Die Geschäfte laufen schlecht in Russland | Europa | DW | 24.05.2018
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Deutsch-russischer Handel

Die Geschäfte laufen schlecht in Russland

Der Rubel ist schwach und die Kaufkraft der Russen sinkt. Wie reagieren große deutsche Unternehmen wie Adidas, Metro AG, MediaMarkt und Otto Group auf die Flaute auf dem russischen Markt?

Viele deutsche Unternehmen betrachteten den russischen Markt noch bis vor kurzem als äußerst erfolgversprechend. Doch um die Finanzen in Russland steht es schlecht und damit auch um Investoren, Hersteller und Einzelhändler. Sie alle hatten sich eine Fortsetzung des Konsumbooms in Russland erhofft. Vom 24. bis zum 26. Mai findet in Russland das 22. Sankt Petersburger Internationale Wirtschaftsforum (SPIEF) statt. An der Veranstaltung nehmen Politiker und Experten aus mehr als 100 Ländern teil, darunter auch aus Deutschland.

MediaMarkt verkauft sein Filialnetz

Nach zwölf Jahren will sich MediaMarkt aus Russland zurückziehen. Europas größter Elektrofachhändler ist in 14 Ländern vertreten. Die Ceconomy AG, die diese Kette betreibt, verhandelt über den Verkauf ihres Filialnetzes in Russland an den russischen Konkurrenten "M.Video". Das deutsche Unternehmen möchte sich im Gegenzug an "M.Video" beteiligen und Minderheitsaktionär werden.

Ohne einen Verkauf abzuwarten, hat MediaMarkt in den letzten Monaten sechs Filialen in Russland geschlossen, also etwa jede zehnte. Das geht aus einem Mitte Mai veröffentlichten Bericht zum laufenden Geschäftsjahr hervor. Hingewiesen wird auf die negativen Folgen des niedrigen Rubel-Kurses und auf den Rückgang der Einnahmen in Russland. Zudem wird wegen der im April gegen Russland verhängten US-Sanktionen ein weiteres Wachstum des russischen BIP als unwahrscheinlich angesehen.

Media Mark-Geschäfte in Russland (picture alliance/dpa/TASS/A. Geodakyan)

Der kyrillische Schriftzug "MediaMarkt" wird aus Russland verschwinden

Otto und Quelle schließen Online-Shops

Der deutsche Handelsgigant Otto Group verlässt Russland nur zum Teil. Im April hatte der Konzern angekündigt, in diesem Sommer zwei seiner russischen Online-Shops zu schließen: "otto.ru", der seit 2006 auf dem Markt ist, und "quelle.ru", der 2009 erworben wurde. Damit wird auch der Versandhandel über die gleichnamigen Kataloge eingestellt, die noch zu Sowjetzeiten legendär waren.

Ihre Entscheidungen begründet die Otto Group mit einer Änderung ihrer globalen Strategie und dem Wunsch, sich auf den heimischen deutschen Markt zu konzentrieren. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch der zunehmende Wettbewerb im russischen Online-Handel. Die Entwicklung des Internets hat zu einem Sterben des klassischen Versandhandels geführt. Laut Experten ist die Schließung der beiden Online-Shops aber auch auf die Schwäche des Rubels zurückzuführen, denn die Preise für Warenlieferungen aus Deutschland sind gestiegen.

Media Mark-Geschäfte in Russland (picture alliance/dpa/A. Magavko)

Der Osten ist lila: Shopping in Russland

Unter der Abwertung des Rubels hat auch das Flaggschiff der Otto Group in Russland "bonprix.ru" zu leiden. Doch das Unternehmen setzt konsequent auf Käufer mit mittlerem und niedrigem Einkommen, was sich auszahlt. Jedenfalls will der deutsche Konzern diesen Online-Shop sowie die Textilmarke "Witt" beibehalten. Darüber hinaus will er seine Tochterfirma "eSolutions" weiterentwickeln, die russischen Einzelhändlern Logistik-, Marketing- und IT-Dienstleistungen anbietet.

Russland für Adidas keine Priorität mehr

Der deutsche Sportartikelhersteller Adidas will seine Präsenz auf dem russischen Markt und seine Abhängigkeit von ihm reduzieren. Diese Entscheidung fiel schon im Jahr 2014, als das Unternehmen nach dem Einbruch des Rubel-Kurses und dem Kaufkraftverlust der Russen seine sehr optimistischen Erwartungen bezüglich des russischen Marktes radikal revidierte.

In der Tat hatte Adidas zu Beginn dieses Jahrzehnts Russland und die GUS-Staaten zu einer seiner drei strategischen Regionen erklärt - neben Nordamerika und China. Die Anzahl der Adidas-Stores in Russland und den GUS-Staaten sollten von damals 800 in kurzer Zeit auf 1200 erhöht werden. Zeitweise brachte allein der russische Markt dem Konzern zehn Prozent seiner weltweiten Einnahmen ein. Jetzt sind es aber nur noch drei Prozent. Als Reaktion auf die sinkende Kaufkraft kündigte das Unternehmen im vergangenen Sommer an, zahlreiche Adidas-Stores in der Region zu schließen. Nach Auskunft des Unternehmens gegenübe der Deutschen Welle sind noch rund 600 übrig geblieben.

Metro AG will zurück zu den Ursprüngen

Die Metro AG hingegen wird keine ihrer Cash & Carry-Märkte schließen. Sie besitzt insgesamt 89 Filialen in 50 Regionen der Russischen Föderation sowie eine Filiale auf der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim. Das Unternehmen, das in 25 Ländern aktiv ist, schließt sogar die Eröffnung neuer Märkte in Russland nicht aus. Das teilte die Metro AG auf Anfrage der DW mit. Der russische Markt sei zu wichtig. Es sei bereits so viel Geld investiert worden, dass sich die Metro AG einen Rückzug nicht erlauben könne.

Deutschland Adidas AG (picture-alliance/dpa/D. Karmann)

Zahlreiche Adidas-Stores mussten in Russland schließen

Mitte Mai stellte der Konzern einen umfassenden Plan zur Neuordnung seines Russland-Geschäfts vor. Er will wieder zum Geschäft mit kleinen und mittleren Unternehmen wie Hotels, Restaurants, Cafés und kleinen Läden zurückkehren. Während der turbulenten Expansionsphase, als in den 2000er Jahren in Russland ein Konsumboom herrschte, hatte sich das Unternehmen von seinem ursprünglichen Verkaufsmodell entfernt. Massenweise wurden Kundenkarten verteilt - nicht nur an Firmenkunden. Die Folge war, dass die Cash & Carry-Märkte in Russland in einen harten Konkurrenzkampf mit den landesweiten Einzelhandelsketten hineingezogen wurden.

Gleichzeitig gibt die Pressestelle der Metro AG zu, dass ihre aktuellen Probleme in Russland zum Teil auch auf die "sich verschlechternde Situation der kleinen und mittleren Unternehmen" zurückzuführen sind. Dennoch ist die Metro AG zuversichtlich, dass trotz der heutigen Herausforderungen der russische Markt für das Unternehmen großes Potenzial birgt.

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