Deutschlands Automarkt bricht ein | Wirtschaft | DW | 08.01.2021
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Autoindustrie

Deutschlands Automarkt bricht ein

Die Corona-Krise hinterlässt auf dem deutschen Automarkt historische Spuren. Fast ein Fünftel weniger Pkw wurden im vergangenen Jahr zugelassen. Das waren so wenige Autos wie zuletzt vor zehn Jahren.

Ganz genau lag das Minus bei den Autozulassungen auf dem deutschen Markt im Vergleich zum Vorjahr bei 19,1 Prozent. Alles in allem kamen 2020 noch 2,9 Millionen Neuwagen auf Deutschlands Straßen, wie das Kraftfahrt-Bundesamt meldete. Stärker eingebrochen waren die Zahlen zuletzt 2010. Damals ging allerdings kurz zuvor ein Zulassungsboom in Folge der Abwrackprämie voraus.

Das letzte Jahr endete aber mit einem Lichtblick für die Händler. Gut 310.000 Neuzulassungen in dem Monat brachten ein Plus von etwa zehn Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. "Viele Privatkunden haben zum Jahresende noch ein Auto gekauft, um von der Mehrwertsteuersenkung zu profitieren", sagte Reinhard Zirpel, der Präsident des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller.

Für 2021 rechnet die Branche mit einer weiteren Erholung, so Hildegard Müller, die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA) am Freitag: "Dennoch dürfte das sehr starke Vor-Corona-Niveau vorerst nicht erreicht werden."

Im Ausland setzten deutsche Autobauer ebenfalls weniger ab, aber das Minus fiel deutlich geringer aus als im Inland. Im Gesamtjahr 2020 wurden laut VDA elf Prozent weniger Pkw von Kunden aus dem Ausland bestellt.

Alternative Antriebe im Aufwind

Deutliche Zuwächse gab es im vergangenen Jahr allerdings bei Elektroautos: Ihr Anteil an allen Neuzulassungen stieg mit insgesamt rund 194.000 Fahrzeugen auf 6,7 Prozent nach knapp 1,8 Prozent im Vorjahr. Außerdem erreichten Fahrzeuge mit Hybridantrieb mit insgesamt knapp 528.000 Neuzulassungen 2020 einen Anteil von 18,1 Prozent - darunter rund 200.000 Plug-in-Hybride. Gegenüber dem Vorjahr legten die Neuzulassungen von Plug-in-Hybriden um 342 Prozent zu, Elektroauto-Neuzulassungen verdreifachten sich (plus 207 Prozent). 

Infografik Anzahl der deutschen Auto-Exporte in 2019
DE

Die Erhöhung der Förderung von Elektroautos durch den Bund von 3000 auf 6000 Euro mache diese preislich derzeit sehr attraktiv und führe zu einem enorm gestiegenen Interesse, erklärte der Automobilmarktexperte der Beratungsgesellschaft EY, Peter Fuß, und verwies zudem auf neue Modelle der Hersteller. Diese hätten im neuen Jahr nun "ein noch größeres Interesse", elektrifizierte Modelle in großer Zahl auf die Straße zu bringen, um die CO2-Vorgaben einzuhalten und Strafzahlungen zu vermeiden. Nun bleibe zu hoffen, "dass auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur in entsprechendem Umfang vorankommt".

Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach erklärte, Deutschland sei 2020 "dank Förderung weltweit zum zweitgrößten Einzelmarkt für die Elektromobilität" aufgestiegen. Damit könne die Bundesrepublik "zunehmend eine Schrittmacherfunktion für die neue Antriebsform entwickeln". Kritisch sei allerdings, dass die hohen E-Autozulassungen noch zu mehr als 50 Prozent auf Plug-in-Hybriden beruhten, "die nur bei bestimmten Fahrprofilen und bei regelmäßigem Laden ökologisch sinnvoll sind", erklärte Bratzel.

ar/hb (dpa, afp)

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