Drohnen im Katastropheneinsatz | Asien | DW | 29.12.2013
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Asien

Drohnen im Katastropheneinsatz

Drohnen? Krieg und Überwachung, werden viele denken. Dabei können die unbemannten Fluggeräte auch bei humanitären Einsätzen helfen, wie Katastrophenhelfer nach dem Taifun auf den Philippinen zeigen.

Mark Rösens ganzer Stolz wiegt rund zwei Kilo, kreist bis zu 20 Minuten in der Luft und trägt den kryptischen Namen "AscTec Falcon 8". Was auf dem ersten Blick aussieht wie ein Modelflug-Hubschrauber, entpuppt sich als Hightech-Drohne der deutschen Firma Ascending Technologies - ausgestattet mit acht Propellern, einem GPS-Tracker und einer hochauflösenden Kamera.

Seit vielen Jahren arbeitet Rösen für die deutsche Hilfsorganisation I.S.A.R. (International Search and Rescue) Germany als Katastrophenhelfer. Für den Einsatz auf den Philippinen hat Rösen zum ersten Mal die AscTec Falcon 8-Drohne, die die Firma Ascending Technologies gratis zur Verfügung gestellt hatte, als Krisenhelfer eingesetzt. "Mit der Drohne konnten wir die Gegend von oben abfilmen und gucken, ob die Straßen frei sind. Wir mussten niemanden mehr vorschicken, der die Straße abfährt", sagt Rösen. Für sein Team eine große Erleichterung, denn die Erkundung einer Krisenregion kann ohne aktuelles Bildmaterial sehr riskant und zeitaufwändig sein.

Kartenmaterial in Echtzeit

Die Drohne AscTex Falcon 8 der Firma Ascending Technologies

Die Drohne AscTex Falcon 8 der Firma Ascending Technologies

I.S.A.R. Germany hat sich auf die Suche und Rettung von Opfern spezialisiert. Das Team steht bei Einstürzen, Explosionen, Erdbeben oder Flut- und Sturmkatastrophen auf Abruf bereit, um weltweit sofort Hilfe zu leisten. Für den Kriseneinsatz auf den Philippinen war das Team um Rösen vor allem für die medizinische Versorgung der Opfer zuständig. Seine Organisation schickte Ende November zwei Gruppen von insgesamt 39 Ärzten, Sanitätern und Helfern nach Palo, eine Stadt rund zehn Kilometer südlich von Tacloban. Über 2400 Menschen konnten Rösen und sein Team in einem Zeitraum von knapp zwei Wochen behandeln.

Bei der Rettung von Menschenleben zählt jede Minute. Doch laut Rösen stehen offizielle Satellitenbilder der betroffenen Region oft viel zu spät zur Verfügung. Ganz anders bei dem Einsatz der Drohne: "Sie können die Drohne aufsteigen lassen und erhalten innerhalb kürzester Zeit topaktuelle Bilder. Bis ein Satellit umgestellt wird, dauert es oft einige Stunden", erklärt Rösen. Die Drohne hingegen überträgt per Funk in Sekundenschnelle Bilder in die Bodenstation. Die Bilder seien meist auch schärfer als Satellitenbilder, da diese oft von einer größeren Entfernung aus gemacht würden. Bei einer Auflösung von 24 Megapixeln seien die Bilder der Drohne so detailreich, dass darauf sogar Autokennzeichen erkennbar seien, ergänzt Rösen.

Luftaufnahme aus Palo, Philippinen

Per Fernsteuerung wird ein Foto an eine Bodenstation gesendet

Datenabgleich mit Google Maps

Die von der Drohne aufgezeichneten Luftfotos übertrugen Rösen und seine Kollegen dann auf einen Computer, mit dem sie die eigenen Aufnahmen über die Karten von Google Maps legten und abglichen. Mithilfe von Koordinaten konnten sie dann die Einsatzgebiete schnell vergeben und an andere Hilfsorganisationen weiterleiten.

