Die Geschichte hinter dem Song | Musik | DW | 18.10.2013
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Musik

Die Geschichte hinter dem Song

Manche Songzeilen vergisst man nie. Pop und Rock, Rap und Blues liefern immer wieder berühmte Sätze. Hinter vielen stecken spannende Geschichten rund um die Musiker.

Sprachwächter waren empört. 1965 stürmte das Lied "Marmor, Stein und Eisen bricht" die deutschen Charts, gesungen von einem jungen Berliner namens Drafi Deutscher. So gut sich die Songzeile auch anhört – grammatikalisch ist sie leider falsch. "Brechen" statt "bricht" müsste es korrekt heißen. Dann wäre die Fortsetzung der Zeile allerdings auf der Strecke geblieben: "Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht." Deutschers Fans störten sich nicht an dem Fehler, wochenlang hielt sich der Song an der Spitze der Charts. Nur die Hörer des Bayerischen Rundfunks kamen lange nicht in den Genuss des Liedes. Dort wurde es wegen falscher Grammatik erst einmal nicht gespielt. Deutschers kreativer Beitrag zu seinem größten Erfolg beschränkte sich übrigens auf das rhythmische "Damm damm, damm damm". Den Rest erledigten andere.

Wolf im Schafspelz

Frank Zappa mit einer Toilettenpapierrolle im Alter von 27 Jahren (Foto: picture-alliance/AP)

Frank Zappa - immer unberechenbar - überraschte auch Thomas Gottschalk

Frank Zappa lieferte den eindrucksvollen Beweis, dass nicht jeder deutsche Radioredakteur auf die Inhalte englischer Texte achtete. "Hey there people, I'm Bobby Brown / They say I'm the cutest boy in town" beginnt sein Song "Bobby Brown" von 1979, der als Wolf im Schafspelz daherkommt. Unterlegt mit ohrengefälliger Rhythmik ist der Text mehr als schlüpfrig, die Liedfigur "Bobby Brown" ein sexbessener Lüstling, der es im Lied mehr als wild treibt.

Frank Zappa gefiel sich in der Rolle des Bürgerschrecks, der die herrschende Sexualmoral in Frage stellte. Im deutschen Radio spielte man den Song trotzdem rauf und runter. Bis Zappa ausgerechnet in der bayerischen Radiosendung "Pop nach 8", moderiert von Thomas Gottschalk, zu Gast weilte. Arglos legte Gottschalk eine deutsche Version von "Bobby Brown", die ihm Zappa mitgebracht hatte, auf den Plattenteller. Nicht mal 20 Sekunden ertönten die deutschen Klänge von "Bobby Brown" bis die Platte hochkant vom Teller flog. Zappa war zufrieden, Gottschalk wahrscheinlich kreidebleich.

Zu Ehren des Hochzeitspaars

Hochzeitsbild von König Carl XVI Gustaf von Schweden und Silvia Sommerlath (Foto: AFP/Getty Images)

Der König und die Olympia-Hostess

Mit offiziellem Segen stellte dagegen die vierköpfige Combo "Abba" 1976 einen ihrer größten Hits vor: "Dancing Queen". Inspiriert wurden die Schweden durch ihren jugendlichen König Carl XVI. Gustaf, der die Deutsche Silvia Sommerlath heiraten wollte. In "Dancing Queen" liefert das Vierergespann ihre Version vom Kennenlernen des Brautpaares. "See that girl, watch that scene / Diggin' the dancing queen", heißt es da. Kurzum, die kokette Silvia habe sich ihren Carl in einer Disco angelacht.

Dem königlichen Paar gefiel das Lied. Am Vorabend der Hochzeit spielte Abba das erste Mal "Dancing Queen" – in Anwesenheit des Königs und seiner Braut. Und nicht nur den Schweden gefiel der Song. Weltweit feierte Abba damit Erfolge. Selbst in den USA belegten sie mit "Dancing Queen" den ersten Platz der Charts. Das einzige Mal dort überhaupt.

Tiefe Tragik

Weitaus trauriger mutet dagegen die berühmte Songzeile "Killing Me Softly with his Song, killing me softly" an. Die Souldiva Roberta Flack interpretierte den Song unnachahmlich. Vor allem der Selbstmord ihres kongenialen Freunds und Kollegen Donny Hathaway 1978 verlieh dem Stück tiefe Tragik. Bei späteren Auftritten wollte die Künstlerin den Song nicht mehr singen – den Wünschen des Publikums zum Trotz. Aber nicht nur Roberta Flack war mit dem erfolgreich. Auch ein männlicher Star sang den Song: Perry Como. Aus dem "His" wurde hier ein "Her". Vor allem bewies "Killing me softly", dass ein alter Hit auch in neuem Gewand funktionieren kann. Die Band "The Fugees" brachte ihn 1996 in einer Rap-Version heraus. Er wurde ein Welterfolg.

Musikalische Liebeserklärung

Taxi vor dem Hotel Pennsylvania in Manhattan in New York City (Foto: imago)

Ein Ort für so manche Liebelei - das Hotel Pennsylvania in Manhattan

Weniger traurig geht es bei Glenn Miller & His Orchestra zu. Eine schlichte Telefonnummer machte die Band zum Inhalt eines Stückes mit dem Namen "Pennsylvania 6-5000". "Here’s what I do with my money / I call 6-5000". Hinter dieser Nummer verbirgt sich das Hotel "Pennsylvania" in New York, wo Glenn Miller und seine Jungs gastierten. Das Bandmitglied Carl Sigman hatte sich in eine Angestellte des Hotels verguckt und ihr eine musikalische Liebeserklärung gemacht.

Wer die Glückliche war, ist bis heute unbekannt. Die Telefonnummer gibt es aber immer noch.

Verdrängter Sommerhit

Dass auch gewisse Umstände einer Band zu schaffen machen können, für die sie persönlich gar nichts kann, beweist ein Lied der deutschen Band Juli. Nach einem langen Kampf nach oben legte sie mit dem Song "Perfekte Welle" den Sommerhit des Jahres vor, bis Ende 2004 ein Tsunami im Indischen Ozean wütete und Hunderttausende tötete. Aus Gründen der Pietät nahmen damals fast alle Sender das Lied aus dem Programm.

Udos Lieblingsclub

Außenansicht vom Hamburger Kultclub Onkel Pö (Foto: picture-alliance/Jazz Archiv)

1985 war' s vorbei mit Musik und Bier

"Alles klar auf der Andrea Doria" sang dagegen noch Udo Lindenberg 1973. Was weniger bekannt ist: Letztendlich ist das Lied ein Plädoyer für den guten Geschmack, den der Künstler im Untergang begriffen sah – gleich dem Schicksal des gesunkenen Passagierschiffs "Andrea Doria". Lindenberg setzte mit dem Song dem "Onkel Pö", seinem Hamburger Lieblingsclub, ein Denkmal, denn er ahnte vielleicht bereits dessen Niedergang. "Jetzt kommt noch einer rüber / aus der Dröhn-Diskothek / und ich glaub, dass unser Dampfer bald untergeht." Eine Nacht ist aber noch alles gut: "Aber sonst ist heute wieder alles klar / auf der Andrea Doria." Tatsächlich schloss das "Onkel Pö" 1985 seine Türen.

Wer noch mehr Geschichten rund um die berühmtesten Songzeilen der Musikgeschichte lesen möchte, kann dies im Buch der Musikjournalisten Günther Fischer und Manfred Prescher tun. Es trägt den passenden Namen: "Alles klar auf der Andrea Doria".