Drei Bergleute in Thüringer Schacht umgekommen | Aktuell Deutschland | DW | 02.10.2013
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Aktuell Deutschland

Drei Bergleute in Thüringer Schacht umgekommen

Der plötzliche Ausbruch von Kohlendioxid war tödlich: Bei einen Unglück in einem Kali-Bergwerk in Thüringen sind drei Bergmänner ums Leben gekommen. Vier weitere Kumpel hatten Glück und konnten sich rechtzeitig retten.

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Bergleute verschüttet

Der Auslöser für das tragische Unglück in einem Schacht in Unterbreizbach in Thüringen war eine kontrollierte Sprengung in rund 900 Meter Tiefe. Dadurch wurde explosionsartig eine große Menge Kohlendioxid freigesetzt und eine mächtige Druckwelle ausgelöst. Das Gas gelangte in den etwas höher gelegenen Schacht und bis an die Oberfläche. Die sieben Bergarbeiter wurden überrascht, als sie einen Stollen nach der Sprengung routinemäßig kontrollieren wollten.

Wie genau die drei Bergleute im Alter von 24, 50 und 56 Jahren zu Tode kamen, war zunächst unklar. Ein Werkssprecher sagte jedoch, die Kumpel seien wahrscheinlich erstickt. Zwei Bergleute konnten den Schacht noch rechtzeitig verlassen. Zwei weitere Kumpel flüchteten sich zunächst in eine Sicherheitskammer, von wo aus sie über Tage gelangten. Zwei der vier Geretteten wurden ärztlich betreut.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Die drei Todesopfer seien "einige Kilometer entfernt" vom Ort des Gasausbruchs in der Nähe des Schachts gefunden worden, sagte eine Sprecherin des Kali-Standortes. Die Toten wurden noch am Abend geborgen. Die Staatsanwaltschaft und das zuständige Bergamt nahmen Ermittlungen auf.

Wie die Betreiberfirma K+S Kali GmbH in Kassel mitteilte, wurden die Bergwerke Unterbreizbach und Merkers sowie der Bereich rund um die Schachtanlagen vorsorglich evakuiert. Alle Betriebsfeuerwehren waren im Einsatz. Die Verarbeitungsanlagen über Tage blieben unversehrt.

Der Firmensprecher Ulrich Göbel erklärte, es sei nicht ungewöhnlich, dass bei Sprengungen im Gestein eingeschlossenes Kohlendioxid freigesetzt wird. Es sei aber "absolut ungewöhnlich", dass wie in diesem Fall schlagartig und mit großem Druck eine solche Menge Kohlendioxid entweiche, dass das Gas in den Schacht vordringe und über Tage austrete. "Der Schacht-nahe Bereich gilt normalerweise als sicher", sagte Göbel. Die Gasmenge sei "außergewöhnlich groß" gewesen.

Unglücksursache wird untersucht

Das Unternehmen sprach den Hinterbliebenen sein Beileid auf. Die thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht äußerte sich tief betroffen. "Mein ganzes Mitgefühl gilt den Angehörigen der drei Bergleute, die heute ihr Leben verloren haben", sagte die CDU-Politikerin in Erfurt. Auch die Gewerkschaft IGBCE sprach den Angehörigen ihr Mitgefühl aus.

Am Tag nach dem schweren Grubenunglück im thüringischen Unterbreizbach suchen Experten weiter nach dem Grund für den massiven Kohlendioxid-Austritt. Bis auf weiteres ruhe die Arbeit in der Kaligrube, sagte ein Sprecher des Kali- und Steinsalzproduzenten K+S in Kassel. "Die Frühschicht ist am Morgen nicht eingefahren und wurde freigestellt." Staatsanwaltschaft und Bergamt ermitteln vor Ort.

Im Werk Unterbreizbach arbeiten nach Angaben de K+S Kali GmbH rund 800 Beschäftigte. Die Anlage ist einer der wichtigsten Arbeitgeber in der Region. Die K+S Kali GmbH gehört zur K+S Gruppe. Das Unternehmen gewinnt in sechs Bergwerken in Deutschland kali-, magnesium- und schwefelhaltige Salze. Daraus werden unter anderem Düngemittel und Streusalz produziert. An den beiden Standorten in Thüringen arbeiten insgesamt mehr als 1000 Menschen.

kle/qu (afp, dpa, rtr)

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