Mehr Dopingfälle bei Olympia in Tokio? | Sport | DW | 20.07.2021
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Olympische Spiele in Tokio

Mehr Dopingfälle bei Olympia in Tokio?

Mit einem Rekord-Kontrollprogramm sollen Dopingsünder bei den Olympischen Spielen in Tokio enttarnt werden. Die Corona-Pandemie könnte den Sportbetrügern in die Hände gespielt haben.

Wer die Frage stellt, wie fair die Olympischen Spiele von Tokio in Pandemie-Zeiten sein können, kommt um das Doping-Problem nicht herum. Die Corona-Krise hat möglicherweise Dopingsündern in die Hände gespielt. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) war auf dem Höhepunkt der ersten Corona-Welle im vergangenen Jahr gezwungen, die Tests außerhalb von Wettkämpfen drastisch zu reduzieren. Im April 2020 beispielsweise wurden nach Informationen der WADA weltweit nur 578 Blut- und Urinproben genommen. Im Jahr zuvor hatte es im Vergleichsmonat noch 25.219 Dopingtests gegeben. 

"Die sinkende Zahl der Tests könnte einigen Athleten ermöglicht haben, während der Vorbereitung auf die Spiele zu dopen. Sie wussten, dass die Wahrscheinlichkeit, noch einmal getestet zu werden, gering oder gleich null war", sagt April Henning der DW. Die Anti-Doping-Expertin arbeitet als Dozentin an der schottischen Universität Stirling.

Doping Kontrolleur Olympia Olympische Spiele 2012

Wie hier bei den Spielen 2012 in London werden auch in Tokio Doping-Kontrolleure auf die Athletinnen und Athleten warten

Inzwischen habe die Testfrequenz weltweit jedoch wieder beinahe Normalniveau erreicht, versichert die WADA. Dopingproben von Olympischen Spielen werden mittlerweile zehn Jahre lang aufbewahrt, um Dopingsünder unter Umständen auch später noch überführen zu können, wenn neue Analyse-Methoden zur Verfügung stehen. Schon jetzt werden Dopingstrafen häufig erst Jahre nach den Vergehen verhängt. 

250 Dopingkontrollen und 700 Athletenbegleiter

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat die Kontrollen während der Spiele von Tokio an die Internationale Test-Agentur (ITA) übergeben. Die ITA ist eine nicht kommerzielle Organisation mit Sitz in der Schweiz, die unter der Kontrolle des IOC und der WADA steht. Sie arbeitet mit den nationalen Anti-Doping-Agenturen und dem Internationalen Sportsgerichtshof CAS zusammen. Die ITA werde in Tokio "das umfangreichste Anti-Doping-Programm leiten, das jemals bei Olympischen Spielen umgesetzt wurde", ließ die Organisation wissen. 

Rund 250 Dopingkontrolleure werden im Einsatz sein, dazu etwa 700 so genannte "Chaperones", die die Athleten über die Tests informieren und sie anschließend zu den Kontrollen begleiten. Die ITA plant nach eigenen Angaben bei den Olympischen und Paralympischen Spielen insgesamt rund 5000 Urin- und Blutkontrollen, "zielgerichtet und unangekündigt".

Corona-Situation ist keine Ausrede

Die Anpassung der Kontrollen an die besondere Corona-Situation sei "in der Tat eine Herausforderung", teilt die ITA der DW mit, "aber durch die Verschiebung der Spiele konnten wir wichtige Erfahrungen sammeln, wie man mit diesen Umständen umgeht." Alle Sicherheits- und Hygienevorschriften würden strikt eingehalten, "zum Schutz der Athleten und des Anti-Doping-Personals". Die Corona-Bedingungen seien jedoch kein Grund für Olympia-Startende, sich den Dopingkontrollen zu entziehen, stellt die ITA klar. Jeder Verstoß könne zu einem Dopingverfahren führen.

Dennoch werden auch in Tokio wahrscheinlich wieder einige Sportlerinnen und Sportler versuchen, durch das Kontrollnetz zu schlüpfen. "Im Allgemeinen ist die Dopingbekämpfung bei solchen Großveranstaltungen gut geplant. Auch für Tokio wurde ein enormer Aufwand betrieben", sagt Anti-Doping-Expertin Henning. "Aber wie wir von Sotschi [den Winterspielen 2014 - Anm. d. Red.] und dem russischen Dopingsystem gelernt haben, ist kaum etwas wirklich sicher, wenn die Sportbetrüger entschlossen und koordiniert vorgehen."

Adaption: Stefan Nestler

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