Deutschland bekommt Flüssiggas aus den VAE | Aktuell Deutschland | DW | 25.09.2022
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Energieversorgung

Deutschland bekommt Flüssiggas aus den VAE

Als Folge der ausbleibenden Energielieferungen aus Russland intensiviert Deutschland seine Partnerschaft mit den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ein Besuch von Kanzler Olaf Scholz dort sorgt für diverse Verträge.

Bundeskanzler Olaf Scholz äußert sich vor Journalisten

Bundeskanzler Olaf Scholz bei seinem Besuch in den VAE

Die Menge ist verhältnismäßig gering, aber immerhin ein Anfang: Ende Dezember soll eine erste Lieferung von verflüssigtem Erdgas (LNG) per Schiff aus den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) am neuen LNG-Terminal in Brunsbüttel bei Hamburg eintreffen. Den entsprechenden Vertrag mit einer Liefermenge über 137.000 Kubikmeter LNG schloss der Essener Energiekonzern RWE mit der staatlichen Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC). Die Menge entspricht - je nach Rohstoffqualität - ungefähr einer Million Kilowattstunden. "Darüber hinaus hat ADNOC eine Reihe weiterer LNG-Ladungen exklusiv für deutsche Kunden im Jahr 2023 reserviert", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Regierungen Deutschlands und der VAE. Die Bundesregierung bemüht sich bereits seit einem halben Jahr um zusätzliche Flüssiggaslieferungen aus der Golfregion.

Das noch im Bau befindliche LNG-Terminal an der Elbe in Brunsbüttel (Schleswig-Holstein)

Das noch im Bau befindliche LNG-Terminal an der Elbe in Brunsbüttel (Schleswig-Holstein)

Der emiratische Staatskonzern soll ab 2023 zudem monatlich bis zu 250.000 Tonnen Dieseltreibstoff liefern. Die entsprechende Vereinbarung wurde mit dem niedersächsischen Energieunternehmen Hoyer geschlossen.

Scholz: Keine neuen Abhängigkeiten schaffen

Bundeskanzler Olaf Scholz teilte während seines Besuchs in den VAE mit, die Kooperation mit den Emiraten auf dem Energiesektor werde weiter vorangetrieben. Man müsse bei der Energieversorgung auf möglichst viele Anbieter setzen. Die Abhängigkeit von einem Lieferanten "wird uns sicherlich nicht wieder passieren", betonte Scholz in Abu Dhabi. Bis zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine bezog Deutschland etwa 55 Prozent seines Erdgases aus Russland.

Scholz: Flüssiggas aus Vereinigten Arabischen Emiraten

Die VAE halten nach Angaben der US-Energiebehörde EIA die siebtgrößten nachgewiesenen Erdgas-Vorkommen der Welt mit rund sechs Billionen Kubikmetern. Ihre Flüssiggas-Exporte gingen bisher vor allem nach Asien.

Scholz erklärte mit Blick auf die Ausweitung der Gasförderung in den Golfstaaten: "Wir müssen dafür sorgen, dass die Produktion von Flüssiggas in der Welt so weit vorangebracht wird, dass die hohe Nachfrage, die existiert, bedient werden kann, ohne dass auf die Produktionskapazitäten zurückgegriffen werden muss, die in Russland existieren."

Der Kanzler betonte zugleich, die Verhandlungen auch über eine Zusammenarbeit im IT-Sektor mit den VAE seien sehr wichtig für die künftige wirtschaftliche Kooperation, aber auch für die Transformation zu einer klimaneutralen Volkswirtschaft.

Mariam bint Mohammed Saeed Hareb Almheiri und Olaf Scholz

Mit der Ministerin für Klimawandel und Umwelt der VAE besichtigt der Kanzler auch den Jubail Mangrove Park

In der gemeinsamen Regierungserklärung heißt es ferner, ADNOC habe weitere Vereinbarungen mit deutschen Firmen getroffen, darunter Steag und Aurubis. Dabei soll es etwa um die Lieferung von kohlenstoffarmem Ammoniak gehen, einem Trägerbrennstoff für Wasserstoff. Die erste dieser Ladungen sei bereits Anfang September in Hamburg eingetroffen. Beide Länder wollten weitere Möglichkeiten für die Zusammenarbeit in der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette prüfen. Darüber hinaus soll die VAE-Firma Masdar verstärkt bei Offshore-Windparks in der deutschen Nord- und Ostsee aktiv werden.

Gespräche auch in Katar

Der Kanzler reiste anschließend nach Katar weiter. Das reiche Emirat verfügt nach Russland und dem Iran über die drittgrößten Gasreserven weltweit und ist führender Flüssiggas-Exporteur. Es gebe Gespräche zwischen beiden Seiten, die vertieft würden, sagte Emir Tamim bin Hamad bin Khalifa Al Thani nach einem Treffen mit Scholz in der Hauptstadt Doha. Katar habe seine Gasförderung erweitert, weil man um die wachsende Nachfrage wisse. Scholz erklärte, er habe mit dem Emir über LNG-Lieferungen gesprochen. "Wir wollen weitere Fortschritte erreichen", sagte er, ohne Details zu nennen. Verträge wurden nicht bekannt gegeben.

Noch keine idealen Arbeitsbedingungen 

Scholz äußerte sich auch zu den Arbeitsbedingungen von Gastarbeitern, wenige Wochen vor dem Start der Fußball-Weltmeisterschaft in dem Emirat. "Zur Kenntnis nehmen wir, dass es Fortschritte gibt in Fragen, um die lange gerungen werden musste, etwa, was die Situation von Beschäftigten betrifft. Auch wenn das noch lange nicht den Vorstellungen entspricht, die wir selber haben", sagte der 64-Jährige.

Katar steht wegen Menschrechtsverstößen und des Umgangs mit Arbeiterinnen und Arbeitern aus anderen Ländern schon lange in der Kritik. In der Vergangenheit war es zu mehreren tödlichen Unfällen auf WM-Baustellen gekommen. Die Weltmeisterschaft beginnt am 20. November.

se/jj (rtr, dpa, afp)

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