Wird Angola Deutschlands erster afrikanischer Wasserstoff-Lieferant? | Afrika | DW | 17.06.2022
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Klimaschutz

Wird Angola Deutschlands erster afrikanischer Wasserstoff-Lieferant?

Angola könnte riesige Mengen grünen Wasserstoff herstellen. Deutschland braucht sie dringend. Ab 2024 könnte es losgehen. Und andere afrikanische Länder könnten nachziehen. Doch viele Fragen sind noch offen.

Angola soll Deutschland als erstes afrikanisches Land mit grünem Wasserstoff beliefern. Der staatliche angolanische Energiekonzern Sonangol und die beiden deutschen Firmen Gauff Engineering und Conjuncta unterzeichnete diese Woche eine Absichtserklärung für den Bau einer Fabrik. Sie soll ab 2024 rund 280.000 Tonnen grünes Ammoniak für den Export produzieren.

Deutschlands Hunger nach grünem Wasserstoff

Die Bundesregierung und viele Unternehmen halten Wasserstoff für das Zaubermittel, um Deutschlands Wirtschaft klimafreundlich zu machen. Durch den Ukraine-Krieg ist der Bedarf noch dringender geworden. Die Gas- und Strompreise sind teils drastisch gestiegen. Denn Deutschland ist von russischem Gas abhängig und sucht nun händeringend nach anderen Versorgungsmöglichkeiten. Das Angola-Projekt ist dadurch aus Sicht der beteiligten Firmen noch wichtiger: "Das hilft Deutschland, schneller auf grüne Energie umzusteigen und unabhängig von Gas und Russland zu werden", sagte Conjuncta-Chef Stefan Liebing der DW. 

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Deutsche und angolanische Firmenvertreter haben in Berlin eine Absichtserklärung unterschrieben

Nach Angaben von Sonangol verfügt Angola über erhebliches Potenzial, um grünen Wasserstoff zu produzieren. Er wird durch Elektrolyse erzeugt, indem Wassermoleküle mit Hilfe von erneuerbarem Strom in ihre Bestandteile aufgespalten werden. Und Angola verfügt über ungenutzte Wasserreserven: Schätzungen zufolge werden von den 47 großen Wassereinzugsgebieten derzeit nur fünf Prozent genutzt.

Afrikas Reichtum: Wind, Wasser und Sonne

Angolas Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Nutzung erneuerbarer Energien bis 2025 auf 70 Prozent zu steigern. Das Wasserstoff-Projekt soll dazu beitragen. Ein Teil der Produktion soll auch in den lokalen Markt gehen. Der Minister für mineralische Ressourcen und Erdöl, Diamantino Pedro Azevedo erklärt im DW-Interview, wie wichtig das Projekt für Angolas Energiewende ist. "Hier zeigt sich, dass Angola großes Potenzial für die Entwicklung von Wasserstoffprojekten hat und auch über Infrastruktur verfügt, die es uns ermöglicht, das Projekt mit einer gewissen Geschwindigkeit und Qualität zu entwickeln", sagte er.

Viele afrikanische Länder könnten klimafreundlichen  Wasserstoff produzieren, sagt der nigerianische Energie-Experte Chigozie Nweke-Eze zur DW: "Der afrikanische Kontinent ist reich an allen Arten von Energieressourcen: Sonne, Wind, Wasser. Es gibt viele Möglichkeiten, erneuerbare Energien zu erzeugen, die innerhalb des Kontinents genutzt und auch exportiert werden können." Doch sie werden kaum genutzt: Im Jahr 2018 erzeugte der Kontinent etwa 180 Terawattstunden Strom aus erneuerbaren Energien - weniger als 0,02 Prozent des geschätzten Potenzials.

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Deutschland ist interessiert

Diese Zahlen sind auch in Deutschland bekannt. Daher wächst das Interesse an grünem Wasserstoff aus Afrika - nicht nur aus Angola. Letztes Jahr stellte das Bundesforschungsministerium eine Untersuchung vor, wo er im westlichen und südlichen Afrika hergestellt werden könnte. 

Namibia hat die Bundesregierung 40 Millionen Euro für eine nationale Strategie zur Entwicklung von grünem Wasserstoff zugesagt. In der Vergangenheit hatten deutsche Firmen auch über eine gigantische Produktionsstätte in der Demokratischen Republik Kongo gesprochen. 

Doch Deutschlands Interesse könnte für Afrika auch Nachteile haben. Mehr als die Hälfte der afrikanischen Bevölkerung hat keinen Strom. "Auf dem afrikanischen Kontinent ist der Zugang zu Elektrizität weniger gut. Es gibt also immer noch mit Problemen der Energiesicherheit. Das sollte man erst einmal lösen, damit die Produktion von grünem Wasserstoff nicht auf Energieprobleme stößt", sagt der Energie-Experte Chigozie Nweke-Eze.

Woher kommt das Waser?

Außerdem verbraucht die Herstellung von grünem Wasserstoff viel Wasser, während manche Regionen Afrikas unter schlimmer Wasserknappheit leiden. Etwa 400 Millionen Menschen im Afrika südlich der Sahara haben keinen Zugang zu Trinkwasser. "Wir müssen sicherstellen, dass die Wasserquellen für die Produktion von grünem Wasserstoff in keiner Weise mit anderen Verwendungszwecken von Süßwasser konkurriert", mahnt Nweke-Eze.

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In Angola sei das kein Problem, versichert Gauff-Generaldirektor Stefan Tavares Bollow. "Angola hat genug sauberes Wasser. Sie brauchen kein Meerwasser zu entsalzen, um das benötigte Wasser zu erhalten."

Entsalztes Meereswasser könnte jedoch ebenfalls genutzt werden. Bei ausreichend Wasser könnten allein in Westafrika etwa 120.000 Terawattstunden grüner Wasserstoff pro Jahr produziert werden. Ganz Deutschland wird nach dem Bundesverband Erneuerbare Energien im Jahr 2030 etwa 745 TWh benötigen.

Schwieriger Transport

Doch der Export nach Deutschland kann nur klappen, wenn vorher das Transport-Problem gelöst wird.  Bisher gelten Schiffe als günstigste Lösung, bei kürzeren Entfernungen könnten Pipelines erheblich billiger sein. Momentan transportieren die meisten Leitungen aber Erdgas aus Nordafrika entweder nach Europa oder in den Nahen Osten. Eine westafrikanische Pipeline, die Gas aus Nigeria in die Nachbarländer Benin, Togo und Ghana transportiert, bietet zwar Potenzial für den Transport von Wasserstoff. Und das kürzlich gestartete Nigeria-Marokko-Pipeline-Projekt könnte möglicherweise nach Europa verlängert werden. "Aber diese Projekte sind noch nicht abgeschlossen", sagt Nweke-Eze.

Bis also große Mengen Wasserstoff aus Afrika nach Europa exportiert werden können, muss noch einiges passieren. Doch Nweke-Eze hält solche Projekte dennoch für die Zukunft. "Es gibt viele gute Gründe, mit der Zusammenarbeit zu beginnen. Deutschland spielt in Afrika bereits eine Rolle und wir hoffen, dass sich dies in Zukunft verstärken kann, in Form einer Partnerschaft auf Augenhöhe." Dann würde dem Fluss grüner Energie aus Afrika nach Europa nichts mehr im Wege stehen.

Mitarbeit: Cristiane Viera Teixeira

17.06.22: Fehler im Teaser korrigiert

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