Die Glückskinder von Eintracht Frankfurt | Sport | DW | 18.04.2019
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Europa League

Die Glückskinder von Eintracht Frankfurt

Das Europapokal-Märchen von Eintracht Frankfurt geht weiter: Mit dem perfekten Rückspielergebnis gelingt dem einzigen internationalen Vertreter des deutschen Fußballs ein großer Erfolg - der einen faden Beigeschmack hat.

Fußball UEFA Europa League | Eintracht Frankfurt - Benfica Lissabon | Torjubel (1:0) (Getty Images/M. Hitij)

Der Traum vom Titel lebt: Eintracht Frankfurt steht im Halbfinale der Europa League.

Selbst gute Mannschaften brauchen hin und wieder Glück. Oder auch mal etwas mehr davon. Die Eintracht hatte nach der 2:4-Hinspiel-Niederlage bei Benfica Lissabon vor dem Rückspiel bei sämtlichen Schornsteinfegern, Maikäfern, Schweinen und Hufeisenschmieden rund um Frankfurt bestellt - und alle lieferten. Nur so ist zu erklären, was an diesem Donnerstagabend in der Frankfurter Arena beim 2:0 (1:0) der Eintracht geschehen ist.

Aber der Reihe nach. Von Beginn an wirkte die Eintracht-Elf fokussiert, bissig, aber nicht so verkrampft wie noch im Hinspiel, als mit Platzverweis und Gegentreffern schnell alles nach hinten losging. Stattdessen wagte Frankfurt eine kontrollierte Offensive, der zwar einmal mehr mit dem Franzosen Sébastien Haller ein großer, kopfballstarker Angreifer fehlte, die dafür aber viel spielerische Klasse bot.

"Schön, dass es auch noch Fehler gibt"

Fußball UEFA Europa League | Eintracht Frankfurt - Benfica Lissabon (picture-alliance/dpa/A. Arne Dedert)

Ein Schlüssel zum Erfolg: Dieses Mal nahm Frankfurt Jungstar João Félix effektiv aus dem Spiel

Vor 48.000 euphorischen und immens lauten Zuschauern war Frankfurt das dominierende Team, auch wenn die Spitzen zunächst stumpf blieben. Filip Kostic konnte den früheren deutschen Junioren-Nationalkeeper Odisseas Vlachodimos im Tor von Benfica nach sieben Minuten nicht überwinden, und auch weitere Versuche scheiterten. Imposant dagegen die Leistung der Abwehr: Trotz des verletzungsbedingten Fehlens von Abwehrchef Martin Hinteregger war die Defensiv-Kette der Eintracht stabil und ließ kaum etwas zu.

Und dann die 37. Minute: Filip Kostic stand im Abseits als Kollege Mijat Gacinovic abzog, der Schuss des Serben an den Pfosten klatschte und Kostic den Ball zum 1:0 im langen Eck versenkte. Die Abseitsposition wurde damit aktiv. Ein klar regelwidriges Tor, das Schiedsrichter Daniele Orsato aus Italien übersah. Und anders als am Abend zuvor beim dramatischen Champions-League-Duell zwischen Manchester City und Tottenham Hotspur entschied nicht der Videoschiedsrichter. Denn den gibt es in diesem Wettbewerb noch gar nicht. In der Europa League wird er erst ab dem Finale eingeführt, warum auch immer. Fredi Bobic kommentierte die spielentscheidende Szene nach der Partie mit einem süffisanten Lächeln: "Schön, dass es auch noch Fehler gibt. Wir haben heute das Quäntchen Glück gehabt."

Und dann liegt der Ball plötzlich vor Rodes Füßen

Und dann hatte die Eintracht gleich noch einmal Glück: Als in der 63. Minute Simon Falette den Benfica-Mittelfeldmann Gedson Fernandes von der Seite rüde ummähte und den Ball dabei klar verfehlte, schaute Schiedsrichter Orsato wieder einmal nicht so genau hin. Nicht einmal ein Foul erkannte der Italiener, das hätte auch anders ausgehen können für die Eintracht, für die ein möglicher Platzverweis in dieser Phase ein erhebliches Problem bedeutet hätte.

Fußball UEFA Europa League | Eintracht Frankfurt - Benfica Lissabon | Torjubel (2:0) (Reuters/K. Pfaffenbach)

Sebastian Rode mit dem wohl wichtigsten Tor seiner Karriere

So war der Weg frei für das nächste Kapitel im Frankfurter Europapokal-Märchen: Sebastian Rode stand in der 67. Minute kurz vor der Strafraumgrenze goldrichtig und zog ab - das nach dem 2:4-Hinspielergebnis benötigte 2:0 war gefallen. "Es war Glück, dass er mir vor die Füße fiel. Und dann wollte ich ihn so machen", beschrieb Rode die Szene nach dem Spiel, und wieder tauchte das Wort Glück in der Aussage eines Frankfurter Protagonisten auf.

"Die Arena hat gebebt und gezittert"

Dann begann das große Zittern bei der Eintracht, bei der einige Spieler in der Schlussphase stehend K.o. schienen. Benfica rannte mit Jungstar João Félix an, setzte die Hintermannschaft der ganz in Schwarz gekleideten Eintracht ordentlich unter Druck. Doch die Null stand bis zum Schlusspfiff, und auf den Rängen brachen alle Dämme.

Lange, sehr lange nach dem Spiel feierten die Spieler mit den Fans auf der Tribüne. "Es war eine unbeschreibliche Stimmung. Die Arena hat gebebt und gezittert", beschrieb Sebastian Rode die Gänsehaut-Atmosphäre. Niemand wollte die Arena verlassen, ein ganzes Stadion feierte sich und die Fortsetzung der Saga namens Europa-League-Halbfinale. Schließlich ist es der größte internationale Erfolg seit 39 Jahren für die Adler vom Main, wo man nun vom zweiten Europapokal-Triumph träumt - nach dem Gewinn des Vorgänger-Wettbewerbs UEFA-Cup im Jahr 1980.

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