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Deutschland ist gewappnet

4. Februar 2004

Entwarnung in Dresden: der Verdacht auf Vogelgrippe bei einem Vietnamesen ist ausgeräumt. Trotzdem: Deutschland bereitet sich weiter auf den Ernstfall vor.

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Keine direkte Gefahr für Deutschland?Bild: AP

Der Vietnamese, der in Dresden arbeitet, war am Dienstag (3.2.2004) ins Krankenhaus gekommen. Erst vor wenigen Tagen war er aus seiner Heimat zurückgekehrt. Dort hätte der Mann auf der Geflügelfarm seines Bruders mitgearbeitet, hieß es in einem Pressebericht. Seine Hausärztin befürchtete, er könne das Vogelgrippe-Virus aus Asien eingeschleppt haben. Nun steht fest: der Mann hatte keinerlei Grippe-Viren.

Ausbreitung unwahrscheinlich

Dass sich die Vogelgrippe nach Europa ausbreitet, halten viele Experten für unwahrscheinlich. Das derzeit grassierende Virus H5N1 gilt als nicht sehr ansteckend. Die Gefahr, dass sich das Virus mit menschlichen Grippeviren kreuzt und so von Mensch zu Mensch übertragbar würde, sei gering, sagte der Chef des WHO Grippeprogramms Klaus Stöhr. "Wir wollen das nicht herunterspielen, aber unsere Besorgnis ist nicht gewachsen." Das gelte auch nachdem in Vietnam jetzt zwei Schwestern erkrankt sind, bei denen sich kein Kontakt mit infiziertem Geflügel nachweisen lässt.

Deutscher Notfallplan

Dennoch arbeiten in Deutschland Bund und Länder an einem Notfallplan, falls das Virus doch von Mensch zu Mensch übertragen werden sollte. Deutschland habe mehrere Mittel gegen ein mögliches Supervirus aus Menschen- und Vogelgrippeviren, sagte ein Mitglied der Bund-Länder-Kommission; die Vorräte müssten jetzt aufgestockt werden. Das Notfallkonzept sieht vor, dass zuerst Erkrankte, sowie Ärzte und Krankenschwestern die neuartigen Grippe-Medikamente erhalten. Pharmakonzerne sollen Produktionskapazitäten frei halten, um gegebenenfalls Millionen von Menschen damit versorgen zu können.

Falls ein neues vom Menschen übertragbares Virus entsteht, sollen die Pharmaunternehmen außerdem auf der Basis des neuen Virusstamms einen Impfstoff entwickeln. Es kann jedoch bis zu sechs Monate dauern, bis es den Impfstoff in ausreichender Menge gibt.

Keine Desinfektionsmatten an Flughäfen

Derzeit kann Europa nur vorbeugen. Auf dem holländischen Flughafen Amsterdam-Schiphol müssen Einreisende aus Asien über Desinfektionsmatten laufen. Die niederländische Regierung will so verhindern, dass die Vogelgrippe über den Luftweg eingeschleppt wird. Der niederländische Landwirtschaftsminister hat die deutsche Regierung gebeten, ähnliche Vorsichtmaßnahmen zu treffen. Bisher liegen keine solchen Matten an deutschen Flughäfen aus.

Tötungscontainer für Hühner

Damit sich die Vogelgrippe nicht nach Deutschland ausbreitet, gilt zudem weiter das Import-Verbot für Geflügel aus Südostasien - nicht nur für Hühner, sondern auch für Ziervögel. Das Importverbot für Ziervögel ist nicht zuletzt eine Vorsichtsmaßnahme für die Tiere. Es soll verhindern, dass sich deutsche Vögel anstecken. Dennoch sind die Bundesländer darauf vorbereitet. So gibt es in Niedersachsen, Deutschlands Geflügelland Nr. 1, bereits eine spezielle Eingreiftruppe und sogennante Tötungscontainer für Geflügel. (dp)