Deutschland = Museumsland | Kultur | DW | 15.05.2011
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Deutschland = Museumsland

Am Internationalen Museumstag feiern sich Museen auf der ganzen Welt. In Deutschland gibt es rund 6.500 Museen. Sie zeigen nicht nur Kunst, Technik und Geschichte, sondern auch Essen, Tiere oder Curry-Würste.

Ein Teller mit Essen (Foto: picture-alliance/dpa)

Angerichtet! Angebote der Museen sind vielseitig

Der Durchschnitts-Deutsche geht 1,3 Mal pro Jahr ins Museum. Fast genauso oft wie ins Kino (1,5 Mal pro Jahr). Zugegeben, die Tickets für Museen sind in der Regel viel günstiger als die fürs Kino. Ein Drittel der deutschen Museen verlangt gar kein Eintrittsgeld. Aber neugierig und lernfreudig ist der Deutsche schon. Und wie könnte es auch anders sein - bei mehr als 6.000 Museen im Land?

Am Sonntag (15.05.2011) ist der Internationale Museumstag. Anlass genug, um die interessantesten deutschen Museen vorzustellen, nach folgenden Kategorien: Was sind die Publikumsmagneten? Welche Museen regen die Geschmacksnerven an? Welche bringen uns etwas Neues bei? Und wo gibt es die kuriosesten Sammlungen Deutschlands? Alles mehr oder weniger subjektiv ausgewählt. Sie dürfen natürlich selbst entscheiden, welches Museum Ihnen am meisten gefällt. And the winners are...


Nofretete im Museum (Foto: picture-alliance/dpa)

Das meistbesuchte Museum Deutschlands

Zu den meistbesuchten Museen gehören das Deutsche Museum in München, das Meeresmuseum in Stralsund und die Ausstellungen auf der Museumsinsel in Berlin. Das Neue Museum (2009 wiedereröffnet, umgebaut von Stararchitekt David Chipperfield) lockte 2010 rund 1,2 Millionen Besucher auf die Museumsinsel in Berlin. Der Pergamonaltar und das babylonische Ischtar-Tor waren fast genauso erfolgreich wie die Nofretete. Sie zogen 1 Million Menschen in das benachbarten Pergamon-Museum.

Das Deutsche Museum in München ist mit rund 1,4 Millionen Besuchern pro Jahr nicht nur das meistbesuchte, sondern auch eins der größten Museen Deutschlands. Seine Sammlungen umfassen mehr als 100.000 Exponate aus den Bereichen Naturwissenschaft und Technik. Zu den bekanntesten Exponaten zählen das erste Auto von Karl Benz, der erste Computer von Konrad Zuse und das erste Motorflugzeug der Gebrüder Wright.

Das Meeresmuseum an der Ostsee mit seinen vier Standorten besuchten im vergangenen Jahr mehr als 1,1 Millionen Menschen. Besonders erfolgreich war der Standort Ozeaneum. Er wurde 2010 mit dem Museums-Oscar, dem "European Museum of the Year Award", gekührt. Im Ozeaneum leben 7000 Meerestiere und Unterwasserpflanzen. Auf seiner Dachterrasse plantschen neun Humboldtpinguinen. Das Pinguinweibchen Alexandra hatte am meisten Glück, ihre Patentante ist die Bundeskanzlerin Angela Merkel.


Collage: Currywurst, Banane, Schokolade (Foto: picture-alliance/dpa)

Das leckerste Museum Deutschlands

Für diese Kategorie gibt es besonders viele Nominierten. Die Entscheidung fällt doch nicht leicht, wenn es alleine zwei Schokoladenmuseen in Deutschland gibt – in Köln und in Halle. Dann noch das Bonbon-Museum bei Stuttgart und das Marzipan-Museum in Lübeck… Und welche Wurst ist leckerer: die Curry- oder die Bratwurst? Studieren und probieren kann man sowohl die eine als auch die andere – in den entsprechenden Museen in Berlin und im thüringischen Holzhausen.

Im malerischen Sierksdorf an der Ostsee gibt es ein Bananenmuseum. Es befindet sich im Keller eines Privathauses. Der Museumsbesitzer führt jedes Wochenende die Museumsgäste persönlich durch die Ausstellung. Er erzählt ihnen, dass die Banane nicht nur "das Lächeln der Natur" symbolisiert, sondern auch die Frucht der deutschen Einheit ist.

