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Die FARC-Guerilla will ihre Waffen niederlegen

7. Juli 2016

Seit zwei Wochen gilt der historische Waffenstillstand in Kolumbien, Schritt für Schritt müssen die Vereinbarungen nun umgesetzt werden. Und dazu gehört auch die Entwaffnung der FARC-Milizen. Fragt sich nur wie und wo.

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Eine FARC-Kämpferin reinigt ihre Waffe (Foto: DW)

Die Führung der kolumbianischen FARC-Guerilla hat angekündigt, die Abgabe der Waffen in die Wege zu leiten. Dafür müssen die Chefs der linken Milizen von Kuba nach Kolumbien reisen, um Orte und Logistik für die Waffenniederlegung zu bestimmen.

Damit soll die Umsetzung des Waffenstillstands vorbereitet werden, der am 23. Juni in Havanna vereinbart worden war. Nach Einschätzung von Experten haben die "Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens" noch 8000 Mitglieder, die künftig politisch für ihre Ziele kämpfen wollen. Sie fordern Sicherheitsgarantien des Staates, damit sie nach Abgabe ihrer Waffen nicht von rechtsgerichteten Paramilitärs oder anderen früheren Feinden angegriffen werden.

Die Guerilla kappt ihre Geldströme

FARC-Chef Rodrigo Londoño alias "Timochenko" bei den Friedensverhandlungen in Havanna (Foto: dpa)
FARC-Chef Rodrigo Londoño alias "Timochenko" bei den Friedensverhandlungen in HavannaBild: picture-alliance/dpa/O. Barria

FARC-Chef Rodrigo Londoño alias "Timochenko" hat zudem angeordnet, die seit Jahrzehnten übliche Erpressung von Schutzgeld zu beenden. Seit langer Zeit fordert die 1964 gegründete FARC in von ihr kontrollierten Gebieten von Viehzüchtern, Händlern und anderen Gewerbetreibenden eine "Revolutionssteuer", um ihre Kämpfer zu finanzieren und zu ernähren.

Der Erzbischof von Bogota, Kardinal Ruben Salazar Gomez, begrüßte die Anordnung. Dies sei ein weiterer wichtiger Schritt für den Friedensprozess in Kolumbien, sagte der Kardinal, der auch Vorsitzender des lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM ist. Er hoffe, dass sich die FARC "Schritt für Schritt" in die Gesellschaft eingliedere. Die FARC wandle sich derzeit von einer Guerillagruppe in eine zivile Bewegung.

Die katholische Kirche in Kolumbien soll eine zentrale Rolle bei der Reintegration der Guerilleros in die Zivilgesellschaft spielen.

Tiefgreifende Reformen

Vor zwei Tagen hatten sich Regierung und FARC-Guerilla zudem auf erste Schritte geeinigt, um das politische System zu reformieren. So solle eine Expertengruppe mit internationaler Beteiligung ein reformiertes Wahlsystem erarbeiten, wie der Hörfunksender Caracol berichtete. Zudem solle eine Kommission mit Vertretern von sozialen Bewegungen und allen politischen Parteien ein Statut formulieren, um die Beteiligung oppositioneller Gruppen am politischen Leben zu garantieren.

Kranz in Kolumbien mit der Aufschrift "Abschied vom Krieg" (Foto: dpa)
"Abschied vom Krieg" - Ausdruck der Freude in Kolumbien über den VerhandlungsdurchbruchBild: picture-alliance/dpa/EFE/C. Escobar Mora

Die gemeinsame Erklärung, die beide Seiten am Verhandlungsort in der kubanischen Hauptstadt Havanna verabschiedeten, sieht auch eine Beteiligung von großen Nichtregierungsorganisationen vor. Sie sollen dafür sorgen, dass nach der Unterzeichnung eines Friedensvertrags die Beteiligung der Zivilgesellschaft am politischen Geschehen garantiert ist. Ebenso soll die rechte Opposition um Ex-Präsident Álvaro Uribe, der den Friedensprozess als "Entgegenkommen an Terroristen" ablehnt, in den Reformprozess einbezogen werden. "Alle politischen Kräfte des Landes sollen teilhaben", erklärte der amtierende Innenminister Guillermo Rivera.

Die Unterzeichnung eines umfassenden Waffenstillstandsabkommens zwischen der Regierung und den linken Rebellen vor zwei Wochen hat ein Ende des über 50 Jahre währenden Bürgerkrieges in greifbare Nähe gerückt. Präsident Juan Manuel Santos hofft auf die Unterzeichnung eines Friedensabkommens noch im Juli.

rb/qu (afp, ap, dpa, epd, kna,rtr)