Drohnen, Raketen, Cyberangriffe: Iranisch-israelischer Schattenkrieg | Asien | DW | 16.03.2022
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Iranisch-israelischer Konflikt

Drohnen, Raketen, Cyberangriffe: Iranisch-israelischer Schattenkrieg

Der Schattenkrieg zwischen Iran und Israel wird intensiver: Durch Cyberattacken und Luftangriffe. Auch Iraks autonomes Kurdengebiet ist betroffen.

Iran Teheran | Präsentation neue Drohne Gaza

Präsentation der Dohne "Gaza" im Mai 2021 in iranischen Medien

Es sei die größte Cyberattacke in der Geschichte Israels gewesen, erklärte ein Vertreter des israelischen Verteidigungsministeriums gegenüber der Zeitung "Haaretz" am Montagabend. Einige Stunden zuvor waren zahlreiche israelische Websites angegriffen worden. Betroffen waren nach Angaben der israelischen Regierung vor allem Regierungswebsites mit der Endung gov.il. Die Webserver wurden anscheinend mit so vielen Anfragen überschüttet, dass sie diese nicht mehr bedienen konnten, eine sogenannte D-DoS Attacke, Distributed Denial of Service. Der Angriff dauerte etwa eine Stunde. Einige Webseiten waren laut der nationalen Cyber-Behörde Israels für eine kurze Zeit nicht mehr abrufbar gewesen. Israelische Medien haben den Iran im Verdacht, hinter der Attacke zu stehen.

Die Revolutionsgarden unterhalten auch eine Cyber-Armee

Die Revolutionsgarden unterhalten eine Cyber-Armee

Kurz vor dem Angriff hatte das staatliche iranische Fernsehen berichtet, Sicherheitskräfte hätten einen Sabotageakt auf die unterirdische iranische Urananreicherungsanlage Fordo vereitelt. Der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad habe ein Netzwerk von Agenten rekrutiert, mehrere Personen seien festgenommen worden. Mossad-Agenten hätten versucht, in die durch Flugabwehrstellungen gesicherte Anlage einzudringen und die modernen Zentrifugen vom Typ IR-6 zu sabotieren, so der Sender.

Serie von Vergeltungsangriffen 

In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Cyberangriffe auf iranische Atomanlagen gegeben, für die der Iran stets Israel verantwortlich gemacht hatte. Die israelische Regierung behauptet, dass der Iran an einem geheimen Atomwaffenprogramm arbeite und Israel das primäre Ziel einer iranischen Atombombe sei. Teheran dagegen behauptet, dass das iranische Programm friedlich sei. Nur einen Tag vorher, am Sonntag, hatte sich der Iran zu einem Raketenangriff auf die Kurdenhauptstadt Erbil bekannt. Das Ziel sei laut den iranischen Revolutionsgarden eine israelische Geheimdienstbasis gewesen. 

Dieser Angriff wiederum wurde als Vergeltungsakt für mutmaßliche israelische Angriffe in Syrien eine Woche zuvor gewertet. Dabei wurden zwei Offiziere der iranischen Revolutionsgarden getötet. "Es war viel mehr als das", sagt Iran-Experte Sina Azodi von der Washingtoner Denkfabrik Atlantic Council im DW-Interview. Azodi weist auf Berichte hin, die diese Woche sowohl in israelischen als auch in arabischen Medien erschienen sind. Demnach habe Israel im Februar einen Drohnenangriff auf einen Luftwaffenstützpunkt im Westen Irans durchgeführt und dabei eine große Zahl von Drohnen der iranischen Luftwaffe zerstört. Die angreifenden Drohnen seien diesen Berichten zufolge vom irakischen Kurdistan aus gestartet worden. Das Autonomiegebiet Kurdistan unterhält gute Beziehungen zu Israel.

Irak | Raketenangriff auf Erbil

Das Gebäude im Autonomiegebiet Kurdistan nach dem Raketenangriff

"Eine Zusammenarbeit mit dem 'Erzfeind' Israel direkt in Irans Nachbarschaft würden die Revolutionsgarden am liebsten im Keim ersticken", analysiert der Experte Azodi. "Für sie ist es wichtig zu zeigen, dass sie bereit sind, ihre Raketen einzusetzen, wann auch immer sie sich bedroht fühlen. Auch wenn sie damit die Souveränität des Iraks verletzen und viele Menschen im Irak massiv verärgern. Der Angriff auf Erbil sah eher wie eine Warnung aus und war so geplant, dass er wenig Schaden angerichtet hat. Ein leeres Gebäude wurde beschossen. Aber mit ihrem Angriff gehen die Revolutionsgarden das Risiko ein, sich im Irak unbeliebter zu machen und langfristig an Einfluss im Nachbarland zu verlieren."

Washington will Erbil bei Raketenabwehr helfen

Der irakische Ministerpräsident Mustafa al-Kasimi erklärte auf Twitter, bei dem Beschuss handele es sich um einen Angriff auf die Sicherheit des irakischen Volkes. Der Präsident der kurdischen Autonomiegebiete, Masrur Barsani, sprach von einem "Terrorangriff".

"Es ist beängstigend und gefährlich, dass der Iran uns so angreift und dabei das kurdische Autonomiegebiet schwächt", sagt der kurdischstämmige stellvertretende Sprecher des irakischen Parlaments, Shakhwan Abdullah, im Gespräch mit der DW. "Es gibt keine israelischen Einrichtungen im Autonomiegebiet Kurdistan. Solche Angriffe werden regionale und internationale Folgen für den Iran haben." Joe Bidens Nationaler Sicherheitsberater Jake Sullivan verurteilte den Angriff. Die USA seien im Gespräch sowohl mit der irakischen Regierung und der in Erbil, "zum Teil, um ihnen zu helfen, Fähigkeiten zur Raketenabwehr zu erlangen, um sich und ihre Städte zu verteidigen", sagte Sullivan.

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