Die brasilianische Leichtigkeit des Seins | Kultur | DW | 07.10.2013
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Kultur

Die brasilianische Leichtigkeit des Seins

Bücher made in Brazil: Auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert sich Brasilien als Literaturnation. 70 Schriftsteller sind angereist, um für die Erzählkunst aus ihrer Heimat zu werben. Deutschland ist der größte Markt.

Brasilien setzt auf einen neuen Exportschlager: Literatur. Als Gastland auf der Frankfurter Buchmesse (9.- 13.Oktober) wirbt das größte Land Lateinamerikas mit 70 Autoren und 164 Verlagen um literarische Aufmerksamkeit. "Wir wollen zeigen, dass wir den internationalen Markt kennen und unsere Titel verkaufen können", erklärt Karine Pansa, Vorsitzende der brasilianischen Büchergesellschaft (CBL). Der deutsche Buchmarkt sei viel versprechend und international beachtet.

Bisher galt Brasilien nicht als Exporteur von Literatur, sondern im Gegenteil als Einkäufer von Autorenrechten. Dies soll sich nun ändern. Bis zum Jahr 2020 will das brasilianische Kulturministerium rund 35 Millionen Dollar in die internationale Vermarktung einheimischer Autoren investieren. Mit den öffentlichen Geldern sollen Stipendien für Übersetzer und Autoren finanziert werden, sowie Austauschprogramme und die Beteiligung Brasiliens an internationalen Buchmessen.

Großer Auftritt in Frankfurt

Der brasilianische Auftritt in Frankfurt ist ambitioniert. Umgerechnet rund sechs Millionen Euro investiert die brasilianische Regierung in das kulturelle Begleitprogramm der Buchmesse mit zahlreichen Theater- und Musikveranstaltungen sowie Tanz- und Videoprojekten. Der brasilianische Pavillon ist mit 2500 Quadratmetern fast acht Mal so groß wie der Auftritt des Landes im vergangenen Jahr.

"Frankfurt ist der Auftakt der Kampagne", kündigt CBL-Vorsitzende Karine Pansa an. Auch die Verleger rühren die Werbetrommel: Für das Projekt "Brazilian Publishers“ haben sich 53 brasilianische Verlage mit der Büchergesellschaft CBL und der brasilianischen Agentur für Exportförderung, Apex, zusammengeschlossen.

Bildnummer: 60428611 Datum: 29.08.2013 Copyright: imago/epd Ein Drache der brasilianischen Graffiti-Künstlerin Fefe Talavera hängt am 29.08.2013 am Glasportal der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Die Schirn-Kunsthalle hat die brasilianische Grafitti-Kunst nach Frankfurt geholt. Foto: epd

Mit Graffitikunst ist das Gastland Brasilien im Stadtbild Frankfurts präsent.

Bereits 1994 war Brasilien Gastland auf der Buchmesse in Frankfurt. Damals galt der südamerikanische Aufsteiger noch als große Unbekannte auf dem internationalen Buchmarkt. Das Land präsentierte sich mit seinen klassischen Erfolgsautoren Jorge Amado, João Ubaldo Ribeiro und Machado de Assis. 20 Jahre später hat sich Brasilien vom literarischen Außenseiter zur schriftstellerischen Fundgrube entwickelt.

Abschied von Klischees

"Brasilien präsentiert sich diesmal zeitgemäßer und globaler", erklärt Antonio Martinelli, brasilianischer Kurator der Frankfurter Buchmesse. "Wir haben ganz bewusst auf exotische Klischees verzichtet". Übersetzer Michael Kegler hofft auf ein großes Fest: "Brasilien ist internationaler geworden".

Mit 2500 Quadratmetern ist der brasilianische Pavillon neunmal so groß wie 2012. Foto: dapd

Mit 2500 Quadratmetern ist der brasilianische Pavillion nenmal so groß wie 2012.

Mehr als 20 Autoren werden auf der Buchmesse in Frankfurt ihre Werke in persönlichen Lesungen vorstellen. Bis Ende des Jahres reisen insgesamt 92 brasilianische Autoren als literarische Botschafter ihrer Heimat durch Deutschland und werben auf Buchmessen und Veranstaltungen für ihre neuen, noch unbekannten Werke.

CBL-Vorsitzende Karine Pansa hofft, dass der Auftritt Brasiliens auf der Buchmesse diesmal dazu beiträgt, der brasilianischen Literatur und Kultur langfristig einen Platz auf dem deutschen Markt zu verschaffen. "Einer der großen Fehler von 1994 war, dass die Regierung nach der Buchmesse ihr Programm zur Förderung von Übersetzungen eingestellt hat", erinnert sich die Expertin. "Es gab keine öffentlichen Ausschreibungen mehr". Genau dies sei aber für eine erfolgreiche Präsenz auf internationalen Buchmärkten erforderlich.

Brasilien scheint aus diesen Erfahrungen gelernt zu haben. In den vergangenen zwei Jahren wurden insgesamt 311 Übersetzerstipendien vergeben, mehr als doppelt so viel wie im Zeitraum zwischen 1990 und 2011. Für den deutschen Markt wurden mit Unterstützung von 63 Stipendien seit 2011 die meisten brasilianischen Autoren übersetzt.

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