Die Gewinner der Krise | Welt | DW | 09.04.2009
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Welt

Die Gewinner der Krise

Die weltweite Wirtschaftskrise beutelt nicht alle Branchen gleich, der Suchmaschinen-Konzern 'google' gehört z.B. zu den Gewinnern der Krise, aber es gibt noch mehr...

Das Logo der Internet-Suchmaschine Google auf einem Bildschirm Foto: dpa -Report

Foto: picture alliance/Okapia KG

Nach dem verheerenden Bankencrash scheinen sich die Menschen auf altbewährte Orte der Geldanlage zu besinnen. Bei den deutschen Tresorherstellern ist jedenfallls von einer Rezession nichts zu spüren - im Gegenteil: Ihr Umsatz stieg seit der Finanzkrise um mehr als 25 Prozent.

Eine Hand greift nach einem 1000 Gramm Feingoldbarren, der im Safe eines privaten Edelmetallhändlers zwischen anderen Goldbarren liegt. Foto: dpa/lby
Neue Kleinwagen warten auf ihre Auslieferung. Foto: picture-alliance/dpa

Goldrausch: Auf der Suche nach einer sicheren Geldanlage strömen die Kunden zu den Gold-Handelshäusern. Im Handelshaus "pro aurum" in München waren die Lager für kleine Gold-Einheiten zeitweise ausverkauft.

Alte Autos sind auf einem Schrottplatz in Norderstedt aufgestapelt. Foto: dpa
Dachdecker reparieren das kaputte Dach eines Wohn-hauses mit neuen Dachziegeln. Foto: dpa/lnw

Hochkonjunktur auch in den Autohäusern: Die meisten Jahreswagen sind verkauft, Kleinwagen bereits Mangelware. Sie haben lange Lieferzeiten: Bis zu einem halben Jahr müssen Käufer derzeit auf ihre neuen Wagen bei etlichen Herstellern warten - und die hohe Nachfrage wird anhalten. Der Autohersteller VW gibt an, der Februar 2009 sei bei den Auftragseingängen der mit Abstand beste Monat seit der Wiedervereinigung gewesen. Die Auslieferungen für die Marke Volkswagen Pkw seien um 20 Prozent gestiegen.

Junges Paar sitzt auf Designsofa. Foto: picture-alliance/Newscom
Rotes Kondom Foto: Bilderbox

Die Bundesregierung hat die sogenannte Abwrackprämie verlängert. Der Bund will noch länger den Kauf eines schadstoffarmen Neu- oder Jahreswagens bezuschussen, wenn zuvor das Altfahrzeug verschrottet wurde - davon profitieren die Schrotthändler. Mehr als eine Millionen Anträge für die Abwrackprämie bedeuten jede Menge Schrott. Die Branche boomt - auch wenn manche Händler über fallende Preise klagen. Für eine Tonne Schrott bekommen die Händler nur noch 20 bis 40 Euro, vor einem Jahr waren es 100 Euro mehr.

Eine Frau schaut eine Sendung auf ihrem neuen Flachbildschirm. Foto: dpa
Pralinen Foto: picture-alliance/dpa

Wer noch kein schrottreifes Auto fährt, investiert sein Geld in Krisenzeiten gern ins Eigenheim. Die Deutschen lassen die Fassade neu streichen oder das Dach neu decken. Ob Renovierung oder Ausbau - am eigenen Haus wird nicht gespart. Mehr als ein Drittel der Deutschen will in diesem Jahr laut einer Umfrage von Emnid modernisieren oder zumindest renovieren. Die Handwerker wird das freuen. Sie hoffen auch auf mehr Aufträge durch das Konjunkturpaket der Bundesregierung. Darin enthalten ist das Innovationspaket Mittelstand - es wurde von 900 auf 1,5 Milliarden Euro aufgestockt und auch das Investitionspaket mit einem Umfang zwischen 17 und 18 Milliarden Euro soll für kräftige Nachfrage sorgen.

Sammlung von teuren Parfüm Flaschen Foto: PHOTOPQR/L'ALSACE
Einkaufswagen mit dem Logo des Lebensmittel-discounters Aldi. Foto: dpa

Trautes Heim - Glück allein: Auch für die Inneneinrichtung wird weiter Geld ausgegeben. Gerade in Zeiten der Krise will man sein Haus oder seine Wohnung gemütlich und komfortabel ausstatten. Der krisenbedingte Rückzug ins Private soll sich sehen lassen können. Glaubt man Fachleuten, hat der "Cocooning"-Trend gerade erst begonnen.

Dampfende Suppe im großen Topf, daneben ein aufgefüllter Teller Foto: Bilderbox
Eine Ryanair-Maschine ist gestartet und nimmt den Weg in den Himmel. Foto: picture-alliance/dpa

Und anscheinend wird es sehr privat im trauten Heim. Die ausgedehnten Schäferstündchen sorgten für ein sattes Umsatzplus bei der Firma Durex: Der Kondomverkauf stieg um rund 10 Prozent, der Umsatz von Gleitgel und Vibratoren sogar um 27 Prozent.