So konnte das Team schnell entscheiden, wo der günstigste Platz für das Feldlazarett liegt, um die Opfer des Taifuns behandeln zu können. Aufgrund der Luftbilder entschieden sie sich für einen Platz direkt neben der kaum zerstörten Kathedrale im Zentrum von Palo, die gut für die Bewohner der Stadt zu erreichen war.

Direkter Einsatz ohne Freigabe

Nicht nur der schnelle Zugriff auf hochauflösende Bilder ist von Vorteil. Mit einem eigenen Luftfahrzeug kann auch eine bürokratische Hürde umgangen werden: "Man kann die Drohne direkt einsetzen, ohne von irgendjemandem eine Freigabe zu brauchen. Und nach einem Tag Schulung durch unsere Trainer ist jeder in der Lage, sie souverän zu steuern", erklärt Matthias Beldzik, Marketingmanager der Herstellerfirma Ascending Technologies, die sich auf Luftfoto- und Videografie spezialisiert hat.

Der AscTec Falcon 8 könne Windstärken bis zu 10 Meter pro Sekunde standhalten, sagt Beldzik. Bei Regenwetter hingegen stößt auch die Hightech-Drohne an ihre Grenzen: "Wenn es stark regnet und wenn die Kamera filmt, dann wird die Linse nass und die Rotorblätter verwirbeln die Regentropfen zusätzlich und verschlechtern so die Sicht", sagt Rösen.

Leichensuche mit Wärmebildkamera

Nach einem Tag Schulung durch die Herstellerfirma Ascending Technologies können Mark Rösen und sein Team die Drohne selbst bedienen

Nach einem Tag Schulung können Mark Rösen und sein Team die Drohne selbst bedienen

Auch die Schweizer Firma Danoffice IT hat speziell für den Aufklärungseinsatz auf den Philippinen zwei Fluggeräte zur Verfügung gestellt. Ingenieur Liam Dawson von Danoffice IT reiste mit zwei Exemplaren der Drohne "Huginn X1" Ende November auf die Philippinen, um Hilfsorganisationen vor Ort zu unterstützen. Dabei war vor allem eine spezielle Funktion nützlich: "An unserer Drohne ist eine Wärmebildkamera installiert. Diese Kamera kann uns dabei helfen, lebende Menschen, die noch in den Trümmern liegen, aufzuspüren", sagt Dawson.

Die Drohne zeigte sich auch bei der Bergung von Leichen als große Unterstützung. "Nach dem Taifun schwammen immer noch viele Leichen im Meer. Mithilfe der Drohne konnten wir diese schnell ausfindig machen", so Dawson.

Hoher Preis für ein kleines Gerät

So nützlich die Drohnen auch sein mögen, der Preis für die fliegenden Helfer ist hoch: Während der AscTec Falcon 8 der Firma Ascending Technologies rund 23.000 Euro kostet, muss man für den Vierpropeller Huginn X1 der Firma Danoffice IT umgerechnet rund 36.000 Euro ausgeben. Dafür hat der robustere Huginn X1 aber auch eine Reichweite von bis zu zehn Kilometern, während der AscTex Falcon 8 nur auf wenige Kilometer kommt. Außerdem kann der Huginn X1 in einer Höhe von über 3000 Metern fliegen und wiegt nur etwa halb so viel wie die Drohne der Firma Ascending Technologies.

Ingenieur Dawson verteidigt den hohen Preis: "Mit der Drohne kann man viel Zeit sparen und sie kann einem viel Arbeit abnehmen. Dadurch wird es möglich, die Helfer vor Ort für andere Tätigkeiten einzusetzen." Auch Rösen will nicht mehr auf den Helfer aus der Luft verzichten: "Das wird unser festes Einsatzmittel bleiben. Wir werden die Drohne in Zukunft in jedes Einsatzgebiet mitnehmen."

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