Die Zigarette ist tot, es lebe die Shisha! | Deutschland | DW | 30.05.2018
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Weltnichtrauchertag der WHO

Die Zigarette ist tot, es lebe die Shisha!

Rauchen scheint vor allem bei Jugendlichen nicht mehr en vogue zu sein. Doch auch die Wasserpfeife ist nicht ungefährlich - und sie ist immer weiter auf dem Vormarsch.

Vorweg die gute Nachricht: Rauchen ist bei Jugendlichen "out". "Man möchte seine körperliche und psychische Gesundheit möglichst lange aufrechterhalten, möchte präsent sein", sagt Jugendforscher Klaus Hurrelmann, der an der Hertie School of Governance Jugendstudien, darunter die Shell-Jugendstudien, durchführt. Wer sich auf sozialen Netzwerken wie Instagram und Facebook gepflegt und aktiv präsentieren möchte, wird vermutlich weniger oft zur Zigarette greifen, glaubt er. "Man weiß, dass man ständig auf Sendung sein muss, dass die digitalen Medien Aufmerksamkeit verlangen. Und da passt das Rauchen für die allermeisten einfach nicht so mehr so richtig."

Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist die sinkende Zahl jugendlicher Raucher schon seit Anfang der Nullerjahre zu erkennen. Lag die Raucherquote bei den 12- bis 17-Jährigen 2001 noch bei 28 Prozent, sank sie bis 2016 auf 7,4 Prozent - ein historischer Tiefstand. Noch nie war der Anteil der Jugendlichen, die noch nie geraucht haben, so hoch wie heute. Auch bei den 18- bis 25-Jährigen ging der Anteil im gleichen Zeitraum deutlich zurück - von 45 auf rund 26 Prozent. Bei den erwachsenen Rauchern liegt der Anteil jedoch noch bei etwa einem Drittel. "Da merkt man einfach den Suchtfaktor", sagt Biologin Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Infografik Jugendliche junge Erwachsene Raucher DE

Vor allem die Preiserhöhungen, die Ausweispflicht an den Zigarettenautomaten sowie Werbe- und Rauchverbote im öffentlichen Raum haben zu einem Rückgang quer durch alle Altersgruppen geführt. Die Schockbilder auf den Zigarettenpackungen haben dagegen eine ambivalente Wirkung. Während sich vor allem Nichtraucher vom Anblick einer schwarz geteerten Raucherlunge angeekelt abwenden, fühlt sich manch ein Raucher auch angespornt – nach dem Motto: "Jetzt erst recht", wie amerikanische Gesundheitsstudien, die vom Nationalen Krebsinstitut der USA finanziert wurden, ergeben haben.

Symbolbild Europäische Richtlinien Zigarettenpackung Tabaklobby (picture-alliance/dpa)

Ekelbilder auf den Zigarettenpackungen sollen vom Rauchen abhalten - aber haben eine umstrittene Wirkung

Geselliger Konsum

Doch die positiven Zahlen trügen. Denn während das Zigarettenrauchen stark abgenommen hat, ist der Shisha-Konsum, also das Rauchen von Wasserpfeifen, unter Jugendlichen gestiegen. "Das hat einen exotischen Akzent, es ist etwas Neues, und deswegen hat es eine richtige Modewelle gegeben", sagt Sozialforscher Hurrelmann. "Noch ist bei den jungen Leuten der Eindruck präsent, dass Shisha-Rauchen für ihre Gesundheit nicht so schädlich ist wie Tabakrauchen." Es gelte als interessantes, schickes, öffentlich sichtbares Verhalten.

Symbolbild Rauchverbot in Österreich - Frau raucht vor Restaurant in Wien (picture alliance / HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com)

Auch die Rauchverbote in Gaststätten haben zur Abnahme geführt, glauben Experten

Dabei sind die Shishas, die mit Tabak geraucht werden, ähnlich gefährlich wie eine Zigarette, erklärt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Sie können die Lungenfunktion verschlechtern und das Krebsrisiko deutlich steigern. Denn: Eine Shisha enthält etwa die zehn- bis zwanzigfache Menge an Nikotin wie ein Zigarette. Das ist immer noch viel, auch wenn sie unter mehreren Jugendlichen aufgeteilt und der Schlauch, aus dem der weiße Dunst kommt, immer weitergereicht wird.

Auch Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg sieht die Rauch-Trends bei Jugendlichen mit gemischten Gefühlen. "Shisha-Pfeifen sind in den letzten Jahren unter Jugendlichen und jungen Menschen interessanter geworden." Vergleiche mit dem Zigarettenrauchen hinkten allerdings. "Shishas werden häufig in Gesellschaft und eher gelegentlich konsumiert, während Zigaretten häufig täglich mehrmals konsumiert werden", sagt Biologin Schaller.

Infografik Konsum Wasserpfeife, E-Zigarette, E-Sisha DE

Experimentieren gehört dazu

Laut einer Studie der Krankenkasse DAK für 2017 haben etwa ein Fünftel der Fünft- bis Zehntklässler schon mal an einer Shisha gezogen, 6 Prozent rauchen die Wasserpfeife sogar regelmäßig. Bei den Oberstufenschülern hat sogar jeder Zweite schon mal an der Shisha gezogen, 15 Prozent machen das sogar regelmäßig. Für die Studie wurden etwa 7.000 Schüler bundesweit befragt. E-Zigaretten sind für Jugendliche verboten, ihr Anteil ist mit 3,6 Prozent daher sehr gering. 

Trotz aller gesundheitlicher Warnungen und einem klaren Abwärtstrend zumindest bei Zigaretten: Dass Jugendliche irgendwann weder zu Zigarette noch zu Shisha greifen werden, hält Hurrelmann für ausgeschlossen. "Zum Jugendalter gehört es nun einmal zu experimentieren und etwas zu machen, was spannend ist - und was die älteren Menschen vielleicht auch ein bisschen provoziert."

 

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