Schild am Eingang einer Jugendherberge mit Abzeichen des deutschen und des internationalen Jugendherbergsverband Foto: picture-alliance/dpa
Junger Mann beisst in einen Hamburger. Foto: ©PHOTOPQR/LA DEPECHE DU MIDI

Die Krise vergessen: Das kann man auch vor dem Fernseher, bei aktuellen Fußballspielen oder den schönsten Hollywood-Schinken auf DVD. Natürlich am besten mit einem superneuen, supergroßen Flachbildschirm. Der bayrische Gerätehersteller Loewe z.B. erzielte 2008 den höchsten Umsatz in seiner Firmengeschichte, der Gewinn stieg um rund 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Rot geschminkte Frauenlippen Foto: picture-alliance / OKAPIA KG
Frauen verpacken und adressieren Warenkartons im Quelle Versandzentrum Leipzig. Foto: AP

Die Hersteller von Süßigkeiten werden wohl von den schlechten Wirtschaftsdaten profitieren. Der Schokoladenumsatz stieg im vergangenen Jahr um sieben Prozent, berichtet der Süßwarenhandelsverband. Schokolade, Chips und Co sind konjunkturunabhängig, wenn man sich sonst schon nichts gönnt, dann zumindest einen süssen Stimmungsaufheller.

Aufgeschlagene Bibel mit modernen Bildern. Foto: picture-alliance/dpa

Apropos gönnen: Die Gesellschaft für Konsumforschung hat herausgefunden, dass gerade in Krisenzeiten Menschen mehr Geld für kleine Luxusgüter ausgeben, dazu gehören neben Leckereien vor allem Körperpflegeprodukte. Der Industrieverband 'Körperpflege und Waschmittel' erwartet für das Rezessionsjahr 2009 im Kosmetikbereich sogar ein Wachstum von bis zu zwei Prozent.

Für den Alltag soll es dagegen so billig wie möglich werden. Über die die Hälfte der Konsumenten ist laut einer Umfrage bereits in den vergangenen Monaten auf preiswertere Produkte umgestiegen. Die Discounter profitieren von den schmaleren Geldbeuteln in Deutschland, denn hier gibt´s viel für wenig Geld. Magenfüllende Suppen und Eintöpfe zählen zu den Verkaufsschlagern.

Die Suppenhersteller sind Gewinner der Krise. Die Produktion läuft auf Hochtouren, sagt Nico Knapp von der Firma Sonnen Bassermann im Harz. Besonders gefragt sind Linsen- oder Erbseneintöpfe, hier stieg der Umsatz im zweistelligen Bereich. Beim Lübecker Hersteller Erasco wurden in den vergangenen Monaten besonders große Familiendosen nachgefragt.

Fernreisen adé - auch im Urlaub wird gespart. Wer dennoch fliegt, tut das vor allem mit Billiganbietern, die ihren Umsatz auf Kosten der traditionellen Flugesellschaften ausweiten. „Je länger und tiefer die Rezession ist, desto besser wird die Lage für Billiganbieter aller Branchen", sagt Michael O'Leary, Firmenchef von Europas größtem Billigflieger Ryanair.

Wie man fliegt, so bettet man sich - Billighotels, Hostels und Jugendherbergen profitieren von der aktuellen Lage. Der Deutsche Hotelverband rechnet damit, dass Geschäftsreisende nun "einen Stern runtergehen" bei der Buchung. Das Deutsche Jugendherbergswerk verbuchte bereits 2008 ein Plus von rund 62.000 Übernachtungen im Vorjahresvergleich.

Feine Restaurants haben es schwer, wer nicht zu Hause kocht - auch dies ein Trend 2009 - geht auswärts zu den bekannten Fast-Food Ketten. Hamburger, Pommes, Currywurst und Co. haben Hochkonjunktur. Die weltgrößte Schnellrestaurant-Kette McDonalds verbuchte im dritten und vierten Quartal 2008 um die zehn Prozent mehr Gewinn im Vergleich zu den Vorjahrsquartalen. In diesem Jahr will sie weitere Restaurants und McCafes eröffnen und so 2000 neue Jobs schaffen, so ein Sprecher der Fastfood-Kette.

Die Wirtschaftswissenschaft kennt ihn schon lange: Den "Lipstick-Faktor". Denn in wirtschaftlichen Krisenzeiten nimmt der Verkauf von Lippenstiften signifikant zu. Wenn neue Kleider oder neue Schuhe zu teuer sind, dann soll der erschwingliche Lippenstift die Mode machen. Bei Estée Lauder reibt man sich schon mal die Hände: Die Umsätze bei Lippenstiften sind um einen zweistelligen Prozentsatz gestiegen. Frei nach dem Motto: Schwarz sehen, rot malen.

Von rot auf schwarz wechselt die Symbolik dagegen bei den Versandhäusern Otto und Quelle. Seit Herbst bestellen die Deutschen wieder mehr, vor allem der Internet-Handel wächst. Bei Otto sogar um 38 Prozent. Otto-Chef Rainer Hillebrand geht davon aus, dass ungewisse Wirtschaftsaussichten dafür sorgen, dass seine Unternehmensmarke Verbrauchern den gesuchten Halt gibt.

Für alle, denen Otto als 'Haltgeber' nicht ausreicht, gibt es natürlich noch die klassische Lösung: Wenn alles andere nicht mehr hilft, vielleicht dann Der da oben? Die Bibelverlage blicken zuversichtlich in das Jahr 2009: Erfahrungsgemäß steigt der Absatz von Bibeln in Zeiten der Krise. Na, wenn das nicht ein echter Gewinn ist!

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  • Datum 09.04.2009
  • Autorin/Autor Rachel Gessat
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