Disco Queen made in Germany: Donna Summer zum 10. Todestag | Musik | DW | 17.05.2022
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Porträt

Disco Queen made in Germany: Donna Summer zum 10. Todestag

Bevor Donna Summer ihre Weltkarriere startete rührte die zehnjährige LaDonna Gaines Kirchgänger mit ihrem Gospelgesang zu Tränen. Am 17. Mai 2012 erlag sie mit 63 Jahren einem Krebsleiden.

Donna Summer singt ins Mikrofon

Längst eine Legende: Donna Summer

"Love to Love You Baby": Mit diesem von Elektrobeats getriebenen Lied stöhnte sich Donna Summer Mitte der 70er-Jahre auf die Disco-Tanzflächen der Welt. Ganze 16 Minuten und 50 Sekunden lang dauerte die lustvolle Gesangsorgie. Der Song wurde zum Skandal; viele Sender weigerten sich, ihn zu spielen. Er wurde aber auch zum Welthit. Selbst das renommierte Goethe-Institut attestierte dem Titel später wegweisende Qualitäten und bezeichnete ihn wegen der synthetischen Endlosrhythmen als "Paten der Techno- und House Musik". 

Donna Summer kam am 31. Dezember 1948 in Boston als LaDonna Gaines zur Welt. Ihr Vater war Metzger, ihre Mutter Fabrikarbeiterin. Als sie als kleines Mädchen ihr Debüt im Gospelchor gab und die Gemeindemitglieder vor Rührung schluchzten, habe Gott ihr zugeflüstert: "Donna, eines Tages wirst Du berühmt sein", erzählte sie später gern.

Weltkarriere made in Germany

Mit 17 Jahren schmiss Donna die Schule, wurde Frontfrau der Psychedelic-Rock-Band Crow und ging mit ihr nach New York. Dort hörte sie davon, dass man Sänger für die deutsche Fassung des Hippie-Musicals "Hair" suchte, bewarb sich - und stand am 24. Oktober 1968 als 19-Jährige bei der Erstaufführung in München auf der Bühne. "Wassermann" ("Aquarius") war ihre allererste Single, noch unter dem Namen Donna Gaines veröffentlicht.

Sängerin Donna Summer

Donna startete ihre Karriere in München

Sie spielte in weiteren Musicals wie "Showboat" oder "Porgy und Bess" mit und tourte quer durch Europa. Unterwegs lernte sie ihren ersten Ehemann kennen, den österreichischen Zahnarzt Helmuth Sommer, dem sie ihren Künstlernamen verdankt.

1973 kam es dann zu einer schicksalhaften Begegnung mit den Produzenten und Songschreibern Giorgio Moroder und Pete Bellotte. Sie wurden zu einem idealen Team, produzierten in den Münchner Studios nicht nur "Love to love you baby", sondern schrieben mit "I Feel Love" endgültig Musikgeschichte. 2003, fast 30 Jahre später, lobte der Electro-Musiker Moby Donna Summer als revolutionärste Künstlerin der letzten Jahrzehnte.

Der Sound der tanzenden Jugend

1976 zog die Sängerin auf Betreiben von Neil Bogart, Chef ihres Plattenlabels Casablanca, wieder zurück in die USA. Das 1979 erschienene Album "Bad Girls" wurde zum Höhepunkt in der Karriere der Disco-Queen und lieferte den Soundtrack für eine tanzbesessene Jugend. Donna Summer war die erste Solo-Künstlerin mit vier Nummer-1-Hits innerhalb von zwölf Monaten; in den Jahren 1979 und 1980 war sie sogar die erfolgreichste weibliche Musikerin der USA.

Donna Summer sitzt zwischen Blumen und hat einen Blumenkranz im Haar

Donna Summer traf mit ihrem Sound den Nerv der Zeit

Tabletten, Depressionen und moralinsaure Predigten

Die 1980er-Jahre allerdings meinten es nicht so gut mit der gefeierten Sängerin und Songwriterin. Sie lieferte immer wieder bombastisch überladene Poparrangements ab, wurde tablettensüchtig und zunehmend depressiv. Nach einem missglückten Selbstmordversuch wandelte sich Donna Summer gar zur moralisierenden Christin, die es sich mit ihrer schwulen Gefolgschaft verscherzte.

"Aids wurde von Gott geschickt, um die Schwulen zu bestrafen", verkündete sie 1983 ihren Fans. Die Empörung schlug hohe Wellen, und Summer bat für die unbedachte Äußerung um Entschuldigung. Immer wieder stritt sie ab, etwas gegen Homosexuelle zu haben und setzte sich bei Benefizkonzerten für den Kampf gegen Aids ein. Im selben Jahr produzierte sie die Arbeiterhymne "She works hard for money", für die sie einen Grammy einheimste, doch ihre Platten verkauften sich längst nicht mehr so gut.

Als es ruhiger um sie wurde, überwand sie die Tablettenabhängigkeit und ihre Depressionen und widmete sich der Malerei und ihrer Familie. Mit ihrem zweiten Ehemann Bruce Sudano zog sie drei Töchter groß. Der Musik blieb sie trotzdem treu. Im Juli 2009 gab Donna Summer in Berlin ihr erstes Solo-Konzert in Deutschland - dort, wo ihre Weltkarriere begonnen hatte. Ein halbes Jahr später sang sie in Oslo bei der Verleihung des Friedensnobelpreises an den damaligen US-Präsidenten Barack Obama.

Vorbild für die Stars

Auf dem Walk of Fame liegen auf Donna Summers Stern Blumen, Fotos und Kerzen

Die Fans trauerten nach Donna Summers Tod an ihrem Walk-of-Fame-Stern

Donna Summer hat Popgeschichte geschrieben: Songs wie "Love to Love You Baby, "I Feel Love", "Hot Stuff" oder "On the Radio" sind längst zu Disco-Evergreens geworden. Michael Jackson war bekennender Donna-Summer-Fan; Madonna und Beyoncé haben sich auf sie berufen. Mehr als 130 Millionen Platten hat sie im Laufe ihrer Karriere verkauft, fünf Grammys erobert, drei aufeinanderfolgende Nummer-Eins-Platin-Alben herausgebracht, und auf Hollywoods Walk of Fame ist sie mit einem Stern verewigt. Als Donna Summer am 17. Mai 2012 ihrem Krebsleiden erlag, trauerte die Welt um eine Poplegende.