Im Örtchen Würchwitz in Sachsen-Anhalt ist einer anderen Frucht ein ganzes Museum gewidmet. Genauer gesagt, einem Milchprodukt: dem Milbenkäse. Diese Kuhmilch-Käse ist so einzigartig auf der Welt, weil auf ihm Millionen von Spinntieren herrumkrabbeln.


Chemikalien-Behälter vor Supermarktregal (Foto: Deutsches Zusatzstoffmuseum)

Das lehrreichste Museum Deutschlands

Und wem es nach dem Milbenkäse noch nicht mulmig geworden ist, dem wird spätestens jetzt der Appetit verdorben. Denn die nächste Nominierung führt uns in das Deutsche Zusatzstoffmuseum in Hamburg. Dort erfahren wir, dass Bananen mit Pflanzenhormonen "großgezogen" werden, dass die Wurst-Sauce oft mit Geschmacksverstärkern gewürzt wird und dass das "natürliche" Aroma in unserem Himbeerjoghurt aus Holzspänen zusammengemischt wird.

Im Hygiene-Museum in Dresden kann man sehr viel lernen – vor allem über sich selbst. Das Herz des Museums bildet die Ausstellung "Abenteuer Mensch". Am Beispiel eines gläsernen Menschen kann man dort nicht nur das Herz, sondern auch alle anderen Organe studieren. Dabei gehen die Erfahrungen im Hygiene-Museum weit über die im Schulunterricht in Biologie hinaus. Im Museum kann man ausprobieren, wie es sich anfühlt, alt zu sein. Man kann auch die Kraft des eigenen Geistes spüren, indem man kleine Kugel mit Gedanken in Bewegung bringt. Ein Stirnband misst die Gehirnströme und leitet die Wellen auf den Magnetfeld mit Kugel weiter. Und sie bewegt sich doch!


Im Mehlsackmuseum (Foto_ Stern Gruppe Holding)

Spezielle Sammlungen aus aller Welt

Was haben Spielkarten, Mehlsäcke und Nummernschilder gemeinsam? Allen diesen Sachen wurde ein eigenes Museum gewidmet. In Wittenburg im Norden Deutschlands wird der Mehlsack als internationales Kulturgut definiert. Die Sammlung umfasst mehr als 2.000 Säcke aus über 117 Ländern. Besonders beliebt unter den Besuchern ist ein aus Südamerika stammender Sack, der einen Ketten zerreißenden Muskelprotz zeigt.

Die Sammlung des Spielkartenmuseums ist ebenso international angelegt. Dort wird die Geschichte von den Anfängen der Spielkarte bis heute erzählt. Jährlich kommen 5.000 Spielkarten-Liebhaber nach Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart, um die größte öffentliche Spielkartensammlung Europas zu bewundern.

Ganz viele Ziffern gibt es im Nummernschildmuseum bei Chemnitz: Nummernschilder für Pferdedroschken und für Fahrräder, Kennzeichen im Deutschen Reich und in den Besatzungszonen, in der DDR und der Bundesrepublik. Das Museum zeigt, dass die Geschichte einer Nation auch ganz anders erzählt werden kann.


Im Museum Koenig (Foto: Museum König Bonn)

Tierisch gut!

Bereits vor 20 Jahren ging die Stuttgarter Schweine-Sammlung ins Guinness-Buch als "Größtes Schweinemuseum der Welt" ein. Heute werden die 41.000 Schweine-Exponaten in 25 Räumen des Alten Schlachthofes präsentiert. Sie zeigen Schweine als Wildtiere, Glücksbringer oder Spielzeug.

Das Museum Koenig in Bonn hat nichts mit der Geschichte der Monarchie zu tun. Es geht um Tiere – tote Tiere. Genannt nach dem Professor Alexander Koenig, ist die Sammlung von 7 Millionen Präparaten eine der größten in Deutschland.

Ausgestopfte und mumifizierte Tiere gibt es auch im kleinen privaten Mausefallenmuseum in Güntersberge im Harz: Mäuse, Ratten, Dachs und andere Schädlinge. Der Fokus liegt dabei auf deren Bekämpfung. Fallen, Fangtürme, Mäusegalgen und Selbstschußanlagen – der Erfinder des Museums schwärmt vom Erfindergeist vergangener Generationen. Dieses Museum ist nichts für Tierschützer, nur für Kuriositäten-Jäger.

Autorin: Olga Kapustina
Redaktion: Sabine Oelze

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links