Die Schätze des Nationalmuseums in Rio | Kultur | DW | 03.09.2018
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Brasilien

Die Schätze des Nationalmuseums in Rio

Das älteste Museum Brasiliens wurde bei einem Großbrand fast vollständig zerstört. Unter den Ausstellungsstücken aus fast vier Jahrhunderten war unter anderem das Skelett des ältesten in Amerika gefundenen Homo Sapiens.

Nationalmuseum Rio de Janeiro

Das Gebäude des Museums, der Palast von São Cristóvão, war selber ein museumswürdiges Stück

Erst diesen Sommer feierte das Nationalmuseum in Rio de Janeiro sein 200-jähriges Jubiläum. Am Sonntag ging es in Flammen auf. Dabei wurde das Gebäude und ein großer Teil der Sammlung zerstört. Das Museum beherbergte 20 Millionen Artefakte, darunter Dokumente, archäologische Exponate, steinzeitliche Fossile, ethnologische Sammlungen und Zeugnisse der prähistorischen Kulturen Lateinamerikas. Manche Ausstellungsstücke, wie der Bendegó-Meteorit, überstanden das Feuer relativ unbeschadet. Andere, wie beispielsweise die botanische Sammlung, waren in anderen Gebäuden untergebracht. Wir stellen einige der Exponate aus dem Museum vor.

Sarkophag der Dame Sha-Amun-En-Su – Der Sarkophag der Priesterin des Amun-Tempel in Theben, Sha-Amun-en-Su, ist über 2700 Jahre alt und kam als eine Schenkung des Vizekönigs der osmanischen Provinz Ägypten an Kaiser Dom Pedro II. nach Brasilien. Der Kaiser war für sein großes Interesse am Alten Ägypten bekannt und stellte diesen Sarkophag sogar in seinem Arbeitszimmer aus. Nach der Ausrufung der Republik 1889 erhielt das Nationalmuseum in Rio de Janeiro das Exponat zusammen mit einigen anderen Mumien aus dem Besitz des Kaisers und begründete so die größte altägyptische Sammlung Lateinamerikas mit zuletzt 700 Exponaten. Der Sarkophag ist mit prächtigen Malereien, religiösen Symbolen und Hieroglyphen bemalt, die die Mumie in ihm als "Sängerin des Amun-Schreins" identifizieren. Durch tomografische Untersuchungen wurden auch verschiedene Amulette und Schmuckstücke bei der Mumie entdeckt.

Griechisch-römische Mädchenstatue – Die Marmorstatue ist römischen Ursprungs, war aber wahrscheinlich eine Kopie einer griechischen Kore-Mädchenstatue. Sie wurde 1853 bereits kopflos in einem Grab in Veio, Italien ausgegraben. Sie war Teil der großen griechisch-römischen Sammlung, die ebenfalls 700 Artefakte enthielt. Kaiserin Teresa Cristina Maria hatte die Sammlung begründet und von ihrem Bruder, Ferdinand II. von Sizilien, Schenkungen erbeten.

Rekonstruktion des Kopfes von Luzia

Rekontruktion des Kopfes von "Luzia", das älteste in Lateinamerika gefundene menschliche Fossil

Lucys entfernte amerikanische Cousine Luzia – Archäologen zufolge handelt es sich bei diesem Skelett um die Überreste eines der ersten Einwanderer Südamerikas. Mit ca. 11.000 Jahren ist es das älteste in Lateinamerika gefundene menschliche Fossil. Dank einer digitalen Rekonstruktion ihres Gesichts zeigte sich, dass sie nicht zu den asiatischen Einwanderern angehörte, die ursprünglich für die ersten Menschen auf dem amerikanischen Kontinent gehalten wurden. So entstand die Hypothese einer früheren, bisher unbekannten Einwanderungswelle. In Anlehnung an das Skelett des afrikanischen Vormenschen Lucy wurde es "Luzia" benannt, als es in den 1970er Jahren von Anette Laming Emperaire im Bundesstaat Minas Gerais entdeckt wurde.

Brasilianische Dinosaurier – Der als Maxakalisaurus Topai bekannte pflanzenfressende Dinosaurier war während der späten Kreidezeit im Innenland Brasilien beheimatet. Dieses 13 Meter lange Exemplar wurde in der Nähe der Stadt Prata, im Bundesstaat Minas Gerais entdeckt und ist deshalb auch als Dinoprata bekannt. Es handelte sich hierbei um den ersten großen Dinosaurier, der in Brasilien für eine Ausstellung rekonstruiert wurde.

Einer der größten Meteoriten der Welt – Der Bendegó-Meteorit ist der größte in Brasilien gefundene Meteorit und einer der größten Meteoriten der Welt. Der 1784 entdeckte Meteorit aus Eisen und Nickel war so schwer, dass der erste Transportversuch scheiterte und der Wagen unter der Last zusammenbrach. Das Exponat befindet sich seit 1888 im Nationalmuseum, nachdem Kaiser Dom Pedro II. einen weiteren Transportversuch finanzierte.

Prähistorische Kulturen Brasiliens – Die Marajoara-Kultur war die am weitesten fortentwickelte prähistorische Kultur Brasiliens. Wichtiger Bestandteil ihrer Kultur waren ihre dekorierten Keramikgegenstände, die sie für Begräbnisse und Rituale nutzten. Die Ikonografie der Gefäße setzte sich aus anthropomorphen Wesen und Formen, menschlichen Figuren und Tieren, als auch symmetrischen Mustern zusammen.

Federschmuck brasilianischer Stämme – In der ethnologischen Sammlung finden sich zudem Exponate des Karajá Stammes aus dem zentralen Osten Brasiliens. Sie stellen Keramikgegenstände und prächtigen Federschmuck her. Die Schmuckstücke aus Federn des brasilianischen Rabengeiers, Sittichen und Ara-Papagaien werden für Initiationsriten genutzt und stehen im Zusammenhang mit den indigenen Mythen.

Palácio de São Cristóvão – Das neoklassizistische Gebäude des Museums, der Palast von São Cristóvão, war selbst eine museumswürdige Anlage. Es gab dort kaiserliche Gemächer, eine umfangreiche Bibliothek und die von Kaiserin Leopoldina initiierte Pflanzen-Sammlung. Der Palast war zudem Schauplatz verschiedener historischer Ereignisse, wie zum Beispiel der Ausrufung der brasilianischen Republik und der verfassungsgebenden Versammlung 1891.

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