DFL zahlt Mehrkosten für Polizeieinsätze | Sport | DW | 10.09.2019
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Bundesliga

DFL zahlt Mehrkosten für Polizeieinsätze

Die Deutsche Fußball Liga wird die Gebührenbescheide des Landes Bremen für vier Partien des Bundesligisten SV Werder in Höhe von 1,17 Millionen Euro bis Ende September begleichen - allerdings nur unter Protest.

Lange hat sich die Deutsche Fußball Liga (DFL) gewehrt, nun fließt doch Geld in Richtung Bremen. Ein halbes Jahr nach dem Polizeikosten-Urteil des Bundesverwaltungsgerichts gibt die DFL nach und zahlt - wenn auch nur widerwillig - die Gebührenbescheide des Landes für vier Partien des Bundesligisten SV Werder in Höhe von 1,17 Millionen Euro. Die DFL kündigte an, fristgerecht bis Ende September zu bezahlen. Mit dem erfolgreichen Durchfechten des Streits um die Übernahme der Mehrkosten für Polizeieinsätze könnten nun auch andere Bundesländer dazu übergehen, künftig ebenfalls Geld vom Profifußball für Polizeieinsätze zu verlangen.

Um jedoch Nachahmer abzuschrecken, erkennt die DFL die Rechtmäßigkeit der Bescheide trotz der Zahlung explizit nicht an. "Vielmehr hat die DFL GmbH gegen alle Gebührenbescheide Widerspruch erhoben und behält sich darüber hinaus vor, diese auch jeweils einzeln gerichtlich überprüfen zu lassen", hieß es in einer Mitteilung der DFL.

SV Werder soll zahlen

Die Hälfte der Gesamtsumme stellt der Ligaverband dem Bremer Bundesligaverein SV Werder in Rechnung. Wer die anderen 584.000 Euro bezahlen soll, ist noch ungeklärt. "Ob der DFL e.V. diesen Betrag ebenfalls - ganz oder teilweise - dem SV Werder Bremen in Rechnung stellt, ihn auf alle Klubs umlegt oder einen anderen Umgang wählt, wird das DFL-Präsidium zu gegebener Zeit entscheiden", erklärte die DFL.

Der Klub fühlt sich benachteiligt. Werders Präsident Hubertus Hess-Grunewald sprach sogar von einem "nicht unerheblichen Wettbewerbsnachteil". Es werde einmal mehr deutlich, "dass entgegen der Verlautbarungen der Initiatoren des Gesetzes der SV Werder Bremen großen finanziellen Schaden" nehme. Der Klub sieht die DFL "in der Pflicht, mit uns eine faire und rechtskonforme Lösung zu finden". Man werde in den andauernden Gesprächen mit der DFL sehr deutlich machen, "dass wir eine finanzielle Belastung, die über die 50 Prozent der Mehrkosten für Polizeieinsätze hinausgehen, nur schwer akzeptieren können", so Hess-Grunewald.

Fußball Bundesliga Werder Bremen Mitgliederversammlung Hubertus Hess-Grunewald (picture-alliance/dpa/C. Jaspersen)

Werder-Präsident Hess-Grunewald sieht für seinen Verein einen klaren Wettbewerbsnachteil

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte Ende März festgestellt, dass die Beteiligung des Profi-Fußballs an Polizeikosten grundsätzlich rechtmäßig sei. Das Verfahren, bei dem es vor allem um die Zusatzkosten bei sogenannten Risikospielen geht, ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Die DFL behält sich nach wie vor den Gang vor das Bundesverfassungsgericht vor. Konkret geht es bei den vier Gebührenbescheiden um Partien aus den Jahren 2015 und 2016. Die Einzelsummen belaufen sich auf 227.000, 246.000, 283.000 und 412.000 Euro. Werder-Gegner waren Borussia Mönchengladbach, der Hamburger SV, Hannover 96 und Eintracht Frankfurt.

Bundesländer beraten über "Bremer Weg"

Bremens Politiker verteidigen indes ihre Sicht der Dinge: "Unser Weg ist vernünftig und im Sinne der Steuerzahler", sagte Bürgermeister Andreas Bovenschulte von den Sozialdemokraten Ende August der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Bovenschulte will sich dafür auch bei den übrigen 15 Bundesländern einsetzen. Bremen hatte vor einigen Monaten ein Fondsmodell zur Kostenübernahme vorgeschlagen. Demnach sollen alle Profiklubs in einen bundesweiten Topf einzahlen, aus dem die entstandenen Extrakosten der Länder für Polizeieinsätze beglichen werden. Zuletzt hat die DFL die Einrichtung eines Fonds aber stets abgelehnt.

Auch unter den Bundesländern herrscht Uneinigkeit. Laut einer Umfrage der Zeitung "Weser-Kurier" sind neun Bundesländer gegen den "Bremer Weg", fünf haben sich noch entschieden. Vor allem die Länder, die noch keine Entscheidung getroffen haben, mahnen eine einheitliche Regelung an. Diese soll im kommenden Monat erörtert werden. Dann plant die Innenministerkonferenz Beratungen mit der DFL, dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und Klubvertretern.

asz/uh (sid, dpa)

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