Die Scherenschnitte des Hans Christian Andersen | Kunst | DW | 19.10.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Ausstellung

Die Scherenschnitte des Hans Christian Andersen

Berühmt wurde Hans Christian Andersen als Märchenerzähler. Doch auch seine Scherenschnitte waren gefragt. Knapp 400 von ihnen sind erhalten. Die Kunsthalle Bremen widmet dem Künstler jetzt eine eigene Ausstellung.

"Scherenschnitte sind der Auftakt zum Schreiben", schrieb Hans Christian Andersen in einem Brief im Juli 1867. Die Kunst des Scherenschnitts war zu seinen Lebzeiten eine beliebte Freizeitgestaltung. Doch Andersens Schnitte waren anders als die anderen. "Sie waren modern", sagt der Kunsthistoriker Detlef Stein. "Sie sind weniger verspielt und mit einem großartigen Hintersinn gemacht." 

Für Andersen waren die Scherenschnitte ein reines Hobby, dem er sich allerdings ausführlich widmete. "Wir wissen nicht, wie viele Scherenschnitte es mal gegeben hat. Doch wir müssen davon ausgehen, dass - wenn es heute noch knapp 400 davon gibt - es wesentlich mehr waren", so Detlef Stein. Sie dienten meist als Präsent, schmückten Blumen-Bouquets oder funktionierten als Puppenspiel-Figuren. "Da kann man sich ausmalen, wie viele davon zerschlissen oder zerrissen worden sind", so Stein. "Man konnte die Figuren teilweise auch mit einem kleinen Knick versehen, anpusten und dann sind sie über die Tischplatte gewandert." 

Hans Christian Andersen (picture-alliance/Glasshouse Images)

Märchenerzähler Hans Christian Andersen 1860

Andersen selbst wäre niemals auf die Idee gekommen, seine Scherenschnitte auszustellen. Er hätte sie auch nicht verkauft, meint Anne Buschhoff, die die Bremer Ausstellung "Hans Christian Andersen. Poet mit Feder und Schere" zusammen mit Detlef Stein kuratiert. Die meisten Arbeiten habe er einfach verschenkt. "Andersen war ja ein beliebter Gesellschafter, er wurde häufig in Gesellschaften geladen, hat dort erzählt und parallel dazu diese Scherenschnitte gearbeitet. Und wenn die Erzählung beendet war, war auch der Scherenschnitt beendet - und wurde dann an den Gastgeber oder dessen Kinder oder an andere Gäste verschenkt."

Andersen und die Pop-Art 

Die Scherenschnitte des berühmten Märchenerzählers faszinierten auch den Pop-Art-Künstler Andy Warhol. Er kannte die Märchen von Hans Christian Andersen seit seiner Kindheit, wusste aber lange Zeit nichts von dessen Scherenschnitten. 1987, nur wenige Monate vor seinem Tod, produzierte Wahrhol eine kleine Serie zu Andersen. Sie beinhaltete ein Porträt des Dänen und drei seiner Scherenschnitte - in typischer Warhol Popmanier.

In Deutschland ist Hans Christian Andersen als Bildkünstler bislang nahezu unbekannt. In deutschsprachigen Andersen-Biografien findet sich kaum etwas dazu - anders als in den dänischen, die dieses Kapitel sehr wohl berücksichtigen. Für die beiden Kuratoren war es daher ein "geradezu unbeackertes Feld", wie Detlef Stein es ausdrückt, das sie erschließen konnten. Die Ergebnisse lassen sich im Katalog, der parallel zur Ausstellung erscheint, nachlesen. 

Star des damaligen Literaturbetriebs

Hans Christian Andersen wurde am 2. April 1805 in Odense in Dänemark geboren. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, schaffte es aber mit Hilfe seines Erzähltalents in der Gesellschaft aufzusteigen - nicht zuletzt durch die Förderung wohlhabender Kopenhagener Bürger, die ihn unter ihre Fittiche nahmen. Der Erfolg als Schriftsteller setzte in den 1830er Jahren ein. "Er war ein Star im Literaturbetrieb", sagt Detlef Stein. "Er konnte nicht nur viele Buch-Auflagen verkaufen, sondern auch sein Porträt-Kopf erfreute sich einer unglaublich großen Nachfrage. Man kannte einfach das Konterfei, man wusste, wie der aussah. Und das hat ihm ein gutes Einkommen beschert."

Ausstellung Kunsthalle Bremen - Hans Christian Andersen. Poet mit Feder und Schere (Hans Christian Andersen)

Mann mit Tablett auf dem Kopf

Die große Mehrzahl der Scherenschnitte, es sind heute knapp 400 exakt bestimmbar und lokalisierbar, befindet sich in Dänemark. Da sie aus sehr empfindlichen Papieren bestehen, gelten bei der Ausstellung hohe Auflagen bezüglich des Lichtes und der Luftfeuchtigkeit, erzählt Detlef Stein. "Die Sammlungen, die über originale Scherenschnitte verfügen, geben sie eigentlich nicht gerne her."

Trotzdem konnten er und seine Kollegin Anne Buschhoff das Museum in Andersens Geburtsstadt Odense und die Königliche Bibliothek in Kopenhagen überzeugen, mit der Kunsthalle Bremen zu kooperieren und Leihgaben zur Verfügung zu stellen. Präsentiert werden in Bremen 23 Originalzeichnungen von Hans Christian Andersen, um die 40 Scherenschnitte und einige seiner Collagen - allerdings ohne viel Licht, sagt Anne Buschhoff. "Wir werden es sehr, sehr dunkel präsentieren müssen. Es wird sozusagen eine Schatzkammerästhetik geben."

Die Ausstellung "Hans Christian Andersen. Poet mit Feder und Schere" ist vom 20. Oktober 2018 bis zum 24. Februar 2019 in der Bremer Kunsthalle zu sehen. 

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links