges Nadelöhr ist, was die Hafeninfrastruktur betrifft und alle Importe nach Äthiopien und in andere Staaten darüber laufen."

Hoffnung auf Job-Boom

Doch wird auch Dschibuti von der neuen Zone etwas haben? Ja, glaubt Experte Jalata: "Chinesische Firmen werden in der Freihandelszone operieren. Das wird die Handelsbeziehungen der Länder in der Region mit China stärken und ihre Abhängigkeit vom Westen reduzieren. Und Handel ist schließlich der Motor für wirtschaftliche Entwicklung" sagt er. Äthiopien beispielsweise, das keinen Meerzugang hat, wickelt einen Großteil des Warenverkehrs über die Häfen des Nachbarlandes ab. Seit Januar ist die neue Eisenbahnstrecke zwischen beiden Ländern in Betrieb: 752 Kilometer lang, vier Millionen Tonnen Fracht pro Jahr sollen die Züge transportieren.

Dschibutis Präsident Ismail Omar Guelleh gibt bei den Wahlen 2016 seine Stimme ab (Getty Images/AFP/H.-I. Hersi)

Dschibutis Präsident Guelleh gilt als autoritär

Dschibutis Regierung hofft, dass die eigene Bevölkerung profitieren wird. "Sie wird neue Jobmöglichkeiten für die Menschen Dschibutis schaffen", sagte Hafenchef Abubaker Omar Hadi zur Eröffnung. 350.000 Arbeitsplätze sollen es am Ende sein. Angesichts der Arbeitslosigkeit von fast 40 Prozent werden sie dringend gebraucht. In den ersten Jahren dürfen maximal 70 Prozent der Arbeitskräfte in der Freihandelszone aus dem Ausland kommen. Danach soll ihr Anteil auf 30 Prozent sinken.

Doch ob die Freihandelszone zu einem Jobwunder in Dschibuti führen wird, ist noch offen. Zwar empfiehlt das chinesische Handelsministerium in einem "Leitfaden für ausländische Investitionen in Dschibuti" lokale Arbeitsplätze zu schaffen. Doch chinesische Firmen stehen in dem Ruf, dass sie ihre Arbeitskräfte am liebsten aus China mitbringen. "Afrikanische Staaten müssen gut verhandeln, so dass die lokale Bevölkerung eingestellt wird und auch ein echter Technologie-Transfer stattfindet", sagt Gidoen Jalata. Im Fall Dschibuti könnte das schwierig werden: Das Bildungsniveau ist niedrig, viele Bürger können keine hochqualifizierten Jobs ausüben: Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF besuchen nur 62 Prozent aller Jungen und 56 Prozent aller Mädchen die Grundschule.

Dschibutis Verschuldung steigt

Das Projekt birgt noch ein anderes großes Risiko: Den Ausbau seiner Infrastruktur finanziert Dschibuti zum größten Teil über chinesische Kredite. Vergangenes Jahr warnte der Internationale Währungsfonds: Die öffentliche Verschuldung Dschibutis sei in nur zwei Jahren von 50 auf 85 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen. "Wir machen uns wegen unserer Schulden keine Sorgen. Nicht die Steuerzahler müssen sie zurückzahlen, sondern alle, die unsere Dienstleistungen in Anspruch nehmen: Die Schiffe und die Händler", sagte Hafenchef Hadi der Nachrichtenagentur AFP. Wenn aber Händler und Firmen ausbleiben, etwa weil die Weltwirtschaft lahmt, könnte das  schwierig werden.

Video ansehen 02:12
Jetzt live
02:12 Min.

Kleines Land eröffnet größte Freihandelszone Afrikas

Und noch eins unterstreicht Wirtschaftsexperte Jalata: Mit der Finanzierung der Sonderwirtschaftszone will sich China auch politischen Einfluss in der Region sichern. Aufgrund der strategisch günstigen Lage unterhalten die USA, Frankreich und auch China bereits Militärstützpunkte in Dschibuti. "China versucht, von den jeweiligen Regierungen auch immer Unterstützungen im Sinne von Diplomatie und im Sinne der Weiterverbreitung der chinesischen Vorstellung von Menschenrechten zu erhalten", so Jalata. Das dürfte in Dschibuti nicht so schwer sein: Menschenrechtsorganisationen kritisieren schon lange die autoritäre Regierung von Präsident Guelleh, bei den letzten Wahlen trat die Opposition erst gar nicht an.

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema