Die Sojabohne als Bumerang im Handelsstreit | Wirtschaft | DW | 19.09.2018
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USA - China

Die Sojabohne als Bumerang im Handelsstreit

Sojabohnen waren bisher das wichtigste Agrar-Produkt, das die USA nach China exportierten. Jetzt zeigt die Bohne, was passieren kann, wenn ein Handelskonflikt aus dem Ruder läuft und eine Strategie zum Bumerang wird.

Deutschland Symbolbild Schweine (picture-alliance/dpa/F. Gentsch)

Schweine: Soja ist ein wichtiger Futterbestandteil

Bisher nahmen amerikanische Farmer durch den Export des Schweinefutters Sojabohne nach China so wie im letzten Jahr die Kleinigkeit von 12,7 Milliarden Dollar ein. Das ist vorbei. Im Sommer belegte US-Präsident Trump viele chinesische Importe mit hohen Zöllen; Peking antwortete umgehend: Seither wird für Sojabohnen aus den USA eine Steuer von 25 Prozent fällig.

Viele US-Landwirte fürchten nun Ausfälle bei Sojabohnen. Wie recht sie mit ihren Befürchtungen haben, konnte man unlängst in Kansas City besichtigen. Der U.S. Soybean Export Council, ein Branchenverband der Sojabauern, hatte zu einem Kongress geladen, ein Vertreter Chinas führte ihnen vor, was sie zu erwarten haben:  Mu Yan Kui, von einem der größten chinesischen Soja-Verarbeiter, präsentierte einen Sechs-Punkte-Plan, mit dem Chinas Schweinezüchter die Fütterung mit Soja reduzieren wollen.

Chinesische Handelsdelegation in Missouri (Reuters/D. Kaup)

Amerikanische Pflanzung von Sojabohnen mit chinesischen Besuchern, Norborne Missouri

27 Millionen Tonnen weniger

Wenn der Plan Wirklichkeit wird und die typische Soja-Ration für ein chinesisches Schwein von 20 Prozent seines Futters auf 12 Prozent sinkt - und ein Fünftel Schweinefutter aus Sojabohnen gilt in anderen Ländern längst als überholt -, dann braucht China im Jahr 27 Millionen Tonnen weniger Sojabohnen. Das sind mehr als 80 Prozent der US-Importe nach China für den Futterstoff.

"Viele ausländische Manager und Politiker unterschätzen die Entschlossenheit der Chinesen, wenn es darum geht, die Regierung in dem Handelskrieg zu unterstützen", ließ der Sojaunternehmer aus China seine US-Kollegen wissen.

Und die Unterstützung durch die chinesischen Schweinehalter hätte Gewicht: Immerhin fristen 435 Millionen Schweine der insgesamt 770 Millionen Tiere weltweit ihr Dasein in chinesischen Ställen, vermeldete die "Neue Zürcher Zeitung".

Einsparpotential bei Soja

Jetzt wollen auch chinesische Landwirte ihre Futtermischung verändern, berichtete Mu Yan Kui in Kansas City. Alternative Proteinquellen aus Raps und Baumwollsaat gehören zu dem Sechs-Punkte-Plan, den Mu verstellte. "Die chinesisch-amerikanischen Handelsspannungen werden die größere Verbreitung solcher Kenntnisse unweigerlich fördern", vermutete Yin Jingdong, ein Fachmann für Tierernährung an der Landwirtschaftlichen Universität Chinas in Peking. Die Umweltorganisation WWF schätzt, dass das Einsparpotential für Soja bei der Schweinezucht bei 35 bis 65 Prozent liegt. 

Symbolbild China - USA Strafzölle | Sojabohnen (picture-alliance/dpa/Xu Congjun)

Sojabohnen-Importe aus Brasilien in Nantong, China

In den letzten fünfzig Jahren wurde die Produktion von Sojabohnen nach Zahlen des WWF von 27 Millionen Tonnen auf fast 270 Millionen Tonnen gesteigert – das ist eine Zunahme um das Zehnfache. Für die Ausweitung der Ackerfläche, so der WWF, wurden und werden immer noch riesige Wald- und Savannenflächen umgewandelt. Dabei kommen 80 Prozent der Sojabohnen weltweit aus USA, Brasilien oder Argentinien. Allein in Südamerika wurden von 2000 bis 2010 24 Millionen Hektar Land zu Ackerflächen.

Wer trägt die Kosten?

Naheliegend, dass China zunächst versucht, Importe aus Brasilien und Argentinien hochzufahren. Auch das gehört zu dem erwähnten Sechs-Punkte-Plan. Anfang September schätzte ein Manager des chinesischen Soja-Verarbeiters Jiusan bereits, aus den USA werde China in der jetzt beginnenden Saison nur noch 700.000 Tonnen Sojabohnen beziehen. Im letzten Jahr waren es knapp 33 Millionen Tonnen.

Bei der Soja-Konferenz in Kansas-City bezeichnete der Wirtschaftswissenschaftler Wallace Tyner von der amerikanischen Purdue University den Beitrag seines chinesischen Kollegen Mu als "politische Rede". Schließlich koste jede Maßnahme des präsentieren Sechs-Punkte-Plans die Chinesen ja Geld.

Die Kosten für die amerikanischen Landwirte könnten höher ausfallen. James Lee Adams ist jetzt Landwirt in Rente und war Chef der American Soybean Association. Sein Urteil über die Handelsbeziehungen mit China: "Man braucht eine lange Zeitspanne, um Handelspartner aufzubauen, aber man kann sie in einer Nacht verlieren."

 ar (rtr, dpa, WWF – Archiv)